Wataru Endo – Der am meisten unterschätzte Schlüsselspieler der Premier League

Als Liverpool Wataru Endo im vergangenen Sommer für 16 Millionen Pfund aus Stuttgart holte, zuckte die Fußballwelt nur mit den Achseln. Ein 30-jähriger japanischer Mittelfeldspieler aus der Bundesliga? Der Konsens war klar: eine Notlösung, ein Panikkauf. Zehn Monate später hat Endo jedes Ligaspiel bestritten, für das er verfügbar war. Ohne ihn zerfällt Liverpools Mittelfeld in ein Chaos unkoordinierter Läufer. Er ist nicht nur wichtig – er ist strukturell unersetzlich. Doch die Mainstream-Medien fixieren sich weiterhin auf Alexis Mac Allister und Dominik Szoboszlai, als sei Endo nur ihr Caddy. Das ist ein Analysefehler. Zeit, ihn zu korrigieren.

Das taktische Vakuum vor Endos Ankunft

Liverpools Mittelfeld in der vergangenen Saison war ein Museum defensiver Nachlässigkeit. Thiago Alcantara konnte nicht mehr laufen, Jordan Henderson hatte seine Beine verloren, Fabinhos Absturz war so steil, dass er nach Saudi-Arabien verkauft wurde. Jürgen Klopps Mannschaft kassierte 47 Ligatore – die schlechteste Defensivbilanz seit 2016. Das Problem war nicht die Abwehrkette, sondern das Fehlen eines Schutzschilds. Dann kam Endo. Seine durchschnittlich 2,3 Abfangbälle pro 90 Minuten gehören zu den besten 5 % der Premier-League-Mittelfeldspieler. Seine 6,2 Balleroberungen pro Spiel platzieren ihn unter der Elite. Das sind keine Randzahlen. Sie sind die Rohdaten eines Mannes, der Angriffe auslöscht, bevor sie zu Gefahren werden.

Betrachten Sie Liverpools Bilanz mit und ohne Endo in dieser Saison. Mit ihm in der Startelf kassieren sie 1,1 Gegentore pro Spiel. Ohne ihn steigt diese Zahl auf 1,8. In Spielen, die er verletzt oder gesperrt verpasste – vor allem gegen Tottenham und Arsenal – verlor Liverpool den Mittelfeldkampf deutlich. Ange Postecoglous Team schnitt zweimal durch Liverpools Pressing wie durch Papier – ein Problem, das mit Endos Rückkehr verschwand. Die Stichprobe ist klein, aber deutlich: Endo ist der Unterschied zwischen Disziplin und Chaos.

Warum Endos Klasse für Experten unsichtbar bleibt

Die Antwort ist traurig, aber einfach: defensive Mittelfeldspieler sind nicht glamourös. Gini Wijnaldum erlebte in sechs Jahren an der Anfield Road dieselbe Bedeutungslosigkeit. Casemiro gewann Champions Leagues mit Real Madrid und wurde trotzdem verkauft, weil seine Arbeit leise ist. Endo ist ein japanischer Spieler in einer Liga, die immer noch Schwierigkeiten hat, Beiträge zu würdigen, die nicht mit Toren oder Vorlagen einhergehen. Aber sein wahrer Wert liegt in der unsichtbaren Arbeit:

  • Positionsintelligenz: Endo grätscht nie. Er besetzt deckende Positionen, die Passwege unterbinden, bevor sie gefährlich werden.
  • Passspiel in der ersten Phase: Seine 88,5 % Passquote mögen sicher erscheinen, bis man erkennt, dass fast alle nach vorne oder seitwärts gespielt werden – er spielt nicht zurück.
  • Druckabsorption: Unter Druck zieht Endo 1,8 Fouls pro Spiel, was Liverpool erlaubt, die Ordnung wiederherzustellen.

Kein anderer Liverpooler Mittelfeldspieler kommt diesen Beiträgen nahe. Mac Allister ist ein kreativer Dreh- und Angelpunkt, der pro 90 Minuten 2,3-mal häufiger den Ball verliert. Szoboszlai jagt Glanzpässen hinterher und gerät in Positionenot. Endo deckt beide ab. Er ist der Innenverteidiger, den das Mittelfeld nie würdigt.

Das Gegenargument: Er ist zu limitiert für Top-Niveau

Kritiker werden sagen, Endo könne das Spiel nicht ausreichend nach vorne tragen, um Elite-Abwehrreihen zu knacken. Sein Passspiel sei sicher; er schlage keine 50-Meter-Diagonalen oder breche mit Steilpässen Linien. Statistiken stützen dies: Seine progressiven Pässe pro 90 Minuten (4,1) sind niedriger als bei Mac Allister (7,8) oder gar dem verletzten Stefan Bajcetic (5,2). Im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City wurde Endo von Rodri und De Bruyne im Tempo überspielt. Das Argument lautet: Gegen die Allerbesten ist ein reiner Zerstörer ein Luxus, den sich Liverpool nicht leisten kann.

Das verkennt sowohl Endo als auch das moderne Spiel. Endo muss nicht kreieren, weil seine Aufgabe darin besteht, sicherzustellen, dass Liverpools Kreative den Ball in gefährlichen Zonen bekommen. Gegen tiefstehende Teams – Fulham, Sheffield United, Nottingham Forest – besteht seine Rolle darin, den Ballbesitz zu sichern und das Pressing auszulösen. Gegen Spitzenteams erlaubt seine Positionsdisziplin Alexander-Arnold, nach innen zu rücken, ohne van Dijk zu entblößen. Das City-Beispiel beweist den Punkt: Liverpool verlor dieses Duell mit 1:4 nach Hin- und Rückspiel, aber die Gegentore fielen nach Standards und individuellen Fehlern, nicht weil Endo überrannt wurde. Er erfüllte seine Funktion. Das Team um ihn herum tat es nicht.

Fazit: Endo wird Liverpools wertvollster Spieler im Endspurt

Bis Mai trifft Liverpool auf Newcastle, Aston Villa und Manchester United – drei Mannschaften mit starken Umschaltbewegungen. Bleibt Endo fit, gewinnt Liverpool alle drei Spiele. Wird er verletzt, verlieren sie in mindestens zwei Punkte. Der Titel wird daran hängen, ob die Fußballwelt erkennt, was sie nicht sehen kann: ein 31-jähriger japanischer defensiver Mittelfeldspieler, der alle anderen besser aussehen lässt. Merken Sie sich diese Prognose: Wenn die Entscheidung fällt, wird Endo mehr Spiele bestritten haben als jeder andere Feldspieler Liverpools. Und die Sky-Experten werden ihn immer noch eine 'Überraschung' nennen. Das wird ihr Versagen sein, nicht seins.

Eingeordnet unter: Meinung | LA Premier League Home