Die PSR-Strafe ist eine Geldbuße, keine sportliche Sanktion
Evertons Zehn-Punkte-Abzug wegen Verstoßes gegen die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln (PSR) wurde als Sieg des Financial Fair Play verkauft. In Wahrheit entlarvt er die Heuchelei der Premier League: ein System, in dem die Reichen sich freikaufen können, während der Rest für seinen Ehrgeiz bestraft wird.
Eine kurze Geschichte selektiver Strafverfolgung
Seit 2014 wurden nur vier Klubs wegen FFP-Verstößen belangt: QPR, Bournemouth, Leicester und Everton. Keiner der 'Big Six' wurde bestraft, trotz Manchester Citys 115 mutmaßlichen Verstößen und Chelseas Ausgabenrausch unter Abramowitsch. Das Muster ist klar: die Peripherie bestrafen, den Kern schützen. Als Manchester City 2014 wegen FFP-Verstoßes mit 49 Millionen Pfund bestraft wurde, war das ein Klaps aufs Handgelenk. Für Everton kostete die gleiche Verfehlung Punkte und die Europapokal-Qualifikation.
Der PSR-Rahmen der Premier League begrenzt Verluste auf 105 Millionen Pfund über drei Jahre, nimmt aber Ausgaben für Infrastruktur, Nachwuchsarbeit und Frauenfußball aus. Clever, denn so kann Manchester United zwei Milliarden in die Old Trafford-Renovierung stecken, während Evertons neues Stadion am Bramley-Moore Dock gegen die Verlustgrenze läuft. Die Regeln sind zugunsten derer gemacht, die bereits haben.
Wie die Reichen Straffreiheit kaufen: Die Transfermarktsteuer
Der eigentliche Skandal ist, dass PSR zu einer Steuer auf die Überambitionierten geworden ist. Als Nottingham Forest nach dem Aufstieg 200 Millionen ausgab, kannten sie das Risiko. Aber das System belohnt sicheres, langweiliges Fußballgeschäft: Verkaufe deine besten Spieler, bleib im Mittelfeld, kassiere die Fernsehgelder. Vereine, die zu träumen wagen, werden bestraft.
- Everton: musste Richarlison, Anthony Gordon und Alex Iwobi verkaufen, um die Bücher auszugleichen, wurde trotzdem bestraft.
- Leicester: gewann 2016 die Premier League, gab dann 100 Millionen aus und erhielt ein Transferverbot wegen FFP-Verstoßes.
- Bournemouth: akzeptierte 2020 eine Transfersperre nach zu hohen Ausgaben in der Championship.
- Manchester City: 115 Anklagepunkte, null Punkteabzug, unendliches Anwaltsbudget.
Die Daten der Premier League zeigen, dass die Top-Sechs zwischen 2013 und 2019 40 Prozent mehr für Gehälter ausgaben als die anderen 14. Diese Kluft hat sich seit Einführung der PSR noch vergrößert. Die Regeln ebnen das Spielfeld nicht ein – sie zementieren die Ungleichheit.
Das Gegenargument: Regeln müssen durchgesetzt werden
Befürworter der PSR argumentieren, dass Vereine die Regeln einhalten müssen, denen sie zugestimmt haben. Dass Everton die Strafe für zu hohe Ausgaben kannte. Dass finanzielle Nachhaltigkeit Klubs vor dem Schicksal von Leeds United oder Portsmouth bewahrt. Aber das ignoriert den grundlegenden Fehler: Die Regeln werden nicht gleich angewendet. Als Chelsea in zwei Transferfenstern 600 Millionen ausgab, taten sie das durch Ausnutzung von Schlupflöchern – lange Abschreibungsverträge, Verkauf von Hotels an sich selbst. Die Reaktion der Premier League? Die Regeln nachträglich ändern. Währenddessen führt Evertons geringer Verstoß zu einem Punktabzug, der den Klassenerhalt gefährdet.
Die Wahrheit ist, dass PSR ein selbstbedienender Mechanismus der Elite ist. Das 14-zu-2-Abstimmungssystem der Premier League bedeutet, dass jede Änderung die Zustimmung von 14 der 20 Vereine erfordert. Die reichen 14 können alles blockieren, was ihnen schadet, während die unteren sechs um die Krümel kämpfen. Die kürzlich eingeführte 'Kaderkostenquote‘ (70 Prozent der Einnahmen) wird dies nur verschärfen, da die Reichen durch Werbedeals und Stadionerweiterungen mehr Einnahmen erzielen können.
Das Fazit: PSR wird den Fußball nicht retten
Bis 2026 werden voraussichtlich mindestens drei Klubs mit PSR-Sanktionen belegt – keiner aus den aktuellen Top Sechs. Die Premier League wird weiter die weniger Mächtigen mit Geld- und Punktstrafen belegen, während sie die strukturellen Vorteile der Elite ignoriert. Die einzige Lösung ist ein radikaler Umbau: entweder eine harte Gehaltsobergrenze für alle Klubs oder eine Luxussteuer, die Gelder in die unteren Ligen umverteilt. Beides wird nicht passieren, weil die reichen Klubs die Mehrheit kontrollieren. Also hier die Prognose: Bis zur Saison 2027/28 wird Everton abgestiegen und unter neuer Führung wiedergeboren sein, während Manchester City den fünften Titel in Folge holt, die 115 Anklagepunkte mit einer Geldstrafe in Höhe einer Wochengage von Erling Haaland beigelegt werden. Und die Premier League wird sich für ihre robusten Finanzregeln auf die Schulter klopfen.
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