Pochettino fordert Spurs-Titel 2016/17 nach Chelsea-Verstößen

Mauricio Pochettino hat gefordert, Tottenham Hotspur im Nachhinein den Premier-League-Titel der Saison 2016/17 zuzusprechen. Der frühere Spurs-Trainer erklärte, Chelsea müsse die damalige Meisterschaft aberkannt werden, nachdem der Klub historische Regelverstöße eingeräumt hatte. Seine Mannschaft, die damals Zweiter wurde, habe unter ungleichen Voraussetzungen gespielt.

  • Wer: Mauricio Pochettino, ehemaliger Trainer von Tottenham Hotspur
  • Was: Fordert den Premier-League-Titel 2016/17 für Spurs nach Chelseas Verstößen
  • Strafe für Chelsea: 10,75 Mio. Pfund Geldstrafe im März; Sechs-Punkte-Abzug im Berufungsverfahren aufgehoben
  • Verstöße: 47 Mio. Pfund an geheimen Zahlungen an nicht registrierte Berater und Dritte zwischen 2011 und 2018
  • Abstand: Chelsea beendete die Saison 2016/17 sieben Punkte vor Spurs
  • Pochettinos Fazit: „Der Titel sollte dem Team gehören, das Zweiter war“

Das wurde gesagt

„Wir hätten einen Titel gewinnen müssen, eine Premier League. Sie hätte uns zugesprochen werden müssen.“

— Mauricio Pochettino, ehemaliger Tottenham-Trainer

„[Chelsea] wurde bestraft, sie haben es zugegeben, und das war's? Der Titel sollte dem Team gehören, das Zweiter war.“

— Pochettino, warum Spurs die Krone 2016/17 verdient hätten

„Es stimmt, dass wir nicht nach denselben Regeln angetreten sind. Man kann völlig zu Recht sagen, dass wir vor Saisonbeginn nicht mit denselben Karten gespielt haben.“

— Pochettino über das ungleiche Spielfeld

„Vielleicht hätten wir unter denselben Regeln, wenn dieselben Maßstäbe gegolten hätten, Spieler verpflichten können, die das Team besser gemacht oder mehr Tore erzielt hätten.“

— Pochettino über seinen damaligen Tottenham-Kader

„Das ist keine Beschwerde von mir. Es ist die Wahrheit. Wenn sie zugegeben haben, die Regeln gebrochen zu haben, dann ging der Premier-League-Titel an das zweitbeste Team.“

— Pochettino über seine Motivation

„Ich habe keine Angst, die Wahrheit zu sagen. Die Chelsea-Fans werden sauer auf mich sein, weil ich das sage, aber wenn wir bei Tottenham die Regeln gebrochen hätten, würde ich dasselbe zugeben.“

— Pochettino über seine Konsequenz

Pochettinos Aussagen sind die bislang deutlichsten eines ehemaligen Rivalen-Trainers zu den Folgen von Chelseas historischen Verstößen. Er fordert weder eine Wiederholung noch eine Punktkorrektur in der laufenden Saison, sondern eine nachträgliche Änderung der Meisterschaft. Das Argument stützt sich auf die Tatsache, dass Chelsea 74 Verstöße gegen die Regeln des englischen Fußballverbands selbst meldete, als Todd Boehly und Clearlake Capital den Klub 2022 übernahmen. Diese Verstöße betrafen 47 Mio. Pfund an geheimen Zahlungen an nicht registrierte Berater und Dritte bei Transfers zwischen 2011 und 2018. Chelsea wurde im März mit 10,75 Mio. Pfund bestraft, ein Sechs-Punkte-Abzug wurde im Berufungsverfahren aufgehoben. Pochettinos Logik ist einfach: Wenn während der Saison 2016/17 die Regeln gebrochen wurden, war der Wettbewerb nicht fair, und das Team, das Zweiter wurde, müsste aufsteigen.

Die Zahlen

  • 10,75 Mio. Pfund: Geldstrafe für Chelsea im März wegen historischer Verstöße
  • 47 Mio. Pfund: geheime Zahlungen an nicht registrierte Berater und Dritte zwischen 2011 und 2018
  • 74: Verstöße gegen FA-Regeln, die Chelseas Besitzer Todd Boehly und Clearlake Capital selbst meldeten
  • 7 Punkte: Abstand zwischen Meister Chelsea und Verfolger Spurs 2016/17
  • 6 Punkte: Abzug, der im Berufungsverfahren aufgehoben wurde
  • 5 Jahre: Pochettinos Amtszeit als Tottenham-Trainer (2014–2019)

Warum Pochettinos Forderung mehr als ein Satz ist

Pochettino lässt nicht einfach ein altes Rennen neu aufrollen. Er verweist auf eine strukturelle Ungleichheit. Chelseas 47 Mio. Pfund an geheimen Zahlungen zwischen 2011 und 2018 sollen es dem Klub ermöglicht haben, Spieler zu verpflichten und Berater außerhalb der anerkannten Regeln zu bezahlen. Im selben Zeitraum arbeitete Pochettinos Tottenham unter strengen finanziellen Auflagen, finanzierte ein neues Stadion und folgte einem selbsttragenden Modell. Er legt nahe, dass er mit derselben finanziellen Freiheit bessere Spieler hätte holen und mehr Tore hätte erzielen können. Dieser Punkt ist kaum zu beweisen, beruht aber auf der Tatsache, dass Chelsea Fehlverhalten eingeräumt hat. Die Geldstrafe von 10,75 Mio. Pfund und der aufgehobene Punkteabzug zeigen, dass die Premier League die Verstöße ernst nahm, auch wenn die Sanktionen historische Ergebnisse nicht veränderten.

Die entscheidende Schwäche in Pochettinos Position: Ein Titelentzug Jahre später ist in der Premier-League-Ära ohne Beispiel. Chelseas Verstöße wurden von den neuen Besitzern selbst gemeldet, nicht durch eine Untersuchung speziell der Saison 2016/17 entdeckt. Dass der Sechs-Punkte-Abzug in der Berufung aufgehoben wurde, deutet darauf hin, dass das unabhängige Gremium die Verstöße nicht als direkte Beeinflussung einer einzelnen Spielzeit ansah. Pochettinos Appell geht daher eher um Anerkennung als um Regulierung. Er möchte, dass die Geschichtsbücher das widerspiegeln, was er als Makel an Chelseas Titel betrachtet.

Taktisch war Pochettinos Spurs eine unermüdlich pressende Mannschaft, die Chelsea bis zum Ende unter Druck setzte. Sie beendeten die Saison sieben Punkte dahinter, doch der Abstand hätte unter anderen Regeln kleiner sein können. Pochettino hat als aktueller US-Nationaltrainer eine Plattform, um frei zu sprechen, und er nutzt sie. Später trainierte er in der Saison 2023/24 auch Chelsea, was seinen Aussagen eine weitere Ebene verleiht. Seine Bereitschaft, einen früheren Arbeitgeber zu kritisieren, zeigt, dass ihn nicht Klubloyalität antreibt, sondern ein Sinn für Fairness. Ob die Premier League zustimmt, ist eine andere Frage.

Diskussionspunkte

  • Sollte Chelsea der Titel von 2016/17 aberkannt werden, oder sind Geldstrafe und aufgehobener Punkteabzug ausreichend für historische Verstöße?
  • Pochettino sagt, Spurs hätten unter denselben Regeln bessere Spieler verpflichten können – aber ist das eine legitime Entschuldigung für sieben Punkte Rückstand?
  • Chelsea meldete 74 Verstöße selbst, doch der Sechs-Punkte-Abzug wurde in der Berufung aufgehoben. Sind die Sanktionen damit zu milde?
  • Wenn Titel Jahre später neu vergeben werden können, wo endet das? Sollten alle Klubs, die historischer Verstöße für schuldig befunden werden, ihre Ehrungen verlieren?

Wie es weitergeht

Die Premier League hat nicht signalisiert, dass sie historische Meisterschaftsergebnisse überprüfen wird, und Chelseas Sechs-Punkte-Abzug bleibt nach erfolgreicher Berufung aufgehoben. Pochettinos Aussagen dürften die Debatte unter Fans und Experten neu entfachen, doch es gibt kein formales Verfahren, um Spurs den Titel von 2016/17 zuzusprechen. Tottenhams Fokus liegt auf der laufenden Saison, während Chelsea weiter unter dem Schatten der 10,75-Mio.-Pfund-Strafe agiert. Der nächste Schritt, falls es einen gibt, müsste von der Liga selbst kommen. Für den Moment hat Pochettino seinen Standpunkt klargemacht: Er glaubt, dass Tottenham der rechtmäßige Meister war.

Häufige Fragen

Warum glaubt Pochettino, dass Spurs der Titel von 2016/17 zugesprochen werden sollte?

Er ist überzeugt, dass Chelsea mit 47 Mio. Pfund an geheimen Zahlungen die Regeln gebrochen hat und der Wettbewerb nicht fair war, weshalb das Team, das Zweiter wurde, den Titel erhalten sollte.

Welche Strafe erhielt Chelsea für die Verstöße?

Chelsea wurde im März mit 10,75 Mio. Pfund bestraft, ein Sechs-Punkte-Abzug wurde im Berufungsverfahren aufgehoben. Der Klub meldete 74 Verstöße gegen FA-Regeln selbst.

Wie viele Punkte lag Chelsea 2016/17 vor Spurs?

Chelsea, trainiert von Antonio Conte, beendete die Saison sieben Punkte vor Pochettinos Tottenham.

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