Manchester Citys Jugendakademie: Ein teurer Selbstbetrug
Manchester City besitzt die produktivste Jugendakademie im englischen Fußball – und die irrelevanteste. Das Fließband im City Football Academy spuckt Wunderkinder aus, die sofort verkauft, verliehen oder vergammeln gelassen werden. Die erste Mannschaft gibt derweil 50 Millionen Euro für fertige Importe aus. Das ist keine Strategie, sondern ein Widerspruch, der sich irgendwann rächen wird.
Die Trophäenausbeute und der hohle Kern
Seit Pep Guardiolas Ankunft 2016 gewann City 15 große Titel. Doch in dieser Zeit schafften nur zwei Akademieabsolventen den Durchbruch: Phil Foden und Rico Lewis. Das ist eine schlechtere Quote als beim FC Liverpool (Trent Alexander-Arnold, Curtis Jones) und Manchester United (Marcus Rashford, Alejandro Garnacho). Citys Akademie brachte Jadon Sancho, Cole Palmer, Morgan Rogers und James Trafford hervor – alle gewinnbringend verkauft, keiner bekam eine echte Chance. Das Finanzmodell stimmt, aber die fußballerische Logik ist fragwürdig.
Betrachten wir die Saison 2023/24: City gab 60 Millionen für Matheus Nunes und 47 Millionen für Jérémy Doku aus, während Akademieabsolventen wie Oscar Bobb und James McAtee von der Bank zusahen. Bobb, inzwischen 21, kommt auf 117 Premier-League-Minuten. McAtee wurde nach einer Leihe zu Sheffield United verkauft, um Platz für weitere Importe zu schaffen. Citys Strategie behandelt Akademietalente wie Cash-Crops statt Kaderbausteine.
Kurzfristiger Gewinn, langfristige Kosten
Die unmittelbaren Vorteile liegen auf der Hand: Titelgewinne und Transfererlöse. Doch die Kosten steigen. Citys Kader hat im März 2025 ein Durchschnittsalter von 28,7 Jahren – das höchste der Premier League. Kevin De Bruyne (33), Bernardo Silva (30) und Kyle Walker (34) sind über dem Zenit. Dabei ist die Akademie mit Talenten wie Micah Hamilton und Will Dickson bestückt, bleibt aber ungenutzt. Stattdessen wird City mit 80-Millionen-Mittelfeldspielern als De-Bruyne-Ersatz in Verbindung gebracht. Die Folge: eine aufgeblähte Gehaltsliste und keine Kontinuität.
- Cole Palmer für 42,5 Millionen an Chelsea verkauft – jetzt ein Ballon-d'Or-Kandidat – während man nach Flügelspielern sucht.
- Romeo Lavia für 12 Millionen ziehen lassen, dann 60 Millionen für den gescheiterten Kalvin Phillips ausgegeben.
- Phil Foden durch die Reihen befördert, doch diesen Weg für keinen anderen Mittelfeldspieler wiederholt.
Aber sie gewinnen Titel, also wo ist das Problem?
Das Gegenargument ist simpel: City holte vier Meisterschaften in Folge. Warum etwas reparieren, das nicht kaputt ist? Die Antwort: Das Modell hat strukturelle Schwächen kaschiert. Guardiolas taktisches Genie und die finanziellen Möglichkeiten des Klubs haben den Mangel an Eigengewächsen übertüncht. Doch Guardiola wird gehen, und dann ist der Kader alt, teuer und ohne emotionale Bindung, die Akademieabsolventen bieten. Liverpools Erfolg nach dem Coutinho-Verkauf basierte auf Alexander-Arnold und Jones. Uniteds Post-Ferguson-Krise wurde durch eine kaputte Akademie verschärft. City steuert auf eine ähnliche Abrechnung zu.
City wird es bereuen, den eigenen Talenten nicht vertraut zu haben
Bis 2027, wenn De Bruyne weg und Guardiola wahrscheinlich anderswo trainiert, wird Manchester City ein Umbruch bevorstehen. Der Kader muss für rund 300 Millionen Euro erneuert werden, und es gibt keine fertigen Ersatzleute aus den eigenen Reihen. Der Klub mit der besten Akademie der Welt wird seine eigenen Absolventen zu überhöhten Preisen zurückkaufen müssen. Die Prognose: Manchester City wird in der Saison 2027/28 außerhalb der Top Vier landen – direkt verursacht durch das Versäumnis, in den letzten zehn Jahren Jugendtalente zu integrieren.
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