Aston Villas Mittelfeld ist ein Kartenhaus
Das Mittelfeld von Aston Villa, einst der Motor von Unai Emeries Wiederbelebung, ist heute ein brüchiges Gebilde, das jederzeit einzustürzen droht. Die jüngsten Verletzungen von Youri Tielemans und Amadou Onana sind kein Pech – sie sind die logische Konsequenz eines Kaders, der auf Hoffnung statt Planung gebaut ist.
Das Emery-Paradox: Brillante Taktik, zerbrechliches Personal
Unai Emery ist ein taktischer Chamäleon, doch sein Aston Villa hat eine wiederkehrende Schwäche: die Doppelsechs. In der Vorsaison florierte Villa, als Boubacar Kamara und Douglas Luiz ein ausgewogenes Duo bildeten. Diese Saison offenbart Kamaras Ausfall die mangelnde Absicherung. Der ablösefreie Tielemans bringt Kreativität, aber keine Beinarbeit. Der 50-Millionen-Einkauf Onana liefert Physis, aber schwache Positionierung. Die Kombination Tielemans/Onana war immer ein Risiko – das sich nun gerächt hat.
Seit Kamaras Verletzung im Februar 2024 kassiert Villa in der Premier League durchschnittlich 1,8 Gegentore pro Spiel – mit ihm waren es 1,1. Emery versuchte John McGinn als Notnagel auf der Sechs, doch der Schotte mangelt es an Disziplin. Das Resultat: ein löchriger Korridor im Zentrum, den Gegner nach Belieben ausnutzen.
Das versteckte Manko: Emeries Zurückhaltung bei der Struktur
Emeries Genie liegt in der Anpassungsfähigkeit, doch sein Mittelfeld hat keine feste Identität. Anders als Pep Guardiolas starres Positionsspiel oder Jürgen Klopps Konterpressing-Trigger haben Villas Mittelfeldspieler Freiheiten – und sie ertrinken darin.
- Anfällig bei Umschaltbewegungen: Gegen Newcastle (0:3-Niederlage) wurde Villas Mittelfeld in der ersten Halbzeit zwölfmal überspielt, was zu drei Kontertoren führte.
- Fehlender defensiver Schutz: Onana kommt auf magere 0,8 Tacklings und 1,2 Interceptions pro Spiel – schwach für einen angeblichen Abräumer. Tielemans hat 0,5 Tacklings, oft beim Ballverfolgen erwischt.
- Schlechte Pressing-Koordination: Villas Pressing ist uneinheitlich; wenn ein Mittelfeldspieler anläuft, deckt der andere selten den Raum dahinter. Gegen Arsenal (0:2-Niederlage) fand Martin Ødegaard achtmal Lücken zwischen den Linien und bereitete zwei Tore vor.
Die Zahlen sprechen Bände: Villas Mittelfeld belegt ligaweit Rang 16 bei erfolgreichen Pressingaktionen (101) und Rang 17 bei Tacklings im mittleren Drittel (73). Es ist ein Sieb im Gewand eines Systems.
Das Gegenargument: Verletzungen sind das eigentliche Problem
Manche werden argumentieren, dass Villas Mittelfeldprobleme ausschließlich verletzungsbedingt sind. Immerhin haben Kamara und Onana zusammen 15 Ligaspiele verpasst. Emerys Wunsch-Achse Kamara, Luiz und Tielemans startete nur sechsmal gemeinsam. Doch dieses Argument ignoriert ein tieferes Problem: Emery baute nie Redundanzen in seinen Kader ein. Er setzte auf ein einziges Profil (der ballbesitzorientierte, zurückhängende Sechser) und verpflichtete Tielemans, der nicht in diese Schablone passt. Als Kamara ausfiel, gab es keinen gleichwertigen Ersatz. Die Kaderplanung war von Anfang an fehlerhaft.
Zudem fehlt dem Mittelfeld auch bei voller Besetzung die Balance. Luiz ist als Box-to-Box-Spieler exzellent, hat aber Probleme, wenn er primär defensiv eingesetzt wird. Onana sollte absichern, war aber inkonsistent. Emery versäumte es, einen echten defensiven Mittelfeldspieler zu integrieren – jemanden wie João Palhinha, der im letzten Sommer für 50 Millionen Euro verfügbar war. Stattdessen setzte er auf Onanas Potenzial und Tielemans‘ technische Klasse. Das Spiel geht nicht auf.
Fazit: Villa braucht einen Spezialisten oder droht das Europa-League-Aus
Bis März 2025 wird Aston Villa im Mittelfeld der Tabelle stehen, wenn Emery im Januar keinen defensiven Mittelfeldspieler verpflichtet. Ich prognostiziere, dass sie in mindestens vier der nächsten sechs Spiele gegen Top-Teams Punkte liegen lassen und auf Platz 11 abrutschen. Die Europa Conference League bleibt der einzige realistische Weg zu einem Titel, aber auch dafür ist ein Mittelfeld-Umbau nötig. Wenn der Vorstand keine 30 Millionen Euro für einen Spieler wie Morten Hjulmand (Sporting Lissabon) oder Koba Koindredi (Sporting Lissabon) locker macht, stagniert Emeries Projekt. Das Kartenhaus schwankt – ein weiterer Windstoß, und es fällt zusammen.
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