Nullnummer im City Ground: Abseitstor dominiert taktischen Schlagabtausch
Nottingham Forest und Tottenham Hotspur haben sich am Montagabend im City Ground torlos getrennt. Beide Teams warten damit weiterhin auf ihren ersten Premier-League-Sieg der Saison. Der entscheidende Moment der Partie war ein aberkanntes Tor für Forest – eine Entscheidung, die bereits für hitzige Diskussionen unter Experten und Fans sorgt.
Das aberkannte Tor: Der Wendepunkt
Die Schlüsselszene des Spiels ereignete sich in der 67. Minute, als Forest-Stürmer Taiwo Awoniyi den Ball im Netz unterbrachte. Nach VAR-Überprüfung wurde der Treffer jedoch wegen eines Handspiels in der Vorbereitung durch Verteidiger Willy Boly aberkannt. Die Entscheidung stieß bei Forest-Trainer Steve Cooper auf heftige Kritik, der betonte, dass das Handspiel unabsichtlich gewesen sei. Tottenhams Interimscoach Ryan Mason zeigte sich dagegen erleichtert, räumte aber ein, dass hier auch etwas Glück im Spiel war.
Es war nicht das erste Mal, dass der VAR eine Hauptrolle in einem Spiel von Forest spielte. Bereits zuvor in der Saison wurde ihnen ein Tor in ähnlich umstrittener Weise gegen Brentford aberkannt. Dieses Muster verdeutlicht die wachsende Frustration des Teams über Schiedsrichterentscheidungen.
Statistisch gesehen hat Forest nun in zwei aufeinanderfolgenden Premier-League-Spielen nicht getroffen, und das einzige Tor der Saison resultierte aus einem Elfmeter. Tottenham hingegen blieb in allen drei Ligaspielen ohne Treffer – ein besorgniserregender Trend für einen Verein, der in der Vorsaison Vierter wurde.
Taktischer Kontext: Ein Duell der Spielstile
Forest hat unter Steve Cooper eine klare taktische Identität entwickelt, die auf aggressivem Pressing und schnellen Umschaltbewegungen basiert. In der Vorsaison führten sie die Liga bei Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte an, und auch in diesem Spiel setzten sie Tottenhams Abwehrkette, besonders in der ersten Halbzeit, kontinuierlich unter Druck. Diese Intensität führte jedoch oft zu Freiräumen in der eigenen Defensive, sodass Tottenham mehrere klare Torchancen über Konter herausspielte.
Tottenhams Interimstrainer Ryan Mason hat seit seiner Übernahme von Antonio Conte einen pragmatischeren Ansatz gewählt und setzt auf defensive Stabilität. Sie standen in einem kompakten 5-4-1-Mittelblock, der Forest den Raum im Zentrum nahm. Trotzdem fiel ihnen wenig ein, oft blieb nur der Distanzschuss. Der Mangel an einem etatmäßigen Stürmer war offensichtlich: Son Heung-min und Dejan Kulusevski spielten beide zentral, konnten sich aber körperlich nicht durchsetzen.
Ein taktischer Schlüsselkampf war das Duell im Mittelfeld zwischen Forest Orel Mangala (der laut Berichten inzwischen zu Lyon gewechselt ist) und Tottenhams Pape Matar Sarr. Mangala war mit seiner Zweikampfstärke entscheidend: Er gewann 100 % seiner Tackles, während Sarr kaum Fuß fasste und nur 78 % seiner Pässe ankamen. Auf den Flügeln setzte Forest Brennan Johnson (inzwischen bei Tottenham) Emerson Royal immer wieder zu, scheiterte aber mehrfach am letzten Pass.
Auswirkungen auf die Tabelle: Der Druck wächst
Dieses Remis verlängert den schlechtesten Saisonstart für Tottenham seit über einem Jahrzehnt: Nur zwei Punkte aus drei Spielen. Sie stehen nun auf Platz 16 der Tabelle – eine Position, die es in N17 seit der Saison 2013/14 unter Tim Sherwood nicht mehr gegeben hat. Obwohl es noch früh in der Saison ist, beträgt der Rückstand auf die Top Vier bereits vier Punkte. Mit Spielen gegen Manchester United und Liverpool in der kommenden Zeit wächst die Sorge um die erneute Champions-League-Qualifikation.
Für Nottingham Forest ist der Punkt wertvoll, löst aber nicht den Druck. Sie bleiben mit nur einem Punkt aus drei Spielen am Tabellenende. Das nächste Programm hat es in sich: Auswärts bei Manchester City, dann Arsenal zu Hause und Chelsea im City Ground. Wenn sie den sofortigen Wiederabstieg in die Championship vermeiden wollen, müssen sie ihre Torchancen endlich nutzen.
Die Partie hat auch Auswirkungen auf den Abstiegskampf. Beide Klubs könnten in dieser Saison in den Kampf um den Klassenerhalt verwickelt sein – direkte Duelle sind daher besonders wichtig. Das frühere 0:0 zwischen Aston Villa und Hull sowie die anschließende VAR-Kontroverse bei Forest zeigen: Kein Team hat in dieser Saison mehr Punkte durch VAR-Entscheidungen verloren als Forest.
- Nottingham Forest wurden in den letzten beiden Ligaspielen insgesamt drei Tore durch den VAR aberkannt.
- Tottenhams Expected Goals (xG) von 0,3 waren der niedrigste Wert in einem Ligaspiel seit Januar 2022.
- Beide Teams haben nun über 180 Minuten kein Tor aus dem Spiel heraus erzielt – ein alarmierender Trend für die Offensivabteilungen.
Ausblick: Eine richtungsweisende Phase
Tottenham muss sich nun auf das Londoner Derby gegen West Ham United am kommenden Samstag vorbereiten. Mason hofft auf die Rückkehr von Rodrigo Bentancur von seiner langen Verletzung, der die dringend benötigte Kreativität liefern könnte. Für Forest geht es zu Old Trafford, wo sie seit 1994 nicht mehr gewonnen haben. Doch nach dieser Leistung haben sie die taktische Ordnung und das Pressing, um jeder Mannschaft Probleme zu bereiten. Die Frage ist, ob sie ihre vielversprechende Defensivarbeit in Tore ummünzen können. Ohne einen zuverlässigen Torjäger könnten weiterhin nur aberkannte Tore ihr Weg zum Tor sein.
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