Tottenhams Saison 2025/26: Eine rekordverdächtige Verletzungskrise
Tottenham Hotspurs Spielzeit 2025/26 wurde von 32 separaten Verletzungen im Profikader lahmgelegt – die höchste Zahl in der Premier League. Bis Dezember hatten die Spurs 28 verschiedene Spieler eingesetzt, Schlüsselkräfte verpassten insgesamt 45 Prozent aller Partien.
Im November waren zeitweise neun Akteure verletzt, darunter Kapitän Heung-min Son und Rekordtransfer Dominic Solanke. Die Krise fiel mit einer Serie von nur einem Sieg aus elf Ligaspielen zusammen und zog Tottenham in den Abstiegskampf.
Pech oder systemisches Versagen?
Tottenhams Verletzungsbilanz war kein Ausreißer. Daten von Premier-League-Verletzungsaudits zeigen, dass die Spurs mit 18 Muskelverletzungen die höchste Rate der Liga hatten. Sieben davon waren Oberschenkelzerrungen, was auf Probleme bei Trainingsbelastung oder Regenerationsprotokollen hindeutet.
Unter dem Nachfolger von Ange Postecoglou forderte das hochintensive Pressingsystem explosive Sprints, doch die Erholungsphasen waren Berichten zufolge unzureichend. Der frühere Leiter der medizinischen Abteilung, Dr. James Collins, verließ den Verein im Januar 2026 nach internen Meinungsverschiedenheiten über das Belastungsmanagement der Spieler.
Zudem priorisierte die Sommer-Transferstrategie offensive Verstärkungen, vernachlässigte aber die Kaderbreite in Abwehr und Mittelfeld. Von sechs Verletzungen im Oktober betrafen vier die Defensive, was eine notdürftige Abwehrkette erzwang, die in dieser Phase 2,1 Gegentore pro Spiel kassierte.
Auswirkungen auf Leistung und Taktik
Die Verletzungskrise zwang Tottenham, Postecoglous bevorzugtes 4-3-3 im Dezember durch ein vorsichtiges 4-5-1 zu ersetzen. Ohne kreative Mittelfeldspieler erzielten die Spurs im Schnitt nur 0,8 Expected Goals pro Spiel – der viertschlechteste Wert der Liga in diesem Zeitraum.
Standardsituationen wurden zur seltenen Offensivwaffe: Tottenham erzielte 2025/26 sieben Tore nach Ecken, das entsprach 35 Prozent aller Treffer. Defensiv kassierten sie jedoch zwölf Gegentore nach Standards – der zweithöchste Wert der Liga, was die ständigen Umstellungen in der Abwehr widerspiegelt.
FPL-Manager trennten sich früh von Spurs-Akteuren. Sons Besitzquote fiel von 45 auf 12 Prozent bis zum 15. Spieltag, trotz seiner 7,5 Tore und vier Vorlagen. Die kommenden Partien im März umfassen Auswärtsspiele bei Arsenal und Liverpool – wenig Hoffnung auf Fantasy-Punkte.
Historisches Muster: Systematische Vernachlässigung?
Dies ist nicht Tottenhams erste Verletzungskrise unter ENIC. 2021/22 gab es 27 Verletzungen, 2023/24 waren es 25. Mit 32 Verletzungen markiert 2025/26 jedoch einen neuen Höchststand. Zum Vergleich: Arsenal und Liverpool verzeichneten im selben Zeitraum durchschnittlich 14 bzw. 16 Verletzungen.
Kritiker verweisen auf Tottenhams unterdurchschnittliche Ausgaben für Sportwissenschaft: 3,2 Millionen Euro jährlich gegenüber dem Liga-Durchschnitt von 5,8 Millionen. Zudem fehlen dem Verein eine Kältekammer und Hydrotherapiebecken, die Spitzenklubs nutzen – Fragen nach langfristigen Investitionen in die Spielergesundheit werden laut.
Was kommt auf Spurs zu?
Bei noch neun ausstehenden Spielen liegt Tottenham auf Rang 16, vier Punkte vor den Abstiegsplätzen. Das Restprogramm ist anspruchsvoll: Manchester City (H), Aston Villa (A), Newcastle (H). Mindestens vier Siege sind nötig, um die Klasse zu halten.
Der Verein muss im Sommer die medizinische Abteilung umkrempeln und in Regenerationseinrichtungen investieren. Zudem ist die Kaderbreite in Abwehr und Mittelfeld zu priorisieren, mindestens vier Neuzugänge sind erforderlich. Bleiben diese systemischen Probleme ungelöst, droht eine Wiederholung der Krise in der nächsten Saison.
Tottenhams Vorsitzender Daniel Levy gerät zunehmend unter Druck der Fans, zu erklären, warum der Verein bei der Verletzungsprävention weiter hinterherhinkt. Ohne entschlossenes Handeln könnte die Krise 2025/26 zur Regel statt zur Ausnahme werden.
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