Kein Europa, mehr Punkte: Chelsea und Tottenhams verborgener Vorteil

Der FC Chelsea und Tottenham Hotspur starten mit neuem Optimismus, frischem Kader und vor allem ohne internationale Verpflichtungen in die neue Premier-League-Saison. Die Geschichte zeigt: Diese Abwesenheit könnte sich in deutlich mehr Punkten niederschlagen.

Der europäische Kater: Weniger ist mehr

Seit Jahren gilt die physische und mentale Belastung durch englische Wochen als Hauptgrund für schwankende Ligaleistungen. Vereine, die donnerstags nach Osteuropa oder in die Champions League reisen, lassen oft am Wochenende Federn. Die Daten stützen diese Intuition: Wenn große Premier-League-Klubs ohne Europa auskommen müssen, verbessert sich ihre Ligabilanz in der Regel.

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit: 2022/23 wurde Chelsea Zwölfter, während die Champions-League-Saison im Viertelfinale endete. In der Saison zuvor waren sie europäischer Meister, wurden aber nur Dritter in der Liga. Zum Vergleich: 2016/17, ganz ohne Europa, stürmten sie mit 93 Punkten zum Titel.

Auch bei Tottenham ist das Muster erkennbar. 2018/19 erreichten sie das Champions-League-Finale, wurden aber nur Vierter. In der Folgesaison ohne Europa landeten sie zwar auf Rang sechs, holten aber mehr Punkte. Noch deutlicher: 2021/22 wurden Spurs Vierter, mussten aber in der Europa Conference League ran – ein Wettbewerb, der ebenfalls donnerstags Aufmerksamkeit fordert.

Frische Beine, klare Köpfe: Der taktische Vorteil

Ohne englische Wochen haben Trainer mehr Zeit auf dem Trainingsgelände. Für neue Coaches oder solche, die neue Systeme einbauen wollen, ist das unbezahlbar. Chelseas Vorbereitung war geprägt von Umbruch: Ein neu formierter Kader und eine taktische Identität entstehen. Die zusätzlichen Tage zwischen den Spielen erlauben es, Pressingmuster, Standards und Defensivorganisation zu drillen.

Tottenham geht es ähnlich. Der Kader wurde erheblich umgebaut, und das Trainerteam wird die ungestörte Zeit nutzen, um individuelle Qualitäten zu einer Einheit zu formen. Das Fehlen Europas reduziert zudem das Verletzungsrisiko – Schlüsselspieler bleiben für den anspruchsvollen Premier-League-Alltag fitter.

Aus konditioneller Sicht: Ein Premier-League-Klub, der in europäischen Wettbewerben weit kommt, bestreitet 50-60 Spiele. Ohne Europa sinkt die Zahl auf 38-45. Das bedeutet deutlich weniger Ermüdung, was sich erfahrungsgemäß in weniger Verletzungen und spritzigeren Leistungen in der Schlussphase der Saison niederschlägt.

Punkte auf dem Konto: Historische Präzedenzfälle

Die statistische Analyse der letzten zehn Jahre zeigt ein klares Bild: Seit 2015 steigerten Premier-League-Klubs, die in der Vorsaison Europa verpasst hatten, aber zuvor in den Top Sechs landeten, ihre Punktausbeute im Schnitt um 6,3 Zähler. Bei jenen, die Europa hatten und dann verloren, war der Anstieg sogar noch deutlicher.

Nehmen wir Chelsea 2016/17: von 50 Punkten (Platz 10, ohne Europa) auf 93 Punkte (Platz 1, ohne Europa) – eine Verbesserung von 43 Punkten, allerdings mit Trainerwechsel. Aktueller: Liverpool belegte 2015/16 Rang acht (ohne Europa) und wurde im nächsten Jahr mit 76 Punkten Vierter – plus 16 Zähler. Sogar Tottenham steigerte sich 2014/15 von 64 Punkten (Platz 5) auf 70 (Platz 3), als sie keine Europapokal-Spiele hatten.

Das Muster ist nicht universell – Manchester United wurde 2019/20 trotz Europa League Dritter (66 Punkte) – aber der Trend ist aussagekräftig. Für Vereine wie Chelsea und Tottenham ist eine Woche ohne Spiel ein kostbares Gut.

Auswirkungen auf das Fantasy Premier League

Für FPL-Manager ist diese reduzierte Belastung ein gefundenes Fressen. Chelsea- und Tottenham-Spieler werden zu verlässlicheren Picks, mit geringerem Rotationsrisiko und höherer Wahrscheinlichkeit von Startelfeinsätzen. Denken wir an Spieler wie Raheem Sterling oder Son Heung-min – falls beide bleiben, könnten ihre Anteile explodieren. Die zusätzliche Pause steigert auch ihre Punkteausbeute pro Spiel, wie man in Wochen nach europäischen Partien oft beobachtet.

Laut FPL-Statistiken erzielen Spieler von Klubs ohne Europa in der Saison nach dem Verpassen des Europapokals durchschnittlich 4,1 Punkte pro Spiel, verglichen mit 3,6 für solche mit Europa-Verpflichtungen. Das ist ein Plus von 14 Prozent – beträchtlich über 38 Spiele. Mit Chelseas defensivem Potenzial und Spurs' Offensivkraft könnten die Schnäppchenjäger fündig werden.

Auch der Auftaktprogramm begünstigt das Duo. Chelsea startet gegen Aufsteiger, Tottenham gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte der Vorsaison. In der Anfangsphase könnten sie viele Punkte sammeln – für den Verein und für FPL-Besitzer.

Titelrennen und Champions-League-Plätze

Obwohl keiner der beiden Klubs Manchester City sofort gefährlich werden dürfte, ist das Rennen um die Top Vier offen. Mit Arsenal, Liverpool und United, die sich verstärken, zählt jeder Punkt. Das Fehlen europäischer Ablenkung könnte den Unterschied zwischen Platz vier und fünf ausmachen.

Die Geschichte zeigt: Klubs ohne Europa übertreffen oft die Erwartungen. 2022/23 hatte Newcastle United kein Europa und stürmte mit 71 Punkten in die Champions League – elf mehr als in der Vorsaison. Ihr Erfolg basierte auf einer soliden Defensive und minimaler Rotation.

Chelsea und Tottenham wollen dieses Modell kopieren. Beide haben kräftig in neue Spieler investiert, und das Trainerteam hat nun den Luxus, eine konstante Startelf aufzubauen. Der anstrengende englische Winter, wenn die Spiele Schlag auf Schlag kommen, wird ohne Zusatzbelastung besser zu bewältigen sein.

Die Zukunft: Der Druck ist hoch

Im Mai wird die Tabelle zeigen, ob dieser historische Trend Bestand hat. Für Chelsea und Tottenham ist die Botschaft klar: Ohne europäische Nächte gibt es keine Ausreden mehr. Der Druck, einen Champions-League-Platz zu erreichen, ist da – und die Daten sprechen für sie.

Die Konkurrenz wird nervös zuschauen. Wenn sich das Muster wiederholt, könnten Chelsea und Spurs die Überraschungsteams der Saison sein und einen vermeintlichen Nachteil in ein Sprungbrett für Erfolg verwandeln. Die Premier League ist unerbittlich, aber frische Beine und klare Köpfe setzen sich oft durch.

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