Der Markt lügt nicht – die Besitzer schon
Vinicius Junior ist in diesem Sommer für 120 Millionen Pfund zu haben. Arsenal, Liverpool und Manchester United zeigen Interesse. Doch der eigentliche Skandal ist nicht der Preis – es ist die Tatsache, dass die Besitzverhältnisse in der Premier League eine solche Summe sowohl rational als auch ruinös machen.
Von Thatchers Austerität zum Petrodollar-Hedonismus
Die Premier League wurde 1992 als Abspaltung der Reichen gegründet. Dreißig Jahre später ist aus der Abspaltung ein Kartell geworden. 1992 waren die Klubs mehrheitlich in lokaler Hand. Inzwischen werden 14 von 20 Klubs von ausländischem Kapital kontrolliert – Staaten, Hedgefonds oder Private Equity. Der Bericht des englischen Fußballverbands von 2023 zeigt: Die Premier-League-Klubs haben 4,7 Milliarden Pfund Nettoschulden bei Einnahmen von 6,1 Milliarden. Das ist kein Kreislauf der Tugend, sondern eine Schuldenspirale.
Ein Beispiel: 2012 hatte Manchester United 437 Millionen Pfund Nettoschulden bei Einnahmen von 363 Millionen. Zehn Jahre später waren die Schulden auf 969 Millionen gestiegen, während die Einnahmen sich verdreifacht hatten. Das ist keine finanzielle Disziplin – das ist Wertabschöpfung unter dem Deckmantel des Wettbewerbs.
Das Pyramidenspiel, das FFP schützt
Everton zehn Punkte Abzug für Verstöße gegen die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln wurden als gerechte Strafe verkauft. Es war Theater. Die eigentliche Bestrafung trifft Klubs, die ihr eigenes Geld ausgeben – wie Everton, dessen Besitzer Farhad Moshiri 450 Millionen Pfund seines Privatvermögens in den Verein pumpte – während die Staatsklubs Manchester City und Newcastle United Staatsvermögen ausgeben können, ohne einen PSR-Alarm auszulösen. Citys 115 offene Anklagepunkte wegen angeblicher Finanzverstöße sind vier Jahre nach Beginn der Untersuchung immer noch nicht verhandelt. Das System ist nicht kaputt – es wurde so konzipiert.
- Manchester Citys Etihad-Sponsoring ist 67,5 Millionen Pfund pro Jahr wert – eine Summe, die 22 % der Klubeinnahmen ausmacht, aber umstritten mit dem Besitz aus Abu Dhabi verknüpft ist.
- Chelsea hat unter Clearlake Capital seit 2022 Akademie-Abgänger im Wert von 400 Millionen Pfund verkauft – und so Eigengewächse nach Premier-League-Regeln in reinen Gewinn verwandelt, während die erste Mannschaft stagniert.
- Manchester United hat in den letzten fünf Jahren 215 Millionen Pfund an Zinsen und Finanzierungskosten gezahlt – Geld, das direkt das Spielerbudget geschmälert hat.
„Aber Besitzer investieren auch in Infrastruktur“
Stimmt. Tottenhams Stadion kostete 1,2 Milliarden Pfund und ist ein Wunderwerk. Arsenals Emirates generiert 100 Millionen Pfund pro Jahr an Spieltagseinnahmen. Doch das sind Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Die meisten Stadioninvestitionen werden durch Schulden finanziert, die gegen zukünftige TV-Einnahmen besichert sind – dieselben TV-Einnahmen, die ihren Höhepunkt erreicht haben könnten, wenn der nächste Inlandsrechtevertrag 2025 verhandelt wird. Wenn die Blase platzt, werden die Klubs mit der höchsten Verschuldung – Manchester United, Tottenham, Everton – exponiert sein.
Auch das Gegenargument, Besitzer böten stabile Führung, ist falsch. Newcastles saudisch geführte Übernahme ersetzte ein dysfunktionales Regime durch eines, das bereits 400 Millionen Pfund für Spieler ausgegeben hat. Aber die Quelle dieser Ausgaben – der Public Investment Fund – unterliegt nicht denselben Marktdisziplinen wie ein börsennotiertes Unternehmen oder ein Familienbetrieb. Wenn der PIF entscheidet, dass Newcastles Projekt nicht mehr strategisch ist, bleibt der Klub mit hohen Gehältern und ohne staatliche Rückendeckung zurück.
Vinicius Junior wird zu Manchester City wechseln – und die Farce geht weiter
Bis Juli 2025 wird Vinicius Junior ein Spieler von Manchester City sein. Nicht weil City einen Flügelstürmer braucht – sie haben Phil Foden, Jeremy Doku und Savinho – sondern weil die Marktlogik verlangt, dass Petrodollar-Klubs die besten Talente absorbieren, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Die Ablösesumme wird als Triumph des Ehrgeizes gemeldet werden. In Wirklichkeit wird es ein Zeichen dafür sein, dass das Besitzermodell der Premier League seinen logischen Endpunkt erreicht hat: eine Liga, in der finanzielle Nachhaltigkeit eine Fiktion ist und nur noch zählt, wessen Staatsfonds zuerst blinzelt.
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