Hull City unter Zeitdruck: 6 Millionen Pfund Spielerverkäufe nötig

Hull City muss Berichten zufolge innerhalb der nächsten drei Wochen rund sechs Millionen Pfund durch Spielerverkäufe einnehmen, um weitere Sanktionen der englischen Football League (EFL) zu vermeiden. Der Championship-Klub steht unter erheblichem finanziellem Druck, da er die Bücher bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres ausgleichen muss.

Der potenzielle Fehlbetrag resultiert aus den hohen Ausgaben unter Eigentümer Acun Ilicali, der seit seiner Übernahme im Januar 2022 kräftig investiert hat. Die Tigers standen bereits zuvor unter einer weichen Transfersperre, die ihre Kaderplanung einschränkte.

Hintergrund: Finanzielle Lage und EFL-Regeln

EFL-Klubs dürfen in der Championship über drei Jahre maximal 39 Millionen Pfund Verlust machen. Bei Verstößen drohen Transfersperren oder Punktabzüge. Hull City wies in den letzten veröffentlichten Zahlen für die Saison 2022/23 Verluste von 22,5 Millionen Pfund aus, und das laufende Geschäftsjahr wird voraussichtlich ein deutliches Minus zeigen, falls keine Spielerverkäufe gegenfinanziert werden.

Die Gehaltskosten stiegen nach Ilicalis Übernahme massiv. Teure Neuzugänge wie Liam Delap und Jaden Philogene kosteten zusammen über zehn Millionen Pfund. Philogene wurde zwar im Juli 2024 für 13 Millionen Pfund an Aston Villa verkauft, doch dieser Transfer hat die finanziellen Probleme wohl nicht vollständig gelöst.

Trainer Tim Walter hat im Sommer bereits einen Kaderumbau vorgenommen, doch weitere Abgänge könnten nötig sein, um die Profitabilitäts- und Nachhaltigkeitsregeln einzuhalten. Das Drei-Wochen-Fenster sorgt für Unsicherheit vor dem Januar-Transferfenster.

Auswirkungen auf Kader und Taktik

Hull City steht nach 18 Spielen mit 22 Punkten auf Platz 15 der Championship-Tabelle und hat vier der letzten sieben Ligaspiele gewonnen. Walter setzt auf ein hochpressendes 4-2-3-1-System, das auf energische Stürmer und Außenspieler angewiesen ist. Der mögliche Verlust wichtiger Offensivkräfte könnte die taktische Ausrichtung des deutschen Trainers gefährden.

Interessierte Vereine sollen unter anderem Stürmer Liam Delap auf dem Zettel haben, der auf Leihbasis von Manchester City kommt und in dieser Saison wettbewerbsübergreifend sechs Tore erzielt hat. Sein Leihvertrag könnte einen festen Wechsel ermöglichen. Auch Mittelfeldspieler Tyler Morton, ebenfalls auf Leihbasis vom FC Liverpool, besitzt einen gewissen Marktwert, allerdings könnte sein temporärer Vertrag einen sofortigen Verkauf erschweren.

Abwehrspieler Jacob Greaves, ein Eigengewächs, wurde in der Vergangenheit mit Premier-League-Klubs in Verbindung gebracht und ist das wertvollste feste Asset. Der 24-jährige Innenverteidiger stand in allen 18 Ligaspielen in der Startelf und würde eine Ablöse von deutlich über zehn Millionen Pfund erzielen.

Transfermarkt-Kontext und historische Präzedenzfälle

Die geforderten sechs Millionen Pfund sind für Championship-Verhältnisse moderat, doch der kurze Zeitraum macht die Sache komplex. Vergleichbare Notverkäufe gab es etwa bei Reading im Januar 2023, als Tom Ince und Andy Carroll für fünf Millionen Pfund gingen, um eine Transfersperre zu vermeiden. Erfolgreichere Beispiele sind der Verkauf von Carlton Morris durch Luton Town im Jahr 2022 für acht Millionen Pfund, der den Aufstieg finanzierte.

Potenzielle Käufer werden Hulls Zwangslage ausnutzen und wohl niedrige Angebote abgeben. Der Klub muss möglicherweise ungünstige Konditionen akzeptieren, um die Frist einzuhalten – ähnlich wie bei Derby County 2021, als Wayne Rooneys Mannschaft mehrere Schlüsselspieler unter Wert verkaufte.

Wie geht es weiter für Hull City?

Ilicali muss entscheiden, welche Spieler er opfert, um die EFL zufriedenzustellen und gleichzeitig einen konkurrenzfähigen Kader zu erhalten. Abgänge von Delap oder Greaves würden die benötigten Mittel bringen, aber die Mannschaft deutlich schwächen. Die Alternative wäre, einen Punktabzug zu riskieren, der die Play-off-Ambitionen zunichtemachen könnte.

In den verbleibenden drei Wochen wird Hulls Scouting-Team intensiv nach Käufern suchen und Verhandlungen führen. Das Januar-Transferfenster öffnet am 1. Januar, doch Verkäufe vor dem 31. Dezember könnten notwendig sein, um die Buchhaltungsfristen einzuhalten. Gelingt es nicht, sechs Millionen Pfund einzunehmen, droht eine weiche Transfersperre.

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