Des Kaisers neue Kleider: Wie Financial Fair Play zum Schutzschild des Status quo wurde

Seien wir ehrlich: Bei den Finanzregeln der Premier League ging es nie um Fairness. Es ging darum, die Etablierten vor der Unverfrorenheit des neuen Geldes zu schützen. Die Punktabzüge für Everton und Nottingham Forest sind keine Gerechtigkeit; sie sind Inszenierung, die uns glauben machen soll, das System funktioniere.

Eine kurze Geschichte der Heuchelei

Als die UEFA 2011 das Financial Fair Play einführte, verkaufte Michel Platini es als Maßnahme, um Klubs davon abzuhalten, über ihre Verhältnisse zu leben. Die Subtext war ein anderer: Stoppt die Scheichs, die die natürliche Ordnung durcheinanderbringen. Paris Saint-Germain und Manchester City waren die Ziele – Klubs, die es wagten, die Aristokratie herauszufordern. Die Regeln wurden geschrieben, um die Hierarchie zu zementieren, nicht um Wettbewerb zu fördern.

Zehn Jahre später: Manchester City hat das regulatorische Labyrinth mit einem Heer von Anwälten und einer kreativen Interpretation von Sponsoringwerten durchschritten. Ihr Stadionumbenennungsdeal mit Etihad? Bewertet mit 400 Millionen Pfund – eine Summe, die ihnen bequem die Einhaltung von FFP ermöglichte. Everton hingegen wurden zehn Punkte abgezogen, weil sie die Verlustgrenze um 19,5 Millionen Pfund überschritten hatten. Die Kluft zwischen akzeptabel und inakzeptabel misst sich nicht an finanzieller Vernunft, sondern an politischem Einfluss.

Die PSR-Bastille: Wie die Regeln die Reichen schützen

Die Profit and Sustainability Rules (PSR) begrenzen Verluste auf 105 Millionen Pfund über drei Jahre. Klingt vernünftig – bis man bedenkt, dass der FC Chelsea unter Roman Abramowitsch regelmäßig weit höhere Verluste auswies – und keine Sanktionen erhielt. Der Unterschied? Chelsea hatte einen wohlhabenden Gönner, der die Verluste durch Kapitaleinlagen ausglich. Die Regeln verhindern keine leichtsinnigen Ausgaben; sie verhindern Ausgaben, die nicht ins genehme Narrativ passen.

Betrachten wir diese konkreten Beispiele:

  • Manchester Citys Etihad-Sponsoring (2011): Bewertet mit 400 Millionen Pfund über zehn Jahre, eine Summe, die unabhängige Prüfer später anzweifelten, die die Premier League aber akzeptierte. Citys Compliance hing von einer einzigen Transaktion ab, die kein anderer Klub nachahmen konnte.
  • Evertons neues Stadion (2023): Zinszahlungen für die Bramley-Moore-Dock-Entwicklung brachten Everton über die PSR-Grenze. Doch das Stadion ist ein langfristiges Asset, das die Einnahmen steigern wird. Die Regeln bestraften Investitionen, während sie Stagnation belohnten.
  • Brightons 50-Millionen-Pfund-Gewinn mit Moisés Caicedo: Brighton verkaufte einen Spieler für 115 Millionen Pfund und investierte in die Jugend. Ihr Modell gilt als vorbildlich. Aber es beruht darauf, ein Zulieferer zu sein – eine Rolle, die die Elite nie spielen muss.

Das System schafft eine Zweiklassen-Liga: Klubs, die nachhaltig ausgeben können (sprich: enorme bestehende Einnahmen haben), und Klubs, die verkaufen müssen, um zu überleben. Letztere heißen „gut geführt“, erstere „erfolgreich“. Das moralische Urteil ist in die Regeln eingebaut.

Das Gegenargument: Aber Klubs müssen doch in ihren Verhältnissen leben?

Natürlich. Niemand plädiert für finanzielle Zügellosigkeit. Aber die Prämisse, dass FFP zur Haushaltsdisziplin zwingt, ist eine Mär. Die bestraften Klubs sind jene mit investitionswilligen Besitzern – genau die Art von Ambition, die die Liga angeblich feiert. Wenn Newcastle United nach der Übernahme Verluste von 73 Millionen Pfund ausweist, lautet die Erzählung, sie würden die Regeln brechen. In Wahrheit versuchen sie, mit Klubs zu konkurrieren, die jahrzehntelang unter anderen Regeln ausgeben durften.

Das Gegenargument ist einfach: Die aktuellen Regeln verhindern nicht Schulden – sie verhindern Eigenkapitalinvestitionen. Manchester United hat Schulden in Höhe von einer Milliarde Pfund, aber weil sie als Anleihen und nicht als Eigentümerdarlehen strukturiert sind, zählen sie nicht gegen die PSR. Ein Eigentümer hingegen, der 200 Millionen Pfund eigenes Geld in einen Klub stecken will, wird eingeschränkt. Die Regeln belohnen Borgen über Investieren – ein perverses Ergebnis für eine Branche, die angeblich Stabilität schätzt.

Zudem ist die Durchsetzung selektiv. Manchester City wurde 2020 für zwei Jahre von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen, aber der Internationale Sportgerichtshof hob die Sperre aus formalen Gründen auf. Die eigene Untersuchung der Premier League gegen City, 2018 eingeleitet, läuft noch – sieben Jahre Verfahren ohne Ergebnis. Everton hingegen wurde innerhalb von Monaten bestraft. Die Botschaft ist klar: Wer die juristischen Ressourcen hat, kann die Regeln auf unbestimmte Zeit umgehen.

Das Fazit: FFP wird an seinen Widersprüchen zerbrechen

Hier eine konkrete Prognose: Innerhalb von drei Jahren wird die PSR der Premier League grundlegend reformiert oder ersetzt. Die Klage von Leicester City (die die Regeln für rechtswidrig hielten) könnte Erfolg haben, oder ein anderer Klub wird die Sache vor Gericht erzwingen. Das aktuelle System ist zu willkürlich, zu langsam und zu leicht zu manipulieren. Die nächste Iteration wird wahrscheinlich eine Gehaltsobergrenze oder eine Luxussteuer wie im amerikanischen Sport enthalten – etwas, das die Ausgaben begrenzt, ohne so zu tun, als ginge es um Nachhaltigkeit.

Die Ironie: Die Klubs, die am meisten von FFP profitieren, werden am härtesten dafür kämpfen, es zu erhalten. Manchester City, Arsenal, Liverpool – sie werden für den Status quo argumentieren, weil er ihren Einnahmevorteil schützt. Aber die Widersprüche sind zu offensichtlich. Wenn staatliche Klubs wie City mehr ausgeben können als alle anderen und trotzdem die Regeln einhalten, bricht die Fiktion zusammen. Die Regeln wurden als Regulierungsbehörde verkauft; sie sind zu einem Kartell geworden. Und Kartelle wurden im Fußball immer durch den Hunger der Ausgeschlossenen gesprengt.

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