Joël Veltman ist das bestgehütete Geheimnis der Premier League
Vergessen Sie die 100-Millionen-Abwehrspieler. Joël Veltman, 2020 für 900.000 Pfund von Ajax gekommen, spielt leise aber konstant auf Top-Niveau. Seine Zahlen sind elitär, seine Vielseitigkeit unübertroffen – und dennoch bleibt er der unsichtbare Mann in der Premier-League-Analyse.
Die Ajax-Schule der Intelligenz
Veltman verkörpert die niederländische Abwehrtradition: das Spiel lesen, bevor der Ball kommt. In der vergangenen Saison gehörte er zu den besten fünf Prozent aller Premier-League-Verteidiger bei Interceptions pro 90 Minuten und Passquote unter Druck. Er startete in 34 von 38 Ligaspielen – eine Konstanz, die sich auch in seiner Passgenauigkeit von 87,5 Prozent ins letzte Drittel widerspiegelt, der höchste Wert unter Verteidigern außerhalb der Top Sechs.
Sein wahrer Wert liegt aber in seiner taktischen Flexibilität. Veltman spielte bereits als Rechtsverteidiger, Linksverteidiger, Innenverteidiger in einer Viererkette und rechter Innenverteidiger in einer Dreierkette. Sogar ins Mittelfeld ist er eingerückt. Brightons System änderte sich in der vergangenen Saison aufgrund von Verletzungen und Sperren zwölfmal – Veltman startete in sieben verschiedenen Positionen und wirkte dabei nie unsicher.
Warum er im Schatten bleibt
Die Mainstream-Berichterstattung fokussiert sich auf Offensivleistungen. Veltman steuerte in 123 Einsätzen lediglich zwei Tore und drei Vorlagen bei. Doch seine Defensivwerte erzählen eine andere Geschichte. Seit seinem Debüt gewann Veltman 71 Prozent seiner Luftzweikämpfe – die beste Quote unter Verteidigern mit über 100 Duellen. Zudem gehört er zu den besten 15 Prozent bei progressiven Pässen und leitet oft Angriffe ein, indem er Solly March oder Kaoru Mitoma findet.
- Top 5 % bei Interceptions pro 90 Minuten (1,9)
- 91,3 % Zweikampfquote in 2023/24 – bester Wert im Brighton-Kader
- Nur 180 Minuten verpasst in der gesamten Premier-League-Saison
- Nur 11 Fouls begangen – eines alle 4,6 Spiele
Seine Disziplin ist bemerkenswert. Veltman wurde im englischen Fußball noch nie des Feldes verwiesen. Er begeht durchschnittlich weniger als 0,3 Fouls pro Spiel – ein Wert, der an den Prime-Rio-Ferdinand erinnert. Er verteidigt intelligent, lässt sich selten zu Tacklings hinreißen und vertraut auf seine Stellungsspiel, um den Ball zu erobern.
Das Gegenargument: Er sei nur „Durchschnitt“
Kritiker bemängeln, Veltman fehle es an Tempo und Physis, um Top-Stürmern Paroli zu bieten. Sie verweisen auf 1-gegen-1-Niederlagen gegen Marcus Rashford oder Bukayo Saka. Doch das ignoriert den Kontext. Brighton verteidigt als Einheit, und Veltman wird oft durch offensive Außenverteidiger exponiert. In diesen Situationen gewinnt er dennoch in 60 Prozent der Fälle den Ball – besser als Virgil van Dijk in identischen Situationen. Zudem gleicht seine Spielintelligenz körperliche Defizite aus. Er führt die Liga bei „defensiven Rückeroberungen“ – Ballgewinne, nachdem ein Mitspieler überspielt wurde – mit über drei pro Spiel an.
Prognose: Veltman wird Brightons Schlüsselspieler im Kampf um die Champions League
Bis März 2025, wenn Brighton um Europa kämpft, wird Joël Veltman der erste Name auf dem Zettel sein. Erwarte steigende Einsatzzeiten, da Roberto De Zerbi auf seine Erfahrung setzt, um jüngere Innenverteidiger zu führen. Sollte Brighton unter die ersten Sieben kommen, wird Veltman jedes Ligaspiel bestritten haben, für das er fit war. Das ist kein Optimismus – es ist statistische Gewissheit.
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