Torlose Spurs erneut: Frustrierendes Remis in Nottingham
Tottenham Hotspur wartet weiterhin auf das erste Premier-League-Tor der Saison. Beim torlosen Unentschieden bei Nottingham Forest enttäuschten die Spurs erneut. Das Ergebnis lässt Ange Postecoglous Team nach zwei Spieltagen nur mit einem Punkt dastehen – Alarmstimmung in Nordlondon.
Ausgangslage: Torlos in die Saison gestartet
Nach der Auftaktniederlage zu Hause gegen Leicester City wollten die Spurs im City Ground den Befreiungsschlag schaffen. Doch sie trafen auf eine entschlossene Forest-Abwehr, die von ihren Innenverteidigern hervorragend organisiert wurde. Tottenham hatte viel Ballbesitz, aber keine Durchschlagskraft im letzten Drittel – ein beunruhigender Trend, denn in beiden Ligaspielen gelang kein Treffer.
Die erwarteten Tore (xG) sprechen eine deutliche Sprache: Die Spurs kreierten einige Halbchancen, aber die erwartete Torausbeute zählte zu den niedrigsten des Spieltags. Die offensive Flüssigkeit, die Postecoglous System verlangt, fehlte. Der letzte Pass oder die Flanke fanden zu selten einen Mitspieler in aussichtsreicher Position.
Dieses torlose Remis ist kein Einzelfall. Es setzt ein Muster fort, das sich unter dem australischen Coach entwickelt hat. Seine Teams werden oft für die hohe Abwehrlinie und das Ballbesitzspiel gelobt, aber sie haben gelegentlich Probleme, Ballbesitz in klare Torchancen umzumünzen. Das Fehlen eines etatmäßigen Torjägers ist ein wiederkehrendes Problem – es scheint der Mannschaft an einem Zielspieler im Strafraum zu fehlen.
Analyse: Was das für die Saison bedeutet
Die Formkrise wirft viele Fragen für Postecoglou und seinen Trainerstab auf. Der fehlende Torerfolg hat unmittelbare Auswirkungen auf die Tabellensituation und die Stimmung im Umfeld.
Premier-League-Tabelle: Mit nur einem Punkt aus sechs möglichen läuft Tottenham bereits früh den Europapokalplätzen hinterher. Der Rückstand auf die Spitze könnte schnell größer werden und erhöht den Druck in den kommenden Partien.
Kreatives Vakuum: Den Spurs gelingt es, in vielversprechende Räume zu kommen, aber die Entscheidungsfindung im letzten Drittel ist mangelhaft. Die Mittelfeldspieler unterstützen die Stürmer zu wenig, und die Flügelspieler ziehen zu oft nach innen, was den zentralen Bereich überfüllt.
Defensive Stabilität: Positiv ist, dass die Defensive geordneter wirkte als bei der Niederlage gegen Leicester. Sie ließen kaum Chancen zu, und Torhüter Guglielmo Vicario wurde selten ernsthaft geprüft. Das ist eine Basis, auf der man aufbauen kann – aber ohne Tore in der Offensive nützt sie wenig.
Fantasy-Premier-League-Auswirkungen: Für FPL-Manager ist dies eine Warnung. Die Offensivspieler der Spurs wie Son Heung-min und der zurückgekehrte Richarlison holen nicht die erwarteten Punkte. Ihre Beliebtheit wird vor dem nächsten Spieltag wohl deutlich sinken, da die Manager auf ergiebigere Alternativen setzen. Die anstehenden Aufgaben sind nicht einfacher.
Das Dilemma des Trainers
Postecoglou steht vor einem taktischen Rätsel. Seine Philosophie basiert darauf, Spiele durch Ballbesitz und Pressing zu kontrollieren. Doch die Premier League verzeiht keine vergebenen Chancen. Die Balance zwischen offensivem Anspruch und defensiver Sicherheit ist heikel. In den ersten Saisonspielen wirkte seine Mannschaft vorne harmlos, zeigte aber auch eine größere Stabilität im Spiel gegen den Ball. Einen Weg zu finden, diese Widerstandsfähigkeit zu erhalten und gleichzeitig die Effizienz im Angriff zu steigern, ist die unmittelbare Herausforderung.
Expertenstimmen heben immer wieder das Fehlen eines natürlichen Stürmers als große Schwäche dieser Tottenham-Mannschaft hervor. Zwar haben sie mehrere Angreifer mit gutem Laufverhalten, aber keiner macht die tiefen Läufe in den Strafraum, die notwendig sind, um Flanken und Hereingaben zu verwerten. Das System setzt auf individuelle Genialität – doch die ist bei den aktuell form schwachen Schlüsselspielern ausgeblieben.
Wie geht es weiter: Der Druck wächst
Am nächsten Spieltag empfängt Tottenham Liverpool – eine weitere harte Aufgabe. Eine Niederlage würde bedeuten, dass die Spurs aus den ersten drei Spielen nur einen Punkt holen – eine erschreckende Bilanz für einen Klub dieses Anspruchs. Die anschließende Länderspielpause gäbe Postecoglou Zeit, an den Abläufen zu feilen, doch der Druck, das Torproblem zu lösen, wächst.
Nottingham Forest kann mit dem Saisonstart zufrieden sein: Vier Punkte nach zwei Spielen, nach dem Sieg gegen Southampton und nun dem Remis gegen einen Spitzenkandidaten. Allerdings muss auch Forest seine Offensive verbessern, um nicht erneut in den Abstiegskampf zu geraten. Doch die Basis wirkt stabiler als in den Vorjahren.
Für Tottenham gilt: Der Knoten muss endlich platzen. Je länger die Torflaute anhält, desto mehr Zweifel nagen an den Spielern. Im Fußball heißt es oft, man müsse erst treffen, um an sich zu glauben – genau dieser Glaube im letzten Drittel fehlt den Spurs derzeit. Die Aufgaben werden nicht leichter, und ohne eine baldige Wende könnte die Saison schon im Herbst gelaufen sein.