Mateo Kovacic ist kein Luxusspieler – er ist der Zündfunke für Guardiolas letztes Meisterwerk

Der moderne Premier-League-Diskurs ist besessen von Extremen. Entweder du bist ein Zerstörer wie Rodri oder ein Gestalter wie De Bruyne. Doch der einflussreichste Mittelfeldspieler in Pep Guardiolas letzter Saison bei Manchester City ist ein Mann, der weder das eine noch das andere tut. Mateo Kovacic, der kroatische Techniker, den alle vergessen haben, ist leise zur wichtigsten taktischen Waffe im englischen Fußball geworden.

Der Mythos des 'konservativen' Passgebers

Kritiker haben Kovacic lange als einen Spieler abgetan, der nur quer passt und das Spiel verlangsamt. In der Saison 2025/26 kam er auf 63 Pässe pro 90 Minuten mit einer Quote von 92% – Zahlen, die Kritiker als Sicherheitsdenken abtun. Aber sie verfehlen den Punkt völlig. Kovacics Genie liegt in seiner Fähigkeit, den Ball unter Druck zu bekommen und sofort einen progressiven Pass zu spielen, der die Linien durchbricht. Seine 8,4 progressiven Pässe pro 90 Minuten gehören zu den Top 10 unter den Mittelfeldspielern Europas.

Vergleichen Sie ihn mit Bruno Guimaraes, der mehr riskante Pässe versucht, aber 40% häufiger den Ball verliert. Kovacic bietet das gleiche vertikale Bedrohungspotential bei geringerem Ballverlustrisiko. Beim 3:2-Sieg von City gegen Arsenal im April spielte Kovacic elf Pässe, die mindestens zwei Gegner übersprangen – mehr als jeder Teamkollege. Er ist der Anti-Grealish: effizient, direkt und defensiv verantwortungsvoll.

Die taktische Unterbewertung

Warum wird Kovacic ignoriert? Weil seine Beiträge für den Gelegenheitszuschauer unsichtbar sind. Er erzielt keine Tore (2 Saisontore). Er liefert keine Vorlagen (4 Assists). Aber er tut etwas weitaus Wertvolleres: Er schafft die Plattform, auf der andere glänzen können. Wenn Kovacic in engen Räumen den Ball bekommt – was er häufiger tut als jeder andere City-Mittelfeldspieler –, zieht er zwei Gegenspieler auf sich und schafft so Lücken für Haaland oder Foden.

  • Gegen Liverpool: Kovacics acht Dribblings unter Druck zwangen Liverpools Mittelfeld zum Verschieben und schufen Raum für De Bruynes Sieg-Vorlage.
  • Im Derby: Er spielte vier linienbrechende Pässe, die Haaland zwischen Uniteds Innenverteidigern freistellten und zu zwei Toren führten.
  • Gegen Tottenham: Seine zwölf Ballrückeroberungen in der gegnerischen Hälfte entfachten Citys Pressing, was zu drei Ballgewinnen und einem Tor führte.

Das „zu talentiert für sein eigenes Wohl“-Argument

Das Gegenargument ist klar: Kovacic war nie der Hauptdarsteller bei einem Verein. In Madrid war er Ersatzspieler, bei Chelsea eine Rotationsoption. Kritiker sagen, ihm fehle die Konstanz, um als Mittelfeldankerl zu überzeugen. Aber das ignoriert den Kontext: Bei Madrid konkurrierte er mit Modric und Kroos, bei Chelsea wurde er auf einer ungewohnten Doppelsechs eingesetzt, die seinem rochierenden Stil nicht entgegenkam. Unter Guardiola hat er eine klare Rolle: der Auslöser in einem 3-2-4-1-Raute-Mittelfeld.

Die Statistik spricht für ihn. Im 4-4-2 tiefen Block, den die meisten Teams gegen City anwenden, ist Kovacics Fähigkeit, den Ball in der Drehung zu bekommen und nach vorne zu treiben, unübertroffen. Seine Passquote unter Druck (89,4%) ist die beste der Premier League unter Mittelfeldspielern mit über 1000 Minuten. Er ist kein Luxus; er ist das Instrument, das tiefe Blocks aufbricht.

Diesen Sommer wird die Premier League an Kovacic vorbeischlafen – und es bereuen

Hier ist die Prognose: Nach Guardiolas Abschied und einer möglichen Übergangsphase bei City wird Kovacics Rolle genau unter die Lupe genommen werden. Viele werden einen jüngeren, dynamischeren Spieler fordern. Doch wer auch immer Guardiola ersetzt – sei es Maresca oder ein anderer – wird schnell feststellen, dass Kovacics Ballbesitzsicherung und Angriffsauslösung unersetzlich sind. Bis Dezember 2026, wenn City ohne ihn schwächelt, wird sich die Erzählung wandeln. Kovacic wird endlich als der meistunterschätzte Mittelfeldspieler seiner Generation anerkannt werden. Bis dahin bleiben die blinden Flecken bestehen.

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