Der 80-Millionen-Spieler, über den keiner spricht
Bruno Guimaraes will zu Arsenal. Andrey Santos absolviert den Medizincheck bei Manchester United. Tchouameni, Ederson, Bernardo Silva – der Premier-League-Transfermarkt im Mittelfeld gleicht einem Zirkus der ganz großen Namen und noch größeren Ablösen. Doch einer, Alex Scott von Bournemouth, war in diesem Monat durchweg besser als alle anderen – und kaum eine Zeile wurde über ihn geschrieben.
Vom Championship-Talent zum Premier-League-Lenker
Scott kam einst mit dem Ruf eines Dribblers zum FC Bournemouth – schnelle Füße, tiefer Schwerpunkt, ein Stil, der an den jungen Jack Wilshere erinnerte. Doch was sich in den letzten vier Wochen offenbart hat, ist noch viel umfassender. Er umspielt nicht nur Gegner; er kontrolliert Spiele. Gegen den FC Liverpool brachte er 51 von 54 Pässen an, gewann sieben Zweikämpfe und spielte den Entscheidungspass, der das Pressing knackte und das Führungstor im Vitality-Stadion einleitete. Gegen Aston Villa beherrschte er das Umschaltspiel – drei Balleroberungen in der eigenen Hälfte und die Einleitung von Kontern, die Unai Emerys Abwehr auseinanderrissen. Die Daten zeichnen ein klares Bild: Scott ist in beiden Spielfeldern top.
Seine Werte in diesem Monat: 92 Prozent Passgenauigkeit im letzten Drittel, 4,3 progressive Dribblings pro 90 Minuten und 13 Balleroberungen pro Spiel – Zahlen, die ihn bei allen drei Kategorien an die Spitze der Mittelfeldspieler unter 23 Jahren in der Premier League setzen. Er macht die Dinge, die Spiele entscheiden, aber nicht die, die Schlagzeilen produzieren.
Die drei Dinge, die ihn besonders machen
- Pressresistenz ohne Ego: Scott nimmt den Ball unter Druck, dreht sich und spielt in zwei Kontakten weiter. Er verweilt nicht. Diese Entscheidungen in Sekundenbruchteilen sind der Grund, warum Bournemouth auch dann hinten herausspielen kann, wenn der Gegner fünf Spieler in die erste Pressinglinie schickt.
- Defensivtiming: Er fängt Pässe ab, indem er Anspielstationen vorhersieht, nicht indem er hinterherläuft. Gegen Newcastle erahnte er zwei Spielverlagerungen von Joelinton, bevor sie gespielt wurden, und unterband die Gefahr, bevor sie entstand. Das ist keine Athletik, das ist Intelligenz.
- Vielfalt im letzten Pass: Scott spielt die flache Hereingabe, den gefühlvollen Steckpass oder den klugen Querpass – und er wählt fast immer die richtige Option. Seine Vorlage zum Siegtreffer von Dominic Solanke gegen Everton war ein No-Look-Pass, getarnt als Torschuss – die meisten Spieler hätten drübergehauen.
Das Gegenargument – und warum es nicht zieht
Kritiker werden auf seine mangelnde Torgefahr verweisen: zwei Saisontore. Oder sie sagen, Bournemouths Spielstil lasse ihn besser aussehen – in einer ballbesitzdominanten Mannschaft würden seine Passquoten sinken. Aber das verkennt seine Rolle. Scott ist kein Vollstrecker im letzten Drittel; er ist der Schöpfer der Schöpfung. Er ist der Mittelfeldspieler, der die Bälle zu den Vorlagengebern bringt. Und in einem System, in dem er sowohl nach vorne als auch nach hinten arbeiten muss, ist seine Ausbeute genau das, was sie sein sollte. Vergleichen Sie ihn mit Alexis Mac Allister vom FC Brighton in der Vorsaison – ähnliche Werte in einer ähnlichen Rolle, und dann wechselte er zum FC Liverpool. Scott ist auf diesem Niveau.
Fazit: Manchester United oder Arsenal werden es bereuen, ihn nicht verpflichtet zu haben
So wird es kommen: Manchester United gibt 85 Millionen für Tchouameni aus, einen Spieler mit anderem Profil – defensiver, weniger progressiv. Arsenal bekommt Guimaraes, der exzellent ist, aber 100 Millionen kostet und 28 Jahre alt ist. Und innerhalb von zwei Jahren wird Alex Scott – den man für 80 Millionen hätte haben können – beide überflügeln. Er wird der Spieler sein, der das Mittelfeld seines Klubs für ein Jahrzehnt prägt, und die Premier League wird sich fragen, wie sie ihn übersehen konnte. Wetten Sie drauf.
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