Virgil van Dijk hat nach Liverpools jüngster Niederlage, einer 3:2-Pleite gegen den Rivalen Manchester United im Old Trafford, ausgeteilt und nimmt kein Blatt vor den Mund. Der niederländische Verteidiger besteht darauf, dass sich die Spieler nicht selbst bemitleiden oder hinter Ausreden verstecken dürfen für das, was er eine 'inakzeptable' Saison nennt. Aber während van Dijk den Finger auf die eigene Mannschaft richtet, ist die Realität, dass Liverpools Probleme tiefer gehen als die Einstellung – und die Uhr tickt, um aus dieser Saison noch etwas zu retten.
Eine weitere Niederlage, ein weiterer Weckruf
Das Sonntagsspiel war ein Sinnbild für Liverpools Saison: helle Aufblitze, die durch defensive Aussetzer und mangelnde Chancenverwertung jäh unterbrochen wurden. Nach einem 0:1-Rückstand kämpfte sich Liverpool durch Luis Díaz zum Ausgleich, nur um vor der Halbzeit erneut in Rückstand zu geraten. Darwin Núñez glich aus, aber ein später Treffer von Marcus Rashford besiegelte die Niederlage für eine energische United-Mannschaft. 'Wir können nach jeder Niederlage nicht immer die gleichen Dinge sagen', sagte van Dijk in der Pressekonferenz nach dem Spiel. 'Das ist nicht Liverpool. Das ist nicht akzeptabel. Wir müssen Verantwortung übernehmen und es schnell ändern.'
Die Statistik zeichnet ein düsteres Bild: Liverpool hat fünf der letzten sieben Premier-League-Spiele verloren und ist auf Platz acht abgerutscht, ganze 14 Punkte hinter den Spitzenreitern. Verletzungskrisen bei Schlüsselspielern wie Mohamed Salah und Alisson Becker wurden angeführt, aber van Dijk lehnt diese Krücke ab. 'Jede Mannschaft hat Verletzungen. Das ist keine Ausrede. Der Kader, den wir haben, ist stark genug. Wir spielen einfach nicht gut.'
Was ist schiefgelaufen?
Die Probleme auf dem Platz sind vielfältig: ein löchriges Mittelfeld, eine undichte Abwehr und mangelnde Konstanz im Angriff. Klopps Hochpress-System war ohne die Energie von Jordan Henderson und Fabinho, die beide im Sommer verkauft wurden, weniger effektiv. Die Neuzugänge Dominik Szoboszlai und Alexis Mac Allister zeigten Ansätze, aber nicht die nötige Härte, um Spiele zu kontrollieren. Van Dijk selbst wurde wegen eines Formtiefs kritisiert, was er einräumt: 'Ich verstecke mich nicht. Ich könnte besser spielen, und das werde ich. Aber es geht nicht um einen Spieler – es geht um die ganze Mannschaft.'
Kann Liverpool die Wende schaffen?
Die Saison ist noch lange nicht vorbei, aber der Spielraum für Fehler ist geschrumpft. Liverpool steht eine entscheidende Serie von Spielen gegen direkte Konkurrenten um die Top Vier bevor, darunter Arsenal und Chelsea. Ein Auswärtsspiel im Etihad gegen Manchester City steht bevor. 'Wir müssen Zweikämpfe gewinnen, Duelle gewinnen, zweite Bälle gewinnen. Das ist der einzige Weg', sagte van Dijk. 'Es beginnt mit unserer Einstellung. Wir können uns nicht selbst bemitleiden.'
Für die Fans stellt sich die Frage, ob dieser Kader die mentale Stärke hat, zurückzukommen. Liverpool war schon in dieser Situation – fast gewannen sie 2022 das Quadrupel und forderten 2023 bis zum letzten Spieltag um den Titel. Aber diesmal fühlt es sich anders an. Das Rückgrat der Mannschaft altert, und die Neuzugänge sind noch nicht richtig eingespielt. Ein Platz unter den ersten Vier, geschweige denn ein Titel, erscheint zunehmend schwierig.
Der Weg nach vorn
Klopps Mannschaft trifft als nächstes in der Premier League auf West Ham, bevor ein Champions-League-Spiel gegen Real Madrid ansteht. Wenn Liverpool nicht bald Konstanz findet, könnte die Saison in eine katastrophale Abwärtsspirale geraten. 'Wir haben keine Zeit für Selbstmitleid', fügte van Dijk hinzu. 'Wir müssen in den Spiegel schauen und ehrlich sein. Der einzige Weg heraus ist durch harte Arbeit. Wir sind Liverpool. Wir machen keine Ausreden.'
Ob diese Botschaft in der Kabine ankommt, bleibt abzuwarten. Aber für einen Verein, der sich seiner mentalen Stärke rühmt, ist dies der ultimative Test. Können van Dijk und Co. beweisen, dass diese Saison nicht die neue Normalität ist? Die nächsten Wochen werden es zeigen.