Die Handball-Regel hat den Verstand verloren
Die Auslegung der Handball-Regel in der Premier League ist eine groteske Parodie der Gerechtigkeit. Allein in dieser Saison wurden sieben Strafstöße für unvermeidbare Handspiele verhängt. Das Gesetz bestraft weder Absicht noch Fahrlässigkeit mehr – es bestraft schlicht den Besitz von Armen.
Von klar und eindeutig zu undurchsichtig und willkürlich
Als das IFAB 2019 die Handball-Regel überarbeitete, war das Ziel Klarheit. Stattdessen hat die Premier League eine Lotterie geschaffen. Man denke an Joelintons Elfmeter im St. James' Park letzten Monat: Der Ball traf aus kürzester Distanz seinen Arm, während er sich wegdrehte. Nach altem Recht war das ein Unfall. Nach neuem Recht gibt es Strafstoß. Die Regel bewertet nun die Position des Arms relativ zum Körper, nicht die Bewegung des Balls. Ein Verteidiger, der mit den Händen auf dem Rücken grätscht, wird bestraft, wenn der Ball an seinen nachlaufenden Arm prallt. Das ist kein Fußball, das ist Eishockey ohne Schläger.
Warum die „Silhouetten-Doktrin“ versagt
Der Kern des Problems ist der Silhouetten-Test: Wenn ein Arm die Körperform unnatürlich vergrößert, ist es Handspiel. Aber beim Sprinten, Springen oder Drehen strecken sich die Arme natürlich zur Balance. Zu erwarten, dass Verteidiger die Arme stets an den Körper pressen, ist biomechanischer Unsinn. Die reichsten Klubs instruieren ihre Verteidiger inzwischen, mit angelegten Armen zu sprinten – auf Kosten der Stabilität. Dies hat zu einem Anstieg von 22 Prozent bei Unterkörperverletzungen unter Verteidigern in dieser Saison geführt, so ein Vereinsarzt, der anonym bleiben möchte. Die Regel schadet den Spielern.
- Die durchschnittliche Anzahl von Handelfmetern pro Saison stieg von 12 auf 28 seit 2019.
- VAR-Überprüfungen auf Handspiel machen nun 31 Prozent aller Unterbrechungen aus, gegenüber 14 Prozent.
- Nur 43 Prozent der Fans halten die aktuelle Regel für fair, so eine im März durchgesickerte Fan-Umfrage der Premier League.
Verteidiger haben jedes Recht, sich zu beschweren
Kritiker argumentieren, Verteidiger müssten sich anpassen, die Regel schütze Angreifer und fördere Tore. Aber Fußball ist ein schneller Kontaktsport. Die Last hat sich so unverhältnismäßig verschoben, dass Verteidiger nun einen fairen Zweikampf fürchten. Dele Allis „No-Look“-Pass von 2018, der den Arm eines Verteidigers traf, war kein Elfmeter – heute wäre er es. Das ist keine Evolution, das ist Sterilisation. Die Premier League muss den Silhouetten-Test abschaffen und zu einer einfachen Unterscheidung zurückkehren: nur vorsätzliches Handspiel bestrafen. Ja, das führt Subjektivität ein. Aber Subjektivität ist besser als mechanische Absurdität. Jede andere große Liga ist von der strengen Haftung abgerückt; die Premier League bleibt stur isoliert.
Trainer-Ausraster vor Regeländerung erwartet
Die Regel wird nicht mitten in der Saison geändert, aber der Druck wächst. Bis Weihnachten wird es mindestens zwei weitere krasse Fehlentscheidungen geben. Eine davon wird einen Champions-League-Platz entscheiden. Der Aufschrei wird eine Sommer-Überprüfung erzwingen. Ich prognostiziere, dass die Premier League zur Saison 2025/26 endlich die UEFA-Richtlinien übernehmen wird: Handspiel nur bestrafen, wenn es klar vorsätzlich ist oder der Arm in einer offensichtlich erhobenen Position war. Bis dahin: Bereiten Sie sich auf weitere Farce vor.
Verwandte Artikel
Eingeordnet unter: Meinung | LA Premier League Home