Der Mythos des furchtlosen Aufsteigers

Nottingham Forest ist kein kämpferischer Underdog, der die Schwerkraft trotzt. Die Mannschaft von Steve Cooper spielt taktisch naiv – ihr risikoreicher Ansatz steht vor dem Kollaps. Die Zahlen schmeicheln, die zugrundeliegenden Daten schreien nach Regression.

Das Pressing, das keines ist

Forest rangiert unter den Top 5 bei Balleroberungen im letzten Drittel, liegt aber auf Platz 16 bei daraus resultierenden Abschlüssen. Kein Zufall. Ihr Pressing ist eine Ansammlung von unkoordinierten Sprints, kein strukturiertes System. Vergleicht man sie mit Brentford in der Saison 2022/23, die mit starren Zonenauslösungen pressten, jagt Forest nur Schatten. Die Folge: Ein diagonales Zuspiel überbrückt die erste Welle, und die Abwehr ist im Eins-gegen-Eins entblößt.

Die Daten bestätigen den Mangel: Forest erlaubt 1,8 Pässe pro defensiver Aktion (PPDA) im Mitteldrittel – der zweitschlechteste Wert der Liga. Das ist nicht aggressiv, sondern planlos. Sie rennen hart, aber blind – ein Team, das pressen soll, aber nicht kann.

Die Tore als Fata Morgana

15 Tore erzielte Forest nach Standards – 38 Prozent der Gesamtausbeute, der höchste Anteil der Liga. Ohne tote Bälle liegt man auf Platz 17 bei Expected Goals (xG) aus dem Spiel heraus. Der Angriff ist ein Glücksspiel: Flanken in den Strafraum, hoffen auf Abfälscher. Es fehlt an Progressivität im Mittelfeld, an Kombinationsspiel und Struktur.

  • 18 Flanken pro Spiel (vierter Platz) – aber nur 4 Prozent werden zu Toren.
  • Passquote im Angriffsdrittel: 61 Prozent – Schlusslicht.
  • Schlüsselzölle pro Spiel: 7,8 – Platz 19.

Der Einwand: Aber sie haben doch überlebt?

Manche verweisen auf den 13. Platz in der Vorsaison als Beleg für das System. Doch der Klassenerhalt in der Premier League ist oft Glückssache: knappe Siege, VAR-Entscheide, Pech des Gegners. Forest übertraf seinen xG-Wert um 9,2 – die drittgrößte positive Abweichung der Liga. Diese Lücke ist nicht nachhaltig. Wenn die Regression einsetzt, versiegen die Standardtore, und die harmlose Offensive wird fatal.

Die Transferstrategie war zudem wahllos: 21 Neuzugänge in zwei Fenstern, keine klare Identität. Man kaufte Athletik statt Intelligenz, Kraft statt taktischem Verständnis. Das Ergebnis ist ein Kader, der Einzelgefechte gewinnen kann, aber den Abnutzungskampf über 38 Spiele verliert.

Fazit: Abstieg in den Daten geschrieben

Nottingham Forest wird in der nächsten Saison in den unteren drei landen, wenn sie so weitermachen. Die xG-Abweichung wird korrigiert, die Standard-Effizienz sinkt, und die strukturellen Mängel werden von besser vorbereiteten Gegnern entlarvt. Ein Umstieg auf ein ballbesitzorientierteres, kontrolliertes System – wie das von Thomas Frank in Brentford – ist die einzige Hoffnung. Dafür braucht es einen Philosophiewechsel, nicht nur neue Spieler. Die Uhr tickt.

Kategorie: Taktikanalyse | LA Premier League