Die Finanzregeln der Premier League sind kein fairer Wettbewerb – sie sind ein Schutzsystem für die etablierte Elite.
Nottingham Forests Vier-Punkte-Abzug wegen Verstößen gegen die Profitabilitäts- und Nachhaltigkeitsregeln ist der jüngste Beweis dafür, dass Financial Fairplay ein Etikettenschwindel ist. Es bestraft Ambitionen, nicht Verschwendung. Forest gab nach dem Aufstieg 250 Millionen Pfund aus, um einen Kader für den Klassenerhalt aufzubauen, und wird nun dafür bestraft, mit Klubs konkurrieren zu wollen, deren Einnahmen dreimal so hoch sind. Das System ist manipuliert.
Historische Präzedenzfälle
Als Manchester City seinen Aufstieg mit Geld aus Abu Dhabi finanzierte, gab es keinen Punktabzug – sie zahlten eine Geldstrafe von 49 Millionen Pfund wegen mangelnder Kooperation mit den Ermittlungen. Als Chelsea Roman Abramowitschs Milliarden ausgab, verstießen sie nie gegen FFP-Grenzen, weil kommerzielle Deals mit nahestehenden Parteien aufgebläht wurden. Die Regeln wurden geschrieben, um die Hierarchie einzufrieren, nicht um Wettbewerb zu fördern.
Everton wurde ebenfalls mit zwei Abzügen von insgesamt acht Punkten für überhöhte Ausgaben bestraft, obwohl ihre Nettoausgaben über fünf Jahre geringer sind als Citys in einem einzigen Fenster. Die Botschaft ist klar: Wer nicht zum Kartell gehört, kann sich den Aufstieg nicht erkaufen.
Das Argument: FFP dient der Elite
Die eigenen Daten der Premier League zeigen, dass die ‚Big Six‘ von strukturellen Vorteilen profitieren, die ihre Einhaltung der Regeln erleichtern. Bedenken Sie:
- Manchester Uniteds kommerzielle Einnahmen übersteigen den Gesamtumsatz von Nottingham Forest um das Zehnfache. FFP begrenzt Verluste auf 105 Millionen Pfund über drei Jahre – das sind 15 % von Uniteds Einnahmen, aber 60 % von Forests.
- Die Stadioneinnahmen im Emirates, Old Trafford und Tottenham Hotspur Stadium überragen die des City Ground. Forests Spieltagseinnahmen betragen 25 Millionen Pfund; Arsenals liegen bei 100 Millionen. FFP berücksichtigt diese strukturellen Lücken nicht.
- Spielerverkäufe: Chelseas Akademiespieler wie Mason Mount und Conor Gallagher wurden für reinen Profit verkauft und brachten über 100 Millionen Pfund. Forest kann solche Gewinne nicht erzielen, da die Akademie noch keine Stars produziert.
Die Bestrafung von Forest geht nicht um fiskalische Verantwortung – es geht darum, einen Status quo zu erzwingen, in dem soziale Aufstiege nahezu unmöglich sind.
Gegenargument und Erwiderung
Befürworter des FFP argumentieren, dass Klubs innerhalb ihrer Verhältnisse leben sollten – Forest habe leichtsinnig über die Stränge geschlagen und müsse die Konsequenzen tragen. Aber das ignoriert die Realität des Transfermarktes. Um in der Premier League zu überleben, musste Forest Spieler zu überhöhten Preisen kaufen, weil etablierte Klubs sich weigerten zu verkaufen. Sie zahlten 47 Millionen Pfund für Morgan Gibbs-White – eine Summe, die für einen Spieler aus dem Kader eines Top-Sechs-Klubs moderat wäre, für einen Aufsteiger jedoch prohibitiv. Die Regeln berücksichtigen keine Marktverzerrungen.
Zudem war die Untersuchung der Premier League zu Forests Sponsoring-Deals mit nahestehenden Parteien intransparent. Der Verkauf von Brennan Johnson an Tottenham für 47,5 Millionen Pfund wurde als unzureichend angesehen, die Bücher auszugleichen, weil die Liga ihn niedriger bewertete – eine bürokratische Entscheidung, die willkürlich wirkt. Wenn die Regeln objektiv sein sollen, müssen Bewertungen transparent sein. Sie sind es nicht.
Fazit / Prognose
Forest wird diese Saison mit zwei Punkten Vorsprung überleben – nicht, weil der Abzug unbedeutend wäre, sondern weil der Kader genug Qualität hat, um ihn zu kompensieren. Das Transferverbot wird sie jedoch zwingen, ihre besten Spieler zu verkaufen, beginnend mit Gibbs-White zu Arsenal für 60 Millionen Pfund im Sommer. Bis 2027 wird Forest in der Championship sein, und die Premier League wird die ‚finanzielle Verantwortung‘ feiern, die einen weiteren ambitionierten Klub getötet hat. Das System funktioniert genau wie beabsichtigt.
Verwandte Artikel
Eingeordnet unter: Meinung | LA Premier League Home