Crystal Palaces Mittelfeld ist nicht nur durchschnittlich – es ist ein strukturelles Loch, das Oliver Glasners gesamtes Projekt zum Einsturz bringen könnte.
Beobachtet man Palace über einen längeren Zeitraum, fällt immer wieder dasselbe Muster auf: Der Ball zirkuliert harmlos zwischen den Innenverteidigern, die Außenverteidiger zögern, und der Pass ins Mittelfeld geht entweder nach hinten oder ist ein Hoffnungsball. Das ist keine Vertrauenskrise. Es ist ein struktureller Fehler, der im Kader steckt.
Moderne Premier-League-Teams brauchen mindestens einen Mittelfeldspieler, der unter Druck den Ball annehmen, sich drehen und das Spiel nach vorne bringen kann. Palace hat keinen.
Jefferson Lerma und Cheick Doucouré sind beides exzellente Zerstörer – kampfstark, athletisch, hervorragend im Spielunterbrechen. Aber keiner von beiden bietet progressives Passspiel oder Ruhe in engen Räumen. Doucouré kommt auf durchschnittlich nur 4,2 progressive Pässe pro 90 Minuten, womit er zu den unteren 15 Prozent der Premier-League-Mittelfeldspieler gehört. Lermas Werte sind noch geringer: 3,1. Zum Vergleich: Selbst defensiv denkende Mittelfeldspieler wie João Palhinha (5,8) oder Moisés Caicedo (6,1) übertreffen diese Werte deutlich.
Das Fehlen eines Spielmachers aus der Tiefe zwingt Palace dazu, den Spielaufbau über die Außen zu verlagern, wo er berechenbar wird. Gegner schieben sie einfach nach außen, verdichten die Halbräume und warten auf die Flanke. Palace belegt Platz 16 bei der Chancenkreation aus dem Spiel heraus – und die erwarteten Tore aus dem Mittelfeld sind die niedrigsten der Liga.
Drei konkrete taktische Konsequenzen aus diesem Mittelfeld-Loch:
- Überlastung der Innenverteidiger: Marc Guéhi und Joachim Andersen müssen den Ball selbst nach vorne tragen und setzen sich so Kontern aus. Palace hat 12 Gegentore nach schnellen Gegenstößen kassiert – zweitschlechtester Wert der Liga.
- Isolierte Flügelspieler: Eberechi Eze und Michael Olise bekommen den Ball, wenn die Abwehr bereits steht, selten im Raum. Ezès Dribbling-Erfolgsquote ist von 62 % auf 51 % gefallen, seitdem er sich weiter zurückfallen lassen muss, um am Spiel teilzunehmen.
- Keine zweite Ball-Sicherheit: Wenn Palace den Ball klärt, sind Lerma und Doucouré oft falsch positioniert und hinterlassen Lücken für den Gegner, um nachzulegen. Teams wie Brighton und Aston Villa haben dies gnadenlos ausgenutzt: 8 ihrer 14 Torschüsse gegen Palace entstanden aus zweiten Aktionen.
Manche könnten einwenden, dass Glasners System gar keinen Spielmacher braucht – sein Wolfsburg dominierte mit athletischeren, vertikalen Mittelfeldspielern.
Aber die Bundesliga ist nicht die Premier League. In Deutschland sah sich Wolfsburg weniger intensivem Pressing ausgesetzt und konnte das Mittelfeld mit direkten Bällen auf großgewachsene Stürmer umgehen. Palaces Angreifer – Odsonne Édouard, Jean-Philippe Mateta – sind keine Zielspieler. Sie brauchen Zuspiele in den Fuß. Ohne einen Mittelfeldverteiler wird Palaces Angriff zu einer Aneinanderreihung von Hoffnungsbällen. Die Daten bestätigen dies: Palace kommt auf durchschnittlich nur 8,9 Pässe pro Angriff, drittniedrigster Wert der Liga, und die Passquote im letzten Drittel beträgt magere 67 %.
Glasner hat versucht, die Formation auf ein 3-4-3 umzustellen und die Außenverteidiger höher zu schieben, aber die Ursache bleibt bestehen. Das Mittelfeld-Duo ist zu defensiv und zu limitiert mit dem Ball. Sogar ein Spieler wie Will Hughes – technisch ordentlich, aber körperlich unterlegen – wurde aus Verzweiflung eingesetzt. Das Ergebnis ist eine Mannschaft, die viel zu wenig kreiert, um sicher zu überleben.
Bis Januar wird Palace erkennen, dass das Mittelfeld-Ungleichgewicht nicht zu beheben ist. Sie werden 14. – und nur ein Wintertransfer eines echten Metronoms kann das ändern.
Wenn sie das Problem nicht angehen, droht der Abstiegskampf. Das strukturelle Loch ist so tief. Glasners Ruf wird an dieser einen, behebbaren Schwäche hängen – aber deren Behebung erfordert ein Profil, das der Verein seit drei Transferfenstern ignoriert.
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