Der Aufwärtstrend von Hull City unter der Führung des ambitionierten türkischen Besitzers Acun Ilıcalı setzt sich fort: Dank eines abgeklärten Abschlusses von Liam Millar feierten die Tigers einen hart erkämpften 1:0-Auswärtssieg bei Frank Lampards Coventry City. Der zweite Sieg in Folge beschert Hull neuen Schwung und lässt die Fans im MKM Stadium von einer erfolgreichen Saison träumen.

Der Tiger zeigt wieder Krallen

Nach einem holprigen Saisonstart hat Hull City zur rechten Zeit zu alter Torgefahr zurückgefunden. Millars entscheidender Treffer in der zweiten Halbzeit war ein Beleg für den wachsenden Einfluss des Kanadiers seit seinem Sommerwechsel von Basel. Der 25-Jährige, der in East Yorkshire schnell zum Publikumsliebling wurde, bewies die Kaltschnäuzigkeit, die zuletzt vor dem Tor gefehlt hatte, und schob nach einer gefälligen Kombination an der Strafraumkante ein.

Das Tor war der Lohn für eine geduldige, disziplinierte Vorstellung der Gäste, die dem Druck einer wankenden Coventry-Mannschaft standhielten. Die Sky Blues, die nun vier ihrer letzten fünf Spiele verloren haben, fanden gegen eine Hull-Defensive kaum Mittel, die seit der Rückkehr von Alfie Jones stabilisiert wurde. Der Innenverteidiger dirigierte die Abwehr neben dem zuverlässigen Jacob Greaves und legte so das Fundament für Millars Matchwinner-Moment.

Taktische Umstellung zahlt sich aus

Trainer Liam Rosenior, der nach einem Sommer voller Investitionen unter Druck stand, gebührt Anerkennung für seine taktische Flexibilität. Nachdem er zuvor auf Ballbesitz setzte, wählte Rosenior in Coventry einen pragmatischeren Ansatz: Hull stand tief und lauerte auf Konter. Diese Anpassung neutralisierte nicht nur Coventrys Gefahr bei Standards, sondern kam auch den Stärken von Millar und Flügelspieler Adama Traoré entgegen, deren Tempo die Gastgeber über die gesamte Partie beschäftigte.

Die Entscheidung, Jaden Philogene in eine zentralere Rolle hinter Stürmer Aaron Connolly zu beordern, entpuppte sich ebenfalls als Glücksgriff. Philogenes Bewegungen schufen Räume für Millar, der nach innen zog – und genau aus dieser Position fiel das Siegtor. Das Zusammenspiel des ehemaligen Aston-Villa-Jungstars mit Millar entwickelt sich zu einer der aufregendsten Angriffsformationen der Championship.

Historischer Kontext: Ein Klub formt seine Identität

Für einen Klub mit der reichen Geschichte von Hull City sind solche Momente bedeutend. Die Tigers, die seit über einem Jahrhundert zwischen erster und zweiter englischer Liga pendeln, sind keine Unbekannten in Sachen dramatischer Wendungen. Von der berühmten Promotion 2008 unter Phil Brown bis zum unvergesslichen FA-Cup-Lauf 2014 hat der Klub immer wieder bewiesen, Erwartungen zu übertreffen. Doch unter Ilıcalıs Eigentümerschaft entsteht der Eindruck, dass hier etwas Nachhaltigeres aufgebaut wird.

Der türkische Medienmogul, der 2022 die volle Kontrolle übernahm, hat sowohl in den Kader als auch in die Infrastruktur investiert. Sein Ziel ist klar: Hull City zurück in die Premier League zu führen und dort zu etablieren. Ergebnisse wie der Sieg in Coventry sind kleine, aber entscheidende Schritte auf diesem Weg und zeigen, dass das Projekt trotz unvermeidlicher Rückschläge auf Kurs ist.

Was dieser Sieg für die Saison bedeutet

Durch den zweiten Sieg in Folge hat sich Hull City in der oberen Tabellenhälfte der Championship festgesetzt, und die Stimmung im MKM Stadium ist wieder hervorragend. Der nächste Test wartet mit einem Heimspiel gegen das schwächelnde Rotherham United – eine goldene Gelegenheit, den Lauf auszubauen und Richtung Play-off-Plätze zu blicken.

Doch Rosenior wird vor Selbstzufriedenheit warnen. Die Championship ist notorisch unberechenbar, und Hulls schwankende Leistungen zu Saisonbeginn sind eine Mahnung, dass nichts selbstverständlich ist. Der Schlüssel liegt darin, die defensive Stabilität und offensive Effizienz der letzten beiden Partien beizubehalten.

Wenn Millar in dieser Form bleibt und die Mannschaft unter Roseniors Führung weiter zusammenwächst, spricht vieles dafür, dass Hull City in dieser Saison ernsthaft um den Aufstieg mitspielen kann. Die Tigers sind zurück – und der Rest der Liga wurde gewarnt.

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