Brentfords Mittelfeld: Eine gut getarnte Katastrophenzone

Beobachtet man Brentford 90 Minuten lang, sieht man drei hart arbeitende Mittelfeldspieler, die sich die Seele aus dem Leib rennen. Man sieht aber auch gegnerische Spieler, die durchs Zentrum flanieren, als wäre es ein öffentlicher Park. Das ist kein Zufall.

Der Mythos vom fleißigen Underdog

Thomas Frank hat sich einen Ruf als Organisationstalent und Verfechter des Kollektivs erarbeitet. Sein Brentford, so heißt es, überperformt, weil es als Einheit presst und jeden Grashalm abdeckt. Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild. In der vergangenen Saison kassierte Brentford 52 Gegentore aus dem Spiel heraus – der sechstschlechteste Wert der Liga. Der erwartete Gegentorwert (xGA) aus zentralen Räumen lag bei 24,7 – Rang fünf von unten. Das ist nicht das Markenzeichen einer disziplinierten Defensive, sondern einer Mannschaft, deren Mittelfeld soviel Widerstand bietet wie nasser Karton.

Zum Vergleich: Brighton unter Roberto De Zerbi presst ebenfalls hoch, schützt das Zentrum aber durch intelligentes Positioning statt reiner Arbeitsrate. Brentford fehlt diese Positionsintelligenz. Die Mittelfeldspieler jagen Schatten und hinterlassen weite Räume für gegnerische Zehner und tiefstehende Spielmacher.

Das Argument: Warum das Trio Janelt, Nørgaard und Jensen scheitert

Das Kernproblem: Keiner dieser Spieler bietet echte defensive Absicherung im Umschaltspiel, und ihre Offensivbeiträge wiegen das nicht auf. Die Daten:

  • Vitaly Janelt: Im Schnitt 1,7 Tackles und 0,9 Interceptions pro 90 Minuten. Er ist theoretisch ein Balleroberer, wird aber oft vor dem Spielzug ausgespielt und legt so seine Innenverteidiger frei.
  • Christian Nørgaard: Nominell der defensive Mittelfeldspieler, aber seine progressiven Pässe (4,2 pro 90) gehen zulasten seiner Positionierung. Seine durchschnittliche Defensivaktion findet 35 Meter vor dem Tor statt – zu weit vorne, um die Viererkette zu schützen.
  • Mathias Jensen: Ein sauberer Passgeber, aber mit 0,6 Tackles und 0,3 Interceptions pro 90 Minuten ein Ballast ohne Ball. Sein Pressing ist oft nur symbolisch.

Wenn diese drei zusammen spielen, vollenden Gegner 85 % ihrer Pässe durch das Mittelfeldzentrum (Ligadurchschnitt: 79 %). Eine Fünf-Prozent-Lücke, die strukturelle Schwäche schreit. Teams wie Brighton, Aston Villa und selbst Aufsteiger zielen gezielt auf diesen Bereich – und Brentford hat keine Antwort.

Aber was ist mit ihren Pressingwerten?

Ein berechtigtes Gegenargument: Brentfords hohes Pressing kaschiert diese Schwächen. Sie belegen Rang sechs in der Liga bei Pressing-Aktionen im Angriffsdrittel (23,1 pro Spiel) und erzwingen hohe Ballgewinne. Doch Pressing ist nur effektiv, wenn das Team dahinter kompakt steht. Brentfords Abwehrlinie steht im Schnitt bei 48 Metern, aber die Lücke zwischen Mittelfeld und Abwehr beträgt oft 15 Meter – ein Korridor, der das Herzstück jeder Trainingsübung eines guten Trainers ist.

Der erwartete Bedrohungswert (xT), den Brentford durch den zentralen Kanal zulässt, spricht Bände: Rang 16, 0,43 xT pro Spiel aus Zone 14 (dem Raum direkt vor dem Strafraum). Schlechter als die Abstiegskandidaten Sheffield United und Luton Town. Das Pressing vorne ist ein Rauchvorhang; der eigentliche Schaden entsteht dahinter.

Man denke an das Spiel gegen Aston Villa in der Vorsaison. Unai Emerys Team spielte 14 Pässe durchs Zentrum beim Aufbau zum zweiten Tor, Jacob Ramsey lief ungehindert von der eigenen Hälfte bis in den Strafraum. Janelt und Nørgaard waren beide 20 Meter weg, zum Ball gezogen. Das war kein Ausreißer, sondern eine Blaupause.

Fazit: Ohne Änderung überlebt Brentford diese Schwäche nicht

Die Saison 2024/25 wird zeigen, ob Thomas Frank sich anpassen kann. Meine Prognose: Bis Weihnachten wird Brentford mindestens zwölf Gegentore aus zentralen Umschaltsituationen kassiert haben – die meisten in der Premier League. Wenn Frank im Januar keinen spezialisierten defensiven Mittelfeldspieler verpflichtet (oder auf ein 4-2-3-1 mit zwei Absicherern umstellt), landen sie auf Platz 16 oder tiefer. Die Erzählung vom fleißigen Underdog wird unter der Last der offenen Räume zerbrechen.

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