Evertons Mittelfeld ist ein Museum – und David Moyes der Kurator
David Moyes verlängert den Vertrag von Idrissa Gueye bei Everton. Das ist kein Vertrauensbeweis, sondern das Eingeständnis, dass das Mittelfeld des Klubs eine Ausstellung alter Relikte ist – und Moyes der Kurator, der lieber auf Altbewährtes setzt als auf neue Ideen.
Warum Gueye eine taktische Sackgasse ist
Mit 35 Jahren ist Gueye immer noch ein ballsichernder Terrier. Doch im Ballbesitz wird er zum Problem: Seine Passquote im letzten Drittel gehört zu den schlechtesten der Premier League. Wenn Everton von hinten aufbaut, lässt sich Gueye oft fallen, dreht sich zur Seite und spielt einen Querpass. Das verlangsamt Umschaltbewegungen und zwingt die Stürmer, tiefer zu kommen.
Die Zahlen sind eindeutig: Everton belegt Platz 17 bei progressiven Pässen aus dem Mittelfeld. Gueye kommt auf nur 1,2 progressive Pässe pro 90 Minuten. Zum Vergleich: Brightons Carlos Baleba (4,8) oder Declan Rice (3,9) zeigen, wie es modern geht. Gueyes Aufgabe ist es, Angriffe zu unterbinden und den Ball dann abzugeben. Das funktionierte 2019. 2025 ist das eine taktische Sackgasse.
Moyes baut ein System um ein Fossil
Moyes' Vertragsverlängerung für Gueye signalisiert eine grundsätzliche Philosophie: defensive Stabilität um jeden Preis. Doch die Kosten steigen.
- Everton erzielte in 30 Spielen nur 28 Tore – drittschlechtester Wert der Liga. Der Expected-Goals-Wert (xG) aus dem Mittelfeld ist der zweitniedrigste. Gueye hat null Tore und eine Vorlage; das ist nicht sein Job, aber sein Job ist es, die Verbindung zwischen Abwehr und Angriff herzustellen – und das gelingt nicht.
- Das Durchschnittsalter von Evertons erster Mittelfeldreihe (Gueye, James Garner, Abdoulaye Doucouré) beträgt 29,3 Jahre. Nur drei Premier-League-Klubs haben ein älteres Mittelfeld. Das ist nicht Erfahrung, das ist Stillstand.
- Unter Gegnerdruck sinkt Gueyes Passquote auf 67%. Teams wie Liverpool und Manchester City zielen gezielt auf Evertons Mittelfeld, weil sie wissen, dass Gueye damit nicht klarkommt. Im Merseyside-Derby erzwangen die Reds zwölf Fehlpässe von Gueye, die zu sechs Torschüssen führten.
Die Analysen der Klub-Datenabteilung dürften diese Zahlen offengelegt haben. Doch Moyes ignoriert sie zugunsten von Loyalität. Das Ergebnis ist ein Mittelfeld, das Spiele nicht kontrollieren, den Ball nicht nach vorne bringen und gezielt Druck einlädt.
Gegenargument: Gueyes Defensivwerte sind stark – aber kaschieren tiefere Probleme
Es stimmt, dass Gueye bei Tacklings und Balleroberungen zu den besten zehn Prozent aller Mittelfeldspieler zählt. Er läuft viel und liest Gefahren. Befürworter argumentieren, dass seine Präsenz Garner und Doucouré Raum für Vorstöße gibt. Doch diese These hält einer Prüfung nicht stand: Garner und Doucouré kommen zusammen auf nur drei Saisontore. Der Vorstoß nach vorne ist ein Mythos. Gegner umgehen Gueye einfach, indem sie durch oder über ihn spielen. Seine Laufarbeit ist hoch, aber reaktiv, nicht proaktiv. Evertons Mittelfeld läuft viel, aber kontrolliert nichts. Es steht tief, lädt Druck ein und hofft auf Konter – doch dafür fehlen Tempo und Präzision. Das System ist für ein 4-4-2 von 2015 gemacht. Die Premier League 2025 verlangt Pressing-Trigger, Halbraum-Rotationen und vertikale Pässe. Gueye kann in diesem System nicht spielen. Moyes rüstet nicht den Motor auf, sondern poliert die Radkappen.
Fazit: Ohne Kurswechsel droht Platz 15
Wenn Gueye in der Saison 2025/26 weiterhin zum Stammpersonal gehört, wird Everton auf Platz 15 oder tiefer landen. Das Mittelfeld kreiert zu wenig, die Stürmer hungern, und Goodison Park erlebt eine langsame, schmerzhafte Stagnation. Moyes' Loyalität zu Gueye ist eine selbst zugefügte Wunde. Prognose: Evertons Punktzahl sinkt um mindestens fünf Zähler, wenn Gueye mehr als 25 Ligaspiele von Beginn an macht. Das ist eine konkrete, überprüfbare These. Mal sehen, ob Moyes sie widerlegt – oder ob er sich damit begnügt, die Vergangenheit weiter zu polieren.
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Kategorien: Taktikanalyse | LA Premier League