Oliver Glasners Crystal Palace sind nicht, was sie scheinen

Beobachten Sie Crystal Palace 90 Minuten lang, und Sie sehen ein Team, das versucht, von hinten herauszuspielen, Positionen zu tauschen und in einer 4-2-2-2-Formation zu pressen. Beobachten Sie sie eine ganze Saison, und Sie sehen eine Mannschaft, die in alarmierendem Tempo Gegentore nach Kontern kassiert. Das Problem liegt nicht am Einsatz oder am Talent – es ist ein strukturelles Vakuum dort, wo ein Mittelfeld sein sollte.

Die Geschichte des Mythos „Doppelsechser“

Der Doppelsechser ist zu einer bequemen Abkürzung für defensive Stabilität geworden. Teams wie Manchester City nutzen einen nominellen Doppelsechser, der als eine einzige kreative Schaltzentrale plus Zerstörer fungiert. Aber Palaces Paarung aus Jefferson Lerma und Cheick Doucouré agiert als zwei Zerstörer ohne Verbindung zu den Stürmern. In der Saison 2023/24 hatte Palace mit durchschnittlich 11 Pässen in das letzte Drittel die wenigsten aller Teams in der unteren Tabellenhälfte – ein Rückgang von 16 unter Roy Hodgson.

Das ist nicht neu. In der Saison 2018/19 hinterließ auch Fulhams Mittelfeld mit Kevin McDonald und André-Frank Zambo Anguissa eine Kluft zwischen Abwehr und Angriff, was zu 84 Gegentoren führte. Palace wiederholt dieses Muster: zwei defensiv denkende Spieler, die denselben Raum besetzen, keiner von ihnen fühlt sich wohl, wenn er unter Druck den Ball erhält.

Das Argument: Palaces Formation ist ihr eigener Feind

Glasners 4-2-2-2 opfert zentrale Durchschlagskraft für Überzahl auf den Außen. Die Flügelspieler – meist Eberechi Eze und Michael Olise, wenn fit – ziehen nach innen, aber die Außenverteidiger bieten keine effektive Breite. Die beiden Stürmer, häufig Jean-Philippe Mateta und Odsonne Edouard, lassen sich fallen, um den Ball zu bekommen, und lassen so niemanden im Strafraum zurück.

  • Gegen Liverpool im Dezember 2024 spielte Palace 89 Pässe in das letzte Drittel – aber nur 3 in die zentrale Zone. Der Doppelsechser spielte 71 % seiner Pässe seitlich oder nach hinten.
  • Wenn Doucouré nach vorne schiebt, bleibt Lerma isoliert. Bei Umschaltbewegungen sind die beiden Innenverteidiger ohne Absicherung freigelegt. Palace kassierte in den ersten 15 Spielen 6 Gegentore nach Kontern – zweitmeiste in der Liga.
  • Der Mangel an einem aufbauenden Passgeber führt dazu, dass der Ball früh nach außen geht. Palace hat mit 8,9 Pässen pro Spiel in den Strafraum den zweitniedrigsten Wert aller Teams außerhalb der Top Sechs.

Gegenargument und Erwiderung

Einige werden argumentieren, dass Dean Hendersons Verletzung und die Verkäufe von Schlüsselspielern den Zusammenhalt gestört haben. Andere werden auf Ezes Klasse verweisen als Beleg dafür, dass das System funktioniert. Aber Verletzungen und individuelles Talent erklären nicht das strukturelle Problem: ein Doppelsechser, der es nicht schafft, Abwehr und Angriff zu verbinden. Selbst mit vollständigem Kader fehlt Palaces Mittelfeld ein Verteiler. Die Daten zeigen: Wenn Gegner Palaces Innenverteidiger pressen, lässt sich der Doppelsechser zu tief fallen, was eine 30-Meter-Lücke zu den Stürmern schafft. Diese Lücke ist das Vakuum.

Fazit / Prognose

Es sei denn, Glasner verpflichtet im Januar einen Mittelfeldspieler mit Vorwärtspässen – etwa einen Spieler wie Ryan Gravenberch oder Kiernan Dewsbury-Hall –, wird Palace auf Platz 14 oder tiefer landen. Die erwarteten Tore aus dem Mittelfeld (xG von 1,2 pro Spiel) deuten auf ein Team hin, das viel zu wenig kreiert. Das strukturelle Vakuum wird Punkte kosten, und bis März wird der Trainer Fragen zu seiner taktischen Anpassungsfähigkeit beantworten müssen.

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