UEFAs Geldstrafen sind ein Feigenblatt für ein System, das die Reichen belohnt und die Ehrgeizigen bestraft.
Vier Premier-League-Klubs – Aston Villa, Chelsea, Newcastle United und Nottingham Forest – wurden letzte Woche von der UEFA wegen Verstößen gegen die finanziellen Nachhaltigkeitsregeln bestraft. Die Gesamtstrafe: knapp 1 Million Euro. Die gemeinsame Ausgabenkraft der beteiligten Klubs: über 1 Milliarde Euro. Die Botschaft ist klar: Brich die Regeln, zahle eine lächerliche Summe und mach weiter.
Die Geschichte des FFP zeigt: Es ging nie um Fairness.
2011 eingeführt, um unkontrollierte Ausgaben einzudämmen, hat sich das Financial Fair Play zu einem Instrument der Verfestigung entwickelt. Die Ursünde war, Klubs nur das ausgeben zu lassen, was sie einnehmen – eine nette Idee, die die Realität von investorengestützten Ausgaben ignorierte. Manchester City und PSG wurden früh ins Visier genommen, aber beide umgingen das System mit kreativer Buchführung und rechtlichen Schritten. Das Ergebnis? Ein Zwei-Klassen-Regelwerk: eines für die etablierten Giganten, ein anderes für die Herausforderer.
Betrachten wir die eigenen Profitabilitäts- und Nachhaltigkeitsregeln (PSR) der Premier League. Everton und Nottingham Forest wurden in der letzten Saison mit Punktabzügen belegt, weil ihre Verluste die Grenze von 105 Millionen Euro über drei Jahre überschritten. Doch Chelsea gab unter Todd Boehly über 1 Milliarde Euro in zwei Jahren aus und erhielt nur geringe Sanktionen. Der Unterschied? Chelseas Abschreibungstricks und Spielerverkäufe an Schwesterklubs. Das System belohnt finanzielle Manipulation, nicht echte Nachhaltigkeit.
Das Kernargument: FFP-Sanktionen werden willkürlich angewendet und sind grundsätzlich wettbewerbsschädlich.
Nehmen wir die vier von der UEFA bestraften Klubs. Aston Villa, unterstützt von NSWE, hat schwer investiert, um in die Top Vier zu kommen. Chelseas massive Ausgaben unter Boehly und Clearlake Capital trotzen jeder konventionellen Logik. Newcastles saudische Revolution wurde durch PSR-Grenzen trotz des Reichtums der Eigentümer ausgebremst. Forests Ausgabenrausch nach dem Aufstieg hätte sie fast den Abstieg gekostet. Jeder Fall ist anders, doch der gemeinsame Nenner ist: Ehrgeiz wird bestraft, während Trägheit belohnt wird.
- Aston Villas Gehaltsliste stieg von 127 Mio. Euro (2021) auf 196 Mio. Euro (2024), während sie die Champions League anstrebten. Die Strafe? 100.000 Euro – weniger als eine Woche Gehalt von Ollie Watkins.
- Chelseas Milliarden-Einkaufstour beinhaltete rekordverdächtige Abschreibungszeiträume (bis zu acht Jahre), um Kosten zu verteilen. UEFAs FSR begrenzt jetzt die Abschreibung auf fünf Jahre, aber alte Deals bleiben bestehen. Die Strafe? 480.000 Euro.
- Newcastles Nettoausgaben von 305 Mio. Euro unter neuer Führung lösten PSR-Ängste aus und erzwangen Spielerverkäufe wie Elliot Anderson an Forest. Die Strafe? 340.000 Euro.
- Forests Aufstiegs-Push 2022/23 führte zu einem Verlust von 140 Mio. Euro. Sie bekamen in der letzten Saison vier Punkte abgezogen. UEFAs Strafe? 40.000 Euro.
Das Gegenargument, dass Regeln zur Verhinderung von Insolvenzen nötig sind, ist richtig – aber schlecht umgesetzt.
Niemand will, dass Klubs zusammenbrechen wie Bury oder Macclesfield. Finanzielle Regulierung ist notwendig. Aber das aktuelle System schützt den Status quo unter dem Deckmantel der Vorsicht. Die PSR der Premier League verwendet eine feste Verlustgrenze, die weder an Inflation noch an Umsatzwachstum angepasst wird. Im Jahr 2024 kauft man für 105 Mio. Euro weniger als die Hälfte von dem, was man 2013 dafür bekam. Währenddessen bedienen Eliteklubs wie Manchester United Schulden von 850 Mio. Euro und geben 70 Mio. Euro für Spieler aus. Schulden sind in Ordnung, wenn man ein „Traditionklub" ist; Investitionen sind verdächtig, wenn man ein Neuling ist.
Das eigene Argument der Premier League für FFP – dass es „unnachhaltige" Ausgaben verhindert – ignoriert, dass die am höchsten verschuldeten Klubs die traditionellen „Big Six" sind. Manchester Uniteds Nettoschulden erreichten 2024 969 Mio. Euro. Tottenhams Stadionschulden liegen bei über 800 Mio. Euro. Doch keiner von ihnen bekommt Punktabzüge. Warum? Weil sie genug Einnahmen erzielen, um die Schulden zu bedienen. Aber Einnahmen korrelieren mit historischem Erfolg – ein sich selbst erhaltender Kreislauf. FFP zementiert die Vorteile der Etablierten, indem es neuen Geldgebern das Aufholen erschwert.
Das Fazit: UEFAs Geldstrafen sind eine Farce, und die PSR der Premier League wird bald auf die Probe gestellt.
Bis 2026 wird mindestens einer der bestraften Vier – ich tippe auf Newcastle – erneut gegen die Regeln verstoßen, weil die Regeln die Inflation von Spielergehältern und Ablösen nicht berücksichtigen. Die Premier League steht dann vor der Wahl: die PSR lockern und eingestehen, dass das System kaputt ist, oder sie so streng durchsetzen, dass ein Klub wie Villa oder Newcastle wegen Wettbewerbsbeschränkung klagt. Ich erwarte Ersteres. Die Liga kann sich eine juristische Niederlage nicht leisten, die das gesamte Regelwerk einreißen würde. Innerhalb von zwei Jahren wird das Punktabzugssystem leise in eine Luxussteuer umgewandelt – ähnlich der in der Major League Soccer – die für die Reichen nur eine weitere Betriebsausgabe darstellt.
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