Premier-League-Klubs schulden sich Milliarden – eine tickende Zeitbombe für den Finanz-Fairplay

Die Debatte um Financial Fairplay in der Premier League dreht sich meist um Punktabzüge und Gehaltsobergrenzen. Doch die wahre Krise liegt in den Bilanzen versteckt: Die Klubs schulden sich gegenseitig über drei Milliarden Pfund an ausstehenden Transferraten. Dieses interne Kreditsystem hat sich zu einem Schattenbankensystem entwickelt, das selbst den größten Verschwendern erlaubt, die Konsequenzen ihres Ehrgeizes aufzuschieben.

Wie kam es so weit? Ein Jahrzehnt der Ratenzahlung

2014 schuldeten die Premier-League-Klubs zusammen noch rund 1,2 Milliarden Pfund an künftigen Transferzahlungen. Bis 2024 hat sich diese Summe auf über drei Milliarden Pfund mehr als verdoppelt. Der Mechanismus: Strukturierte Deals, bei denen ein 100-Millionen-Spieler in fünf Jahresraten bezahlt wird – jeder Transfer wird zum mehrjährigen Kredit. Chelseas 117-Millionen-Deal für Morgan Rogers, gestreckt auf sechs Jahre, ist nur das jüngste Beispiel. Das ist keine Innovation, sondern Regelungsarbitrage.

Zum Vergleich: In den 1990ern wurden die meisten Transfers innerhalb von zwölf Monaten abgewickelt. Die Umstellung auf Ratenzahlung war ursprünglich ein Mittel zur Liquiditätssicherung für kleinere Klubs, wurde aber zur systemischen Abhängigkeit. Selbst Manchester United, der kommerzielle Gigant der Liga, schuldet anderen Klubs inzwischen über 200 Millionen Pfund an künftigen Transferzahlungen.

Das Argument: Interne Schulden – die Achillesferse des FFP

Die Profitability and Sustainability Rules (PSR) der Premier League konzentrieren sich auf Verluste über einen Drei-Jahres-Zyklus. Aber sie ignorieren die Passivseite: Klubs können eine Transfersumme sofort als Einnahme verbuchen, während sie die Zahlung über Jahre strecken. Das erzeugt eine fiktive Bilanz. Ein Klub kann einen Spieler für 100 Millionen verkaufen, dies als Erlös verbuchen, aber die Summe über fünf Jahre schulden – de facto ein Kredit beim Käufer. Wenn viele Klubs dies gleichzeitig tun, wird die Liga zum Kreditnetzwerk statt zum Wettbewerbsmarkt.

  • Chelsea schuldete laut Swiss-Ramble-Analyse im Juni 2024 rund 1,3 Milliarden Pfund an Transfergebühren. Ihre PSR-Einhaltung 2023 beruhte auf der Abschreibung über Achtjahresverträge – ein Trick, der inzwischen verboten ist.
  • Manchester Uniteds Netto-Transferschulden belaufen sich auf 331 Millionen Pfund – nur Chelsea liegt höher. Die Bilanz 2024 zeigt 413 Millionen an künftigen Verpflichtungen, ein Anstieg von 190 Millionen im Jahr 2020.
  • Aston Villa schuldet trotz des Rekordgewinns durch Rogers' Verkauf noch über 250 Millionen Pfund aus früheren Deals, darunter 80 Millionen für Ollie Watkins und 55 Millionen für Pau Torres.

Diese Schulden sind nicht nur Zahlen auf dem Papier. Sie repräsentieren eine Abhängigkeitskette: Fällt ein Klub aus, bricht das Kartenhaus zusammen. Die neuen Finanzkontrollen der Liga, inklusive Squad-Cost-Ratio-Grenzen, tun nichts gegen diese interne Schuldenlast.

Gegenargument: Die Schulden sind beherrschbar, weil sie intern sind

Kritiker argumentieren, dass interne Schulden anders seien als externe Kredite: Sie sind zwischen Entitäten geschuldet, die alle vom stetig wachsenden TV-Geld der Premier League profitieren. Kann ein Klub nicht zahlen, kann der Gläubiger eine Umschuldung aushandeln, nicht eine Insolvenz. Zudem sorgt das weiter steigende Ligaeinkommen – ein neuer Inlands-TV-Deal über 6,7 Milliarden Pfund für vier Jahre – für reichlich Liquidität.

Das ist aber Beschwichtigung, die sich als Pragmatismus tarnt. Der Haken: Die TV-Erlöse werden geteilt, nicht konzentriert. Ein Klub wie Everton mit 450 Millionen Pfund Schulden bei anderen Klubs ist auf denselben Topf angewiesen wie alle anderen. Wenn die Hälfte der Liga gleichzeitig Netto-Schuldner ist, könnte ein Einbruch der TV-Einnahmen – etwa durch eine Rezession oder Piraterie – eine Kettenreaktion von Zahlungsausfällen auslösen. Der Zusammenbruch der European Super League 2023 hat gezeigt, dass das Finanzmodell fragiler ist, als die Hüter des Sports zugeben.

Fazit: Bis 2027 wird die Premier League interne Schulden deckeln müssen oder eine Massen-Punktabzug-Krise erleben

Die Liga hat derzeit keinen Mechanismus, um die Konzentration von Transferschulden zu managen. Wenn die nächste Rezession kommt – und sie wird kommen –, wird das interne Kreditnetzwerk einfrieren. Erwarten Sie, dass die Premier League bis 2026 eine Regel einführt, die Netto-Transferschulden auf 50 Prozent des Jahresumsatzes begrenzt – was das Modell der strukturierten Deals faktisch beendet. Klubs, die ihre Kaderplanung auf endlose Kreditlinien aufgebaut haben, stehen vor einer brutalen Anpassung. Manchester City und Newcastle mit relativ niedrigen Nettoschulden werden zu den neuen Herrschern aufsteigen. Der Rest muss zurückzahlen, was er schuldet – oder die Punktabzüge hinnehmen, die das FFP eigentlich verhindern sollte.

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