Brentfords Standardtore kaschieren tieferliegende taktische Mängel
Brentford hat in dieser Saison 14 Tore nach Standards erzielt – mehr als jedes andere Team in der Premier League. Doch diese Statistik ist keine Stärke, sondern das Symptom eines strukturellen Zusammenbruchs im Spielaufbau. Die Bees können kein Mittelfeldspiel aufbauen, ihre Defensive wird immer löchriger, und die Abhängigkeit von toten Bällen ist eine Zeitbombe.
Der Mythos des organisierten Mittelfeldteams
Unter Thomas Frank wurde Brentford für seine Flexibilität gefeiert: 3-5-2, 4-3-3, sogar ein Diamond. Doch in dieser Saison ist diese Flexibilität in Orientierungslosigkeit umgeschlagen. Gegen Liverpool spielten sie nur 89 Pässe zwischen Innenverteidigern und Mittelfeld – der niedrigste Wert aller Teams in einem Spiel seit 2021. Brentford ist jetzt ein Team, das ausschließlich über lange Bälle auf Ivan Toney angreift und auf Ablagen hofft. Das funktioniert bei Standards, aber nicht gegen tief stehende Gegner.
Warum das System scheitert
Das Problem liegt nicht in der Personalie, sondern in der Struktur. Brentfords Mittelfeldtrio Jensen, Janelt und Onyeka ist zweckmäßig, aber nicht in der Lage, den Ball unter Druck zu verarbeiten. Ihre Passquote im Mitteldrittel beträgt 78 Prozent – die schlechteste aller Mittelfeldteams. Zum Vergleich: Brighton kommt unter De Zerbi auf 89 Prozent. Brentford kann den Ball nicht halten. Sie sind zu einem Konterteam geworden, das nicht kontern kann, weil sie den Ball nicht in der gegnerischen Hälfte zurückerobern. Ihre PPDA (Pässe pro defensiver Aktion) ist von 11,2 auf 14,6 in zwei Jahren gefallen. Das bedeutet: Sie ziehen sich in einen tiefen Block zurück und hoffen auf Standards.
Die Beweise: Drei konkrete Fehlschläge
- Gegen Wolverhampton (September 2024): Brentford hatte 31 Prozent Ballbesitz. Das einzige Tor fiel nach einer Ecke. Die Wolves, die hoch pressen, erzwangen 17 Ballverluste in Brentfords Hälfte. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Muster gegen jedes Team, das die eigene Hälfte verlässt.
- Auswärts bei Aston Villa (Oktober 2024): Brentford schlug allein in der ersten Halbzeit 23 lange Bälle. Sie kreierten keine einzige Torchance aus dem Spiel heraus. Villas Mittelfeld mit Tielemans und Onana spielte sie schwindelig. Endstand: 3:1. Alle drei Villa-Tore fielen aus Kombinationen im Spiel, die Brentfords enge Defensive nicht verhindern konnte.
- Zu Hause gegen Everton (November 2024): Franks Team hatte 58 Prozent Ballbesitz – der höchste Wert der Saison. Dennoch gelang bis zur 80. Minute nur ein Torschuss aufs Tor. Warum? Weil sie nicht in der Lage waren, ein kompaktes 4-4-1-1 zu durchbrechen. Everton ließ sie einfach seitwärts passieren. So sieht es aus, wenn ein Standard-Team auf eine disziplinierte Defensive trifft: Sie sind harmlos.
Der Gegenentwurf: Standards sind keine Schwäche, sondern eine Waffe
Manche werden argumentieren, dass Standards ein legitimer Weg zum Tor sind – siehe Simone Inzaghis Inter, das auf dem Weg ins Champions-League-Finale zwölf solche Tore erzielte. Der Unterschied: Inter hatte auch ein kohärentes Spiel aus dem Ballbesitz heraus. Brentford dagegen hat keinen Plan B. Inzaghis Team kreierte Chancen aus dem Spiel; Brentfords xG pro Spiel aus dem Spiel heraus beträgt 0,8 – Platz 17, noch hinter Luton und Sheffield United. Wenn ein Team so sehr von einer Spielphase abhängt, wird es berechenbar. Gegner lassen jetzt einfach Ecken zu und vertrauen darauf, dass sie im Spiel nicht bestraft werden.
Das Fazit: Eine falsche Obergrenze
Brentford wird diese Saison auf Platz 14 landen – nicht wegen mangelnder Qualität, sondern weil ihr taktisches Modell enttarnt wurde. Bis Februar werden die Gegner ihre Standardvarianten studiert und neutralisiert haben. Ohne diese Tore verliert Brentford im Schnitt 1,2 Punkte pro Spiel – Abstiegsform. Thomas Frank muss eine ballbesitzorientierte Alternative entwickeln, sonst wird Brentford innerhalb von zwei Saisons auf Championship-Niveau zurückfallen. Prognose: Sie werden die nächsten sechs Spiele gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte verlieren und dabei kein Tor aus dem Spiel heraus erzielen.
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