Die Handball-Regel ist eine Farce, die die Grundfesten des Spiels untergräbt
Letzten Samstag klärte ein Verteidiger einen Ball aus sechs Metern – er touchierte seinen Oberschenkel und prallte dann an die Hüfte. Elfmeter. Korrekt nach Buchstaben. Nach jeder vernünftigen Auslegung des Fußballs war es eine Ungeheuerlichkeit.
Vom Versehen zum Verbrechen: Wie wir hierher kamen
Früher war die Handspielregel einfach: absichtliches Handspiel, Freistoß. Befand sich der Arm in einer unnatürlichen Position, war es ein Foul. Doch nach der Saison 2019/20 verschworen sich IFAB und Premier League, die Subjektivität zu eliminieren. Sie erschufen ein Monster.
Heute wird jede Berührung des Arms, die zu einem Tor oder einer klaren Torchance führt, automatisch bestraft – es sei denn, der Arm liegt am Körper an. Aber wo ist die Seite? Das Regelwerk sagt, oberhalb der Schulter ist unnatürlich. Darunter? Es hängt von der Bewegung des Spielers ab. Das hat eine Lotterie geschaffen. In der Saison 2022/23 gab es 47 Handelfmeter in der Premier League – ein Anstieg von 60% im Vergleich zu fünf Jahren zuvor.
Das Argument: Die aktuelle Regel ist unbrauchbar und muss abgeschafft werden
- Im Emirates, März 2024: Eine Flanke trifft Ben White ins Gesicht, dann an den Ellbogen. Kein Elfmeter, weil der Ball zuvor am Kopf abgefälscht wurde. Hätte er sein Gesicht verfehlt, wäre es Strafstoß gewesen. Die Unterscheidung ist absurd.
- Im Etihad, Januar 2024: Josko Gvardiol springt, sein Arm zur Balance erhoben. Der Ball knallt ihm in die Achsel. Elfmeter. Doch der Arm war notwendig, um den Kopfball zu gewinnen. Nach alter Auslegung wäre es weitergelaufen.
- Im St. Mary's, Februar 2024: Ein Schuss trifft Kyle Walker-Peters' Arm, als er zur Ballabwehr rutscht. Der Arm stützte sein Gewicht auf dem Boden. Dennoch gab VAR Elfmeter, später zurückgenommen. Der Schiedsrichter wusste nicht, was die richtige Entscheidung war.
Die Premier League behauptet, sie wolle Konsistenz. In Wahrheit schafft die aktuelle Regel mehr Verwirrung als die alte. Die Schwelle für eine unnatürliche Position verschiebt sich mit jeder Beschwerde. Der Satz „macht den Körper unnötig größer“ ist bedeutungslos, wenn ein Verteidiger sich dreht oder springt. Wer entscheidet, ob ein Arm am Körper anliegt? Ein Spieler in voller Streckung kann seine Arme nicht am Rumpf kleben lassen.
Das Gegenargument: Die alte Regel war zu subjektiv
Einige argumentieren, dass das alte Gesetz den Schiedsrichtern zu viel Ermessensspielraum ließ. Sie verweisen auf das berüchtigte Handspiel von Thierry Henry 2009, das Irland eine WM-Teilnahme kostete. Das, so sagen sie, ist der Grund für starre Regeln. Doch die Reaktion war eine Überkorrektur. Wir haben gelegentliches Unrecht gegen wöchentliche Farce eingetauscht.
Das aktuelle Gesetz bestraft nicht zynisches Betrügen, sondern Physik. Der Arm eines Verteidigers ist keine Waffe, sondern ein Gelenk. Wenn ein Spieler springt oder rutscht, bewegen sich seine Arme instinktiv. Die Regel verlangt, dass er sie stets unten hält, aber das ist biomechanisch unmöglich. Denken Sie an einen Torwart, der hechtet: Werden wir jetzt einen Torwart bestrafen, weil er den Arm ausstreckt? Natürlich nicht, denn Torhüter sind ausgenommen. Warum? Weil es bei der Regel immer um absichtliches Handspiel ging.
Besteht die Premier League auf objektiven Kriterien, sollte sie den Uefa-Ansatz übernehmen: nur Handspiel bestrafen, wenn der Arm über der Schulter ist oder absichtlich zum Ball bewegt wird. Das hat die Verwirrung in europäischen Wettbewerben verringert, ohne dass die Kontroversen zugenommen haben. Doch die Premier League beharrt auf einer Regel, die das Spiel verschlechtert.
Fazit: Bis Mai 2027 wird die Premier League die Handball-Regel heimlich umschreiben
Der Druck wächst. Trainer machen sich offen über die Regel lustig. Mikel Arteta nannte sie nach einem Spiel im Januar 2024 „die schlechteste Regel im Fußball“. Der Schiedsrichterchef der Liga, Howard Webb, hat in „Mic‘d Up“ eingeräumt, dass sich manche Entscheidungen nach aktueller Auslegung „ungerecht“ anfühlen. Beim nächsten IFAB-Treffen im Sommer wird ein Vorschlag zur Rückkehr zum „absichtlichen Handspiel“-Standard auf dem Tisch liegen, getarnt als Klarstellung. Zu Beginn der Saison 2027/28 wird die aktuelle Regel de facto tot sein. Aber die Premier League wird niemals zugeben, dass sie falsch lag. Stattdessen wird sie es eine „Evolution“ nennen. Das wird niemanden täuschen.
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