Arsenals Mittelfeld ist ein Kartenhaus – und Thomas Partey ist der Joker
Thomas Partey auf der rechten Abwehrseite zu sehen, ist wie einem Meisterschreiner zuzuschauen, wie er einen Meißel benutzt, um eine Farbdose zu öffnen. Es funktioniert – irgendwie –, aber es sagt alles über die Dysfunktion, die es übertüncht. Mikel Artetas Entscheidung, seinen erfahrensten Mittelfeldspieler auf die Außenverteidigerposition zu verschieben, ist kein taktisches Genie, sondern der verzweifelte Versuch, zu verbergen, dass Arsenals Antriebsstrang nicht zu trauen ist.
Die Bilanz eines kaputten Systems
Partey kam 2020 als das fehlende Puzzlestück: ein Box-to-Box-Zerstörer mit afrikanischer Eleganz und europäischer Disziplin. In Bestform – gegen Manchester United 2022 – spielte er 96% seiner Pässe an, machte fünf Tacklings und beherrschte das Spiel von hinten. Doch diese Leistungen sind Museumsstücke. Seitdem hat Arsenal über 200 Millionen Euro für Mittelfeldspieler ausgegeben – Havertz, Rice, Vieira, Zinchenko – und kann dennoch kein ausbalanciertes zentrales Trio aufbieten. Die Zahlen sprechen eine düstere Sprache: In der Saison 2023/24 kassierte Arsenal 1,2 Gegentore pro Spiel, wenn Partey im Mittelfeld spielte, verglichen mit 0,8, wenn er rechts hinten ran musste. Die Stichprobe ist klein, aber das Signal ist laut.
Man vergleiche das mit einem Team wie Brighton unter Roberto De Zerbi, wo Pascal Groß nahtlos zwischen Rechtsverteidiger und Mittelfeld wechseln konnte, ohne strukturelle Schäden. Der Unterschied ist nicht der Spieler – es ist das System. Groß agiert in einem fließenden 4-2-3-1, das von vornherein auf Rotation ausgelegt ist. Arsenals starres 4-3-3 bricht zusammen, sobald ein Puzzleteil verschoben wird. Partey als Rechtsverteidiger ist Symptom, nicht Lösung.
Das Partey-Paradoxon: Einzelkämpfer von Weltklasse, im Verbund problematisch
Parteys individuelle Werte bleiben erstklassig. Er zählt in der Premier League zu den Top 10% bei progressiven Pässen, Balleroberungen und gewonnenen Kopfballduellen pro 90 Minuten. Aber Fußball wird nicht auf dem Papier entschieden. Sehe man ihn neben Jorginho – zwei tiefstehenden Passgebern ohne Vorwärtsdrang – wird Arsenals Angriff zum Zeitlupen-Unfall. Es gibt keinen Mittelfeldläufer, keinen vertikalen Pass. Die Folge: Arsenals Spielaufbau wird vorhersehbar, zwingt Declan Rice, seine Box-to-Box-Rolle aufzugeben und tiefer zu rücken, was seine Torgefahr zunichtemacht.
- Gegen Aston Villa im April 2024 startete Partey als Rechtsverteidiger. Arsenal gewann 2:0. Er machte sechs Klärungen und drei Interceptions. Im Mittelfeld eine Woche zuvor gegen Wolves wurde er zweimal in Ballbesitz gestellt, was zu Gegentoren führte.
- Im Community Shield 2023 gegen Manchester City spielte Partey im zentralen Mittelfeld und kam auf nur 38 Ballkontakte – sein niedrigster Wert im Arsenal-Trikot. Er wurde zur Halbzeit ausgewechselt.
- Unter Arteta hat Arsenal nur drei von 18 Ligaspielen verloren, in denen Partey als Rechtsverteidiger auflief. Im Mittelfeld verloren sie sieben von 21.
Die Zahlen sind deutlich. Partey ist kein schlechter Spieler – er passt nicht in ein System, das drei verschiedene Mittelfeld-Fähigkeiten verlangt, aber nur zwei hat. Artetas Lösung ist, die Dose den Rasen entlangzutreten, das Problem auf die Außenbahn zu verschieben.
Die Gegenthese: taktische Flexibilität, kein Fehler
Manche argumentieren, Partey als Rechtsverteidiger sei eine taktische Innovation – eine Möglichkeit, das Mittelfeld im Ballbesitz zu überladen, ohne die defensive Stabilität zu opfern. Sie verweisen auf seine Passreichweite, seine Fähigkeit, nach innen zu rücken, und seine Erfahrung. Schließlich setzte Pep Guardiola Javier Mascherano als Innenverteidiger ein und Philipp Lahm als Mittelfeldspieler. Warum also nicht Arteta mit Partey? Der Unterschied: Guardiola und Louis van Gaal bauten ihre Systeme von Anfang an um diese Spieler herum, mit voller Unterstützung des Kaders. Arteta rüstet nachträglich um, und das sieht man. Wenn Partey nach innen rückt, muss Gabriel Martinelli die rechte Seite abdecken, was seine Offensivkraft schwächt. Das Team verliert seine Form. Es ist ein Flickwerk, kein Plan.
Arsenal wird Fünfter, wenn Partey im Oktober Stamm-Rechtsverteidiger ist
Wenn Partey im August 2025 immer noch als Rechtsverteidiger startet, ist Arsenal Weihnachten aus dem Titelrennen. Der Grund ist simpel: Die dauerhafte Abhängigkeit von einem eckigen Stein in einem runden Loch erzeugt systemische Schwächen, die Topteams wie Liverpool mit Salah oder City mit Foden gnadenlos ausnutzen werden. Entweder Arteta holt einen spezialisierten Rechtsverteidiger (ein Transfer von Lewis Hall wäre sinnvoll) oder er bekennt sich zu einem Mittelfeld-Umbau, der Partey seine natürliche Rolle ermöglicht, ohne Jorginhos mangelnde Beinarbeit zu entblößen. Tut er keines von beiden, darf Arsenal mit einem Europa-League-Platz rechnen. Der Vorstand muss entscheiden: Ist Partey eine zu schützende Lösung oder ein zu ersetzender Lückenfüller?
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