Der Abzug ist eine Steuer auf Ambitionen, keine Strafe für Exzesse

Die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln der Premier League sind das fußballerische Äquivalent einer Kopfsteuer: Sie treffen die, die aufsteigen wollen, während der Landadel auf einem Berg von Schulden thront, den man irgendwie in 'Infrastrukturinvestitionen' verwandelt hat. Evertons Zehn-Punkte-Abzug war keine Sanktion für Betrug; es war eine Geldstrafe für die Sünde, ohne Staatsfonds mithalten zu wollen.

Eine Geschichte ungleicher Bestrafung

Wann hat ein Superclub zuletzt die Härte des FFP zu spüren bekommen? Manchester Citys zweijährige Europapokal-Sperre von 2020 wurde aus formalen Gründen aufgehoben, und ihre Anklagepunkte von 2023 stecken in einem juristischen Labyrinth. Währenddessen haben Derby County, Reading und Wigan Punkte wie offene Wunden verloren. Das Muster ist so klar wie das Compliance-Handbuch der Premier League: Die großen Fische schwimmen in einem Teich voller Schlupflöcher, während die Minnows an denselben Ködern hängen bleiben.

Betrachten wir die Stadioneinnahmen. Die Erweiterung des Etihad und das NFL-Seitengeschäft des Tottenham Hotspur Stadiums sind nicht nur kommerzielle Erfolge; sie sind FFP-Fluchtwege. Diese Clubs pumpen Hunderte Millionen in Beton und Namensrechte, was als 'gute' Ausgaben zählt, die Einnahmen steigern und Kosten über Jahrzehnte amortisieren. Ein Aufsteiger kann sich keinen neuen Stand leisten, also muss er in Spieler investieren, um zu überleben. Und genau diese Ausgaben bestraft das PSR.

Das Plädoyer für die Zerschlagung der Regeln

Das Argument, PSR abzuschaffen, ist keine Laissez-faire-Fantasie; es ist eine pragmatische Anerkennung, dass die Regeln ihren erklärten Zweck verfehlen: Wettbewerbsgleichgewicht. Stattdessen zementieren sie eine Hierarchie.

  • Evertons Abzug erfolgte nach Verlusten von 124 Millionen Pfund, hauptsächlich aus Stadionbau und COVID – zwei Kategorien, die die Regeln ungleich behandeln. Brentfords neues Stadion wurde dagegen durch legale Schlupflöcher und Spielerverkäufe finanziert – ein Privileg des Timings.
  • Eigentümerdarlehen, wie bei Everton und Arsenal, sind als Schulden mit Zinssätzen strukturiert, die einen Kredithai erröten ließen. Diese sind nicht 'nachhaltig' – sie sind eine Steuervermeidung, die das Eigenkapital des Eigentümers aufbläht, ohne als Einnahmen zu zählen.
  • Die eigenen 'Related-Party-Transaction'-Regeln der Premier League sind ein Sieb. Chelseas Verkauf von Hotels an die eigenen Besitzer für 76 Millionen Pfund wurde als fairer Marktwert eingestuft. Das ist keine Regel; das ist ein Gummistempel.

Die Antwort der Apologeten ist vorhersehbar: 'Clubs brauchen Leitplanken, um Insolvenzen zu verhindern.' Aber die English Football League hat in der PSR-Ära mehr Vereine pleitegehen sehen als zuvor. Bury, Macclesfield und Southend kollabierten unter der Last unkontrollierter Schulden, während die 'Big Six' der Premier League nie solventer waren. Die Leitplanken schützen die Habenden vor den Habenichtsen, nicht umgekehrt.

Was das Gegenargument übersieht

Kritiker weisen auf die finanziellen Zusammenbrüche der Championship als Beweis hin, dass Ausgaben eingedämmt werden müssen. Sie argumentieren, dass ohne PSR Clubs wie Everton in den Bankrott jagen würden, um Champions-League-Ruhm zu erlangen. Aber das ist ein Strohmann: Richtige Solvenztests, wie die deutsche 50+1-Regel oder die neue Kaderkostenquote der UEFA, können rücksichtslose Ausgaben verhindern, ohne Ambitionen zu bestrafen. Die Premier League hat das stumpfste verfügbare Instrument gewählt – Punktabzüge –, weil sie billig zu verwalten sind und die Clubs treffen, die es sich am wenigsten leisten können.

Die eigentliche Krise ist nicht Überausgaben; es ist der Inflationsdruck, der durch die eigenen Fernsehverträge der Premier League entsteht. Je größer der Kuchen wird, desto mehr müssen Clubs ausgeben, um mitzuhalten, und die Regeln messen 'Fairness' in absoluten Zahlen statt im Verhältnis zu den Einnahmen. Das Ergebnis ist ein manipuliertes Rennen, bei dem der Startschuss ein Milliarden-Fernsehvertrag ist.

Prognose: Der nächste Abzug trifft einen Big-Six-Club – und wird begraben

Manchester Citys 115 Anklagepunkte werden irgendwann ein Urteil hervorbringen. Im Falle einer Verurteilung wird die Strafe eine Geldbuße sein, die Kleingeld ist – oder höchstens ein Transferverbot, das sie in einem Sommer absitzen können, in dem sie ohnehin keine Verpflichtungen brauchen. Aber beobachten Sie den echten Test: Wenn ein 'Big-Six'-Club – sagen wir Chelsea, dessen Milliardenausgaben unter Clearlake Capital durch raffinierte Buchführung finanziert wurden – Punkte abgezogen bekommt. Die Regeln werden innerhalb eines Jahres geändert, nicht um sie fairer zu machen, sondern um das Kartell zu schützen. Meine falsifizierbare These: Bis 2027 wird Chelsea einen Punktabzug erhalten, und die Premier League wird darauf reagieren, indem sie PSR zugunsten eines Kaderkosten-Quotenmodells abschafft und damit alle Sünden der Vergangenheit vergibt. So überlebt das Spiel: indem es beweist, dass es bei den Regeln nie um Fairness ging, sondern nur um Kontrolle.