Man City droht Aberkennung von drei Premier-League-Titeln zwischen 2009/10 und 2017/18 nach Schuldspruch
Eine unabhängige Kommission hat Manchester City in allen Anklagepunkten wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Finanzregeln der Premier League zwischen 2009/10 und 2017/18 für schuldig befunden. Über Sanktionen wird in einer weiteren Anhörung entschieden. City bestreitet die Verstöße und wird Einspruch einlegen.
- Urteil: Unabhängige Kommission befindet City in allen Anklagepunkten für schuldig, die schwere Verstöße gegen die Finanzregeln der Premier League zwischen 2009/10 und 2017/18 betreffen.
- Betroffene Trophäen: Drei Premier-League-Titel, ein FA Cup, drei League Cups und ein Community Shield.
- Sanktionen: Werden in einer weiteren Anhörung mit der unabhängigen Kommission und Man City behandelt.
- Appellfrist: Freitag, 2. Oktober.
- Mögliche Sanktionen: Punktabzüge, Geldstrafen, Transfersperren und Ausschluss aus der Premier League.
- Kernfrage: Ob Citys Titel und Trophäen den Zweitplatzierten zugesprochen, vakant gelassen oder gänzlich aberkannt werden.
Was würde mit den Premier-League-Titeln passieren?
Manchester City gewann im fraglichen Zeitraum drei Premier-League-Titel. Am letzten Spieltag der Saison 2012 bezwangen sie Manchester United durch Sergio Agüeros berühmtes Siegtor, dann gewannen sie 2014 die Liga mit zwei Punkten Vorsprung vor Liverpool, bevor sie 2018 mit 100 Punkten einen neuen Rekord aufstellten und United erneut auf Distanz hielten.
Würden die Titel einfach den Zweitplatzierten zugesprochen, erhielte Manchester United zwei – je einen für Sir Alex Ferguson und Ole Gunnar Solskjaer –, womit der Verein auf 15 Premier-League-Titel käme, und Liverpool einen, ihren zweiten unter Jürgen Klopp.
Allerdings würde eine Aberkennung der City-Titel nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Tabellen neu geschrieben und jeder darunterliegende Verein um einen Platz nach oben verschoben wird. Stattdessen könnten die Titel vakant bleiben, wie es bei Juventus geschah, als ihnen der Serie-A-Titel 2004/05 wegen ihrer Verwicklung in den Calciopoli-Dopingskandal aberkannt wurde und er unvergeben blieb.
Was wäre, wenn Man Citys Rekord gestrichen würde?
Eine andere Option könnte sein, Citys Ligarekord – also ihre Ergebnisse – zwischen 2009/10 und 2017/18 zu streichen. Das würde die Punktzahlen und sogar die Endplatzierungen der Teams beeinflussen, obwohl Manchester United und Liverpool sie immer noch als Titelgewinner ersetzen würden.
Blackpool in der Saison 2010/11 ist der einzige Verein in den neun Spielzeiten, der rechnerisch dem Abstieg entgangen wäre, wenn Citys Ergebnisse entfernt worden wären – auf Kosten der Wolves.
Auswirkungen auf die Europapokal-Qualifikation
In vier der neun Spielzeiten, in denen City wegen Finanzverstößen für schuldig befunden wurde, verpasste Everton das europäische Geschäft, weil City in der Premier League vor ihnen landete. In einer fünften Saison, 2013/14, beendete Everton die Saison auf Platz fünf und qualifizierte sich für die Europa League, als die ersten vier – einschließlich Meister City – sich für die Champions League qualifizierten.
Tottenham qualifizierte sich in vier Spielzeiten dieses Zeitraums nicht für die Champions League, weil City in der Tabelle vor ihnen stand. In jeder dieser Spielzeiten spielten sie stattdessen in der Europa League.
Manchester United, Arsenal und Chelsea verpassten die Champions-League-Teilnahme, weil City in den betreffenden Spielzeiten vor ihnen landete. Liverpool, Manchester United, Swansea und Southampton wurde die Europapokal-Qualifikation verwehrt, weil City vor ihnen stand.
Und was ist mit den Pokalen?
Tony Pulis trainierte Stoke City, als Manchester City sie im FA-Cup-Finale 2011 besiegte und damit ihren ersten großen Titel seit 35 Jahren gewann. Pulis sagte, er fühle sich „betrogen“.
City gewann außerdem drei League Cups – gegen Sunderland 2014, Liverpool 2016 und Arsenal 2018 – sowie das Community Shield 2012 gegen Chelsea.
Sunderland hat seit dem FA-Cup-Sieg 1973 keine Trophäe mehr gewonnen, Klopp wurde seiner ersten Silberware beraubt, als City im Wembley-Stadion im Elfmeterschießen gewann, und Arsène Wenger wurde daran gehindert, sich in seiner letzten Saison bei Arsenal stilvoll zu verabschieden.
Was gesagt wurde
„betrogen“
Pulis' Wort hat Gewicht, denn Stokes Niederlage beraubte den Verein eines ersten großen Titels seit 35 Jahren, und es untermauert das weitere Argument, dass die Aberkennung von Titeln nicht nur ein Verwaltungsakt ist. Die Auswirkungen reichen bis zu Vereinen und Trainern, die an den Verstößen nicht beteiligt waren.
Jamie Carragher hat nach dem Schuldspruch gefordert, Manchester City die Titel abzuerkennen. Diese Ansicht steht nun im Mittelpunkt der Debatte, obwohl die unabhängige Kommission noch über Sanktionen entscheiden muss und City Einspruch einlegen wird.
Warum die Entscheidung über die Strafe so kompliziert ist
Citys Dominanz zwischen 2009/10 und 2017/18 entschied nicht nur Titelrennen; sie veränderte die finanzielle und wettbewerbliche Landschaft für eine ganze Generation von Vereinen. Manchester United wäre der größte sportliche Nutznießer, wenn die Zweitplatzierten hochgestuft würden, was die Red Devils auf 15 Premier-League-Titel bringen und Ferguson und Solskjaer nachträgliche Meistertitel bescheren würde. Liverpool würde einen dazugewinnen, den zweiten unter Klopp. Doch die nachträgliche Neuzuweisung von Titeln ist heikel: Die Kommission müsste entscheiden, ob sie die Zweitplatzierten befördert, die Titel vakant lässt oder die Ergebnisse gänzlich streicht.
Der Weg der Streichung ist der komplexeste. Die Entfernung von Citys Ergebnissen würde Punktzahlen und Endplatzierungen verändern, und die Quelle besagt, dass Blackpool 2010/11 der einzige Verein in den neun Spielzeiten wäre, der rechnerisch dem Abstieg entgangen wäre – auf Kosten der Wolves. Dieses eine Beispiel zeigt, wie weit die Konsequenzen über das Titelrennen hinausreichen könnten.
Die Europapokal-Qualifikation ist der Bereich, in dem die Auswirkungen am verworrensten sind. Everton verpasste in vier der neun Spielzeiten das europäische Geschäft, weil City vor ihnen landete, und 2013/14 beendeten sie die Saison auf Platz fünf und qualifizierten sich für die Europa League, als die ersten vier – einschließlich Meister City – in die Champions League einzogen. Tottenham verpasste in vier Spielzeiten die Champions League, weil City vor ihnen landete, und spielte stattdessen in der Europa League. Manchester United, Arsenal und Chelsea verpassten ebenfalls die Champions League, weil City vor ihnen landete, während Liverpool, Manchester United, Swansea und Southampton die Europapokal-Qualifikation verwehrt wurde, weil City vor ihnen stand. Jede nachträgliche Korrektur müsste all das berücksichtigen.
Die Pokalwettbewerbe fügen eine weitere Ebene hinzu. Citys FA-Cup-Sieg 2011 gegen Stoke fiel in das erste große Finale von Pulis' Mannschaft seit 35 Jahren. Citys League-Cup-Siege gegen Sunderland 2014, Liverpool 2016 und Arsenal 2018 sowie das Community Shield 2012 gegen Chelsea beraubten alle Gegner von Silberware. Sunderland hat seit dem FA-Cup 1973 keine Trophäe mehr gewonnen, Klopp wurde seiner ersten Silberware beraubt, als City im Wembley-Stadion im Elfmeterschießen gewann, und Wenger wurde daran gehindert, sich in seiner letzten Saison bei Arsenal stilvoll zu verabschieden.
Diskussionspunkte
- Sollten die Premier-League-Titel von 2012, 2014 und 2018 an Manchester United und Liverpool gehen oder vakant bleiben, wie Juventus' Serie-A-Titel 2004/05?
- Wäre die Streichung von Citys Ergebnissen gerechter als die bloße Beförderung der Zweitplatzierten, wenn dadurch Abstiegsentscheidungen wie Blackpools Überleben auf Kosten der Wolves geändert werden könnten?
- Everton, Tottenham, Arsenal und Chelsea verloren Europapokal-Plätze an City – kann eine nachträgliche Sanktion sie wirklich entschädigen?
- Stokes Tony Pulis sagt, er fühle sich „betrogen“ – sollten auch Pokalfinalisten Trophäen erhalten oder geht das zu weit?
Wie es weitergeht
Manchester City hat bestätigt, dass sie gegen das Urteil Einspruch einlegen werden, und hat dafür bis Freitag, den 2. Oktober, Zeit. Sanktionen – die Punktabzüge, Geldstrafen, Transfersperren und den Ausschluss aus der Premier League umfassen könnten – werden in einer weiteren Anhörung mit der unabhängigen Kommission behandelt. Die Frage, ob Titel und Trophäen aberkannt werden, wird in diesem Verfahren geklärt, nicht auf dem Platz.
Häufig gestellte Fragen
Wird Manchester City seine Premier-League-Titel verlieren?
Es ist eine Möglichkeit. Die unabhängige Kommission befand City in allen Anklagepunkten für schuldig, und Sanktionen werden in einer weiteren Anhörung behandelt. Mögliche Sanktionen umfassen Punktabzüge, Geldstrafen, Transfersperren und Ausschluss, aber die Aberkennung von Titeln ist eine der diskutierten Optionen.
Wenn Man City seine Titel verliert, wem würden die Premier-League-Siege von 2012, 2014 und 2018 zugesprochen?
Würden die Titel einfach den Zweitplatzierten zugesprochen, erhielte Manchester United zwei – für 2012 und 2018 – und Liverpool einen für 2014. Die Titel könnten jedoch stattdessen vakant bleiben, wie es beim Serie-A-Titel 2004/05 von Juventus geschah.
Wann ist die Appellfrist von Man City?
Manchester City hat bestätigt, dass sie gegen das Urteil Einspruch einlegen werden, und hat dafür bis Freitag, den 2. Oktober, Zeit.
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