Financial Fair Play ist tot: Lang lebe die kreative Buchführung

Das Finanzregelwerk der Premier League ist kein Rahmen für Fairness, sondern eine Leinwand für die dreisteste kreative Buchführung diesseits einer Briefkastenfirma auf den Cayman Islands. Punktabzüge und Sanktionen wegen Profitabilität sind nicht das Funktionieren des Systems – sie sind sein Zucken, das die Farce im Kern entlarvt.

Das große Stadion-Spiel

Jeder Klub mit einem glänzenden neuen oder erweiterten Stadion druckt plötzlich Geld mit Hospitality- und Luxuslogen, und diese Einnahmen gelten als „organisches" Wachstum, während die Investition eines titelverwöhnten Eigentümers als verdächtig gilt. Evertons neues Stadion am Bramley-Moore Dock wurde als ihr finanzieller Retter angepriesen, doch ihr jüngster Punktabzug wegen Verstoßes gegen die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln war eine direkte Folge von Kostenüberschreitungen im Stadionbau.

Die eigenen Regeln der Premier League fördern dies: Infrastrukturausgaben sind weitgehend von den Berechnungen ausgenommen, die Klubs erwischen. Also bauen Klubs hastig, leihen Geld und kapitalisieren Ziegel und Mörtel, während sie gleichzeitig für Ausnahmen bei „Investoreneinzahlungen" lobbyieren, die Eigentümern erlauben würden, Milliarden ohne Konsequenzen einzuschießen – vorausgesetzt, sie gewinnen nicht zu schnell. Das Ergebnis ist eine Liga, in der der eigentliche Fußball zweitrangig gegenüber der Bilanz ist.

Der Wandel der Regeln für „verbundene Parteien"

Manchester City, berühmt dafür, „Transaktionen mit verbundenen Parteien" von einer Beschränkung in eine Kunstform verwandelt zu haben, schreit nun laut, dass die verschärften Regeln der Premier League gezielt sie treffen. Ihr 458 Millionen Pfund schwerer Mittelfeldumbau in diesem Sommer wurde durch ein Netz von Sponsoring-Deals mit Unternehmen im Umfeld der Abu-Dhabi-Eigentümerschaft finanziert. Die Liga reagierte, indem sie das Schlupfloch schloss – aber erst, nachdem City ein Jahrzehnt lang davon profitiert hatte.

Arsenal hat unterdessen den Trick mit den Stadionnamen perfektioniert: Sie verkauften den Namen „Emirates" an die Fluggesellschaft ihrer eigenen Muttergesellschaft, was ihre Einnahmen über die Gewinnschwelle hievte, gerade als sie kurz vor einem Verstoß standen. Borussia Dortmund und Juventus haben den „Sale-and-Leaseback"-Trick perfektioniert: Sie verkauften Trainingsgelände an ihre eigenen Firmen, verbuchten den Gewinn sofort und kauften sie später zu einem Aufpreis zurück. Die Premier League gleicht nun einem Casino, in dem die Hausregeln nach jedem Würfeln neu geschrieben werden – aber die Würfel sind gezinkt.

Die große Beschleunigung: Wie die Liga die Farce fördert

Die Governance der Liga selbst hat dieses Monster geschaffen. Man denke nur an das Sommer-Transferfenster 2026: Rekordausgaben in der gesamten Liga, angeheizt durch Fernsehgeld und die Aussicht auf neue globale Medienrechte. Doch die Liga sagt den Klubs gleichzeitig, sie müssten Verluste eindämmen. Die Lösung ist nicht, weniger auszugeben, sondern kreativer – mit buchhalterischer Fantasie.

  • Der 65-Millionen-Pfund-Tausch von Ndiaye zwischen Manchester City und Sheffield United beinhaltet eine Schuldschein-Struktur, die die Zahlung in zukünftige Bilanzperioden verschiebt und so den FFP-Treffer glättet.
  • Evertons Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an eine US-amerikanische Private-Equity-Firma ist als Darlehen strukturiert, nicht als Eigenkapital, um die Prüfung durch „verbundene Parteien" zu vermeiden.
  • Arsenals „Sponsoring" des eigenen Stadions durch seine eigene Holdinggesellschaft verwendet eine Bewertung, die in keinem Verhältnis zu Marktnormen steht, und rechtfertigt so einen überhöhten Einnahmestrom, der sie unter der Obergrenze hält.

Das sind keine Schlupflöcher; das sind die Skelette des Systems, die laut rasseln. Dass die Premier League letzte Saison Everton und Nottingham Forest für geringe Mehrausgaben bestrafte, während Manchester Citys 115 Anklagepunkte weiterhin ungelöst sind, ist ein Beispiel für fehlgeleitete Wut. Die Regulierer der Liga wirken wie Verkehrspolizisten, die Fahrräder abmahnen, während Limousinen vorbeirasen.

Aber was ist mit dem „Geist"? Eine Erwiderung

Apologeten werden argumentieren, dass die Regeln notwendig seien, um Klubs vor der Pleite zu bewahren, und verweisen auf Portsmouth, Bolton und den tragischen Fall Bury. Sie haben recht, sich um finanzielle Nachhaltigkeit zu sorgen. Doch die Regeln der Premier League erreichen das nicht; sie zwingen Klubs lediglich, ihre Ausgaben als Investitionen in nebensportliche Geschäfte zu tarnen. Ein Klub ist nicht zahlungsfähiger, nur weil er zukünftige Einnahmen für den Bau eines Megastores verpfändet hat, als ein Verbraucher, der seinen Urlaub auf Kreditkarte bucht. Das eigentliche Versagen der Liga ist ihre Weigerung, die Ursache der Instabilität anzugehen: die inflationäre Spirale aus Transfergebühren und Gehältern, angeheizt durch staatsnahe Klubs und Private-Equity-Fonds, die Fußballklubs als Vermögenswerte zum Weiterverkauf betrachten, nicht als Institutionen mit Verantwortung.

Das Urteil: Ein Absturz kommt

Die Finanzaufsicht der Premier League ist eine aufwendige Fiktion, die dazu dient, die Illusion von Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten, während die größten Klubs frei ausgeben können. Die einzige Frage ist, wann der nächste Klub – vielleicht mit einem neuen Stadion oder einem kreativen Sponsor – die Grenzen zu weit überschreitet und den Zorn eines Punktabzugs zu spüren bekommt, während die wirklich Mächtigen unantastbar bleiben. Meine Prognose: Innerhalb von drei Spielzeiten wird ein Klub aus den „Big Six" in einem so offensichtlichen Schema erwischt, dass die Liga keine andere Wahl hat, als einen bedeutenden Punktabzug zu verhängen, was Schockwellen durch den Sport senden wird. Und wenn das passiert, wird das gesamte Gebilde des Financial Fair Play zusammenbrechen und durch eine neue "Luxussteuer" ersetzt, die dem US-System ähnelt – nur dass sie einen hochtrabenden Namen wie "Nachhaltige Fußballregulierung" tragen wird und genauso wenig erreichen wird.

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