Es geht nicht um Punkte
Das Financial-Fairplay-Regime der Premier League hat endlich Zähne bekommen. Everton, Nottingham Forest und nun auch Leicester City wurden wegen Verstößen gegen die Rentabilitäts- und Nachhaltigkeitsregeln Punkte abgezogen. Doch das System funktioniert nicht wie beabsichtigt. Es ist kein Instrument für sportlichen Wettbewerb, sondern eine Versicherungspolice für die Reichen.
Geschichte: Von Austerität zu Abu Dhabi
Als das FFP 2011 eingeführt wurde, war das erklärte Ziel, Klubs davon abzuhalten, über ihre Verhältnisse zu leben – ein edles Anliegen nach dem Konkurs von Portsmouth. Doch die eigentliche Wende kam, als Roman Abramowitschs Chelsea und Scheich Mansours Manchester City die Liga mit Petrodollars umkrempelten. Die Regeln wurden als Schutz der Klubs vor sich selbst verkauft, doch in Wirklichkeit zementieren sie den Status quo.
Seitdem klafft die Schere zwischen den Top Sechs und dem Rest immer weiter auseinander. Vor einem Jahrzehnt konnte ein Mittelfeldklub noch vom Titel träumen, heute wirkt der Titelgewinn von Leicester wie eine historische Anomalie. Diese finanzielle Kluft ist kein natürlicher Marktmechanismus – sie ist konstruiert durch Regeln, die Ausgaben an Einnahmen koppeln und damit die etablierten Großklubs belohnen und Ambitionen bestrafen.
Der Fall gegen FFP: Schutz des Kartells
Machen wir uns nichts vor: Punktabzüge beheben die eigentlichen Ungerechtigkeiten nicht. Sie bestrafen Klubs für den Versuch, zu konkurrieren – nicht für finanzielle Unvernunft. Evertons übermäßige Ausgaben waren ein verzweifelter Versuch, relevant zu bleiben; Forests war eine Aufstiegswette. In der Zwischenzeit bleiben die 115 angeblichen Verstöße von Manchester City – einschließlich der Manipulation von Sponsoring-Deals – im juristischen Niemandsland stecken.
- Der Fall Manchester City zieht sich hin, ohne dass ein Punktabzug in Sicht ist, während kleinere Klubs schnelle Strafen kassieren.
- Leveraged Buyouts wie die schuldenbeladene Übernahme von Manchester United durch die Glazers belasten Klubs mit Zinszahlungen, die die Wettbewerbsfähigkeit untergraben, und bleiben doch von der FFP-Prüfung ausgenommen.
- Staatsklubs wie City und Newcastle können Sponsoreneinnahmen aufblähen, um das FFP zu erfüllen, und machen die Regeln zu einem reinen Papierkram.
Es geht nicht um Fairness, sondern um den Schutz des Kartells der etablierten Giganten. Die jüngste Geschichte ist lehrreich: Als die Premier League versuchte, die saudische Übernahme von Newcastle zu verhindern, rief sie laut nach "sportlicher Integrität". Doch jetzt nimmt die Liga gerne saudisches Geld über TV-Verträge und Sponsoring an.
Gegenargument: Die Notwendigkeit von Regeln
Man könnte argumentieren, dass ohne FFP Klubs sich in den Abgrund stürzen würden. Portsmouth, Leeds und Rangers erlitten in der Prä-FFP-Ära finanzielle Kollapse. Es gibt ein moralisches Risiko: Eigentümer könnten mit zukünftigen Einnahmen zocken, um nach Ruhm zu jagen, und die Fans würden leiden, wenn die Musik aufhört.
Aber das ist ein Strohmann. Die bestehenden Regeln verhindern keine Insolvenz – sie verlagern nur das Risiko. Klubs geben weiterhin zu viel aus, nur auf eine Weise, die leichter zu verbergen ist. Der Unterschied ist, dass kleinere Klubs einen Klaps auf die Finger bekommen, während die großen Klubs durch Bilanzierungstricks einer Strafe entgehen. Die eigene Untersuchung der Premier League zu Evertons erstem Verstoß zeigte die Komplexität, aber die Liga fehlt der Wille, die wahren Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.
Fazit: Vorhersage des Kollapses
Meine Prognose: Bis 2026 wird ein Mitglied der "Big Six" wegen eines FFP-Verstoßes angeklagt und erhält höchstens einen zur Bewährung ausgesetzten Punktabzug. Im Gegensatz dazu werden mindestens zwei kleinere Klubs wegen Punktabzügen absteigen, während die Transferrekorde der großen Klubs unangetastet bleiben. Diese Asymmetrie wird schließlich eine von Fans initiierte Überprüfung auslösen, die die Premier League ignorieren wird, bis eine neue "Super League"-Bedrohung auftaucht. Denken Sie an meine Worte: Dieses System ist nicht da, um den Fußball zu retten – es ist da, um die wenigen zu retten.
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