Evertons Mittelfeld ist nicht funktional, sondern eine defensive Illusion
Sean Dyche hat Goodison Park gegen die Topteams zur Festung gemacht, doch die Zahlen zeigen ein anderes Bild. Evertons Mittelfeld ist keine Plattform für Angriffe, sondern ein Friedhof für Ambitionen. Während die Fünferkette Lob erntet, zerstört das Mittelfeld systematisch jede Offensivaktion, noch bevor sie beginnt.
Das strukturelle Vakuum, das jeden Ballbesitz untergräbt
Seit Dyche das Amt übernommen hat, kommt Everton auf durchschnittlich 41,2 % Ballbesitz – der drittniedrigste Wert der Liga. Das an sich ist nicht tödlich; Burnley hatte unter Dyche sogar noch weniger und überlebte mehrere Spielzeiten. Aber Burnley hatte klare Anspielstationen in Ashley Barnes und Chris Wood dank ihrer Physis sowie Mittelfeldläufer wie Dwight McNeil. Everton hat weder das eine noch das andere.
Das zentrale Duo aus Amadou Onana und James Garner – oder Idrissa Gueye, wenn fit – kombiniert physische Präsenz mit begrenztem Passspiel. Onana kommt auf 38,7 Pässe pro 90 Minuten bei einer Quote von 84,1 %, aber 76 % davon sind Seiten- oder Rückpässe. Er ist ein Zerstörer, der den eigenen Spielfluss unterbricht.
Der Beleg für systemisches Versagen anhand von drei Schlüsselkennzahlen
- Progressive Pässe pro 90 Minuten: Evertons Mittelfeldspieler liegen in den unteren 15 % der Premier League, was Pässe angeht, die den Ball mindestens zehn Yards in Richtung Tor bewegen. Onana kommt auf 2,1; Garner auf 1,8. Im Vergleich dazu: Aston Villas Douglas Luiz (5,4) oder sogar Sheffield Uniteds Oliver Norwood (3,9 vor seinem Leistungsabfall).
- Pässe ins letzte Drittel: Everton kommt als Team auf durchschnittlich 12,3 pro Spiel, der niedrigste Wert der Liga. Nur Bournemouth (13,1) kommt nahe heran, aber deren Mittelfeldspieler sind weitaus aktiver. Das Toffee-Trio bringt es zusammen auf nur 4,7 Zuspiele ins letzte Drittel pro Partie.
- Steilpässe und progressive Dribblings: Garner versucht 0,1 Steilpässe pro 90 Minuten; Onana 0,0. Sie sind nicht in der Lage, eine Abwehrreihe zu öffnen. Ihre Dribblings führen selten zu einem Torschuss oder einer Torvorlage – zusammen 2,1 torschussvorbereitende Aktionen pro 90 Minuten, weniger als Bruno Fernandes allein schafft.
Das Ergebnis ist eine Mannschaft, die im Mittelfeld Ball um Ball erobert, aber nicht weiß, was sie damit anfangen soll. Gegen Manchester City im Februar erzwang Everton 19 Ballverluste im Mittelfeld, schaffte aber keinen einzigen Torschuss aus dem Spiel heraus. Der Ball kommt einfach immer wieder zurück.
Das Gegenargument: Dyches System braucht keine Mittelfeldkreativen
Manche argumentieren, Dyches Stil sei bewusst direkt, indem er das Mittelfeld mit langen Bällen auf Dominic Calvert-Lewin oder einen Zielstürmer umgeht. Tatsächlich sind 27 % von Evertons Pässen lange Bälle, der höchste Wert der Liga. Aber dieses Argument hält einer Überprüfung nicht stand.
Calvert-Lewin gewinnt 3,2 Kopfballduelle pro Spiel, was ihn auf Platz 14 unter den Stürmern bringt. Er ist kein dominanter Zielspieler wie ein Troy Deeney in Bestform. Und selbst wenn der Ball hängen bleibt, fehlt Everton die zweite Welle. Die Mittelfeldspieler, darauf konditioniert, tief zu stehen und abzusichern, rücken nach einem Kopfball nicht in die freien Räume vor. Sie bleiben hängen und lassen Calvert-Lewin isoliert. Ergebnis: Everton erzielt 0,83 Tore pro Spiel – der zweitschlechteste Angriff der Liga, nur vor Sheffield Uniteds 0,76.
Auch die Konter sind dürftig. Ohne Mittelfeldspieler, die den Ball mit Tempo führen können – man denke an einen Yaya Touré in Bestform oder einen Dele Alli auf seinem Höhepunkt – sterben Evertons Umschaltsituationen, bevor sie das letzte Drittel erreichen. Garner kommt auf 0,5 Dribblings in den Strafraum pro 90 Minuten; Onana auf 0,3. Beide gehören zu den schlechtesten Werten aller Stamm-Mittelfeldspieler der Liga.
Fazit: Klassenerhalt ist kein Fortschritt; das Mittelfeld hält Everton in der unteren Tabellenhälfte, wenn es nicht umgebaut wird
Wenn Everton in dieser Saison den Abstieg vermeidet – und das wird es wahrscheinlich, dank einer soliden Abwehr und der Heimstärke – darf die Vereinsführung nicht der Versuchung erliegen, zu glauben, das System funktioniere. Das Mittelfeld ist eine Zeitbombe, die das Team irgendwann nach unten zieht. Bis zum Sommer 2025 werden sie, wenn sie keinen echten progressiven Passgeber oder Box-to-Box-Läufer verpflichten, erneut in den Abstiegskampf geraten. Ich prognostiziere, dass Everton in der nächsten Saison nicht über Platz 15 hinauskommt, und wenn Onana und Garner das Mittelfeld bilden, werden sie zu Weihnachten in der Abstiegszone stehen. Das ist keine Unkenrufe, sondern eine Folge struktureller Mathematik.
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