Tottenhams linke Seite ist kein Problem – sie ist das Problem

Als Roberto De Zerbi Tottenham mit Mühe und Not in der Premier League hielt, drehte sich die Erzählung um Angriffslust. Die unangenehme Wahrheit ist jedoch, dass Spurs' linke Abwehrseite ein defensives Sieb ist, das mit einer Geschwindigkeit Tore zulässt, die jeden Neuaufbau untergräbt. Das sind keine Einzelfehler, sondern eine systemische Schwäche, die Gegner schonungslos ausnutzen.

Die Anatomie einer kaputten Seite

Seit Ben Davies' defensiver Stabilität im Jahr 2023 Tottenham verlassen hat, rotieren die Spurs durch ein Karussell von Linksverteidigern – Destiny Udogie, Emerson Royal, sogar Innenverteidiger Micky van de Ven musste aushelfen – ohne das strukturelle Loch zu stopfen. Daten der Saison 2024/25 zeigen: 38 % der Gegentore fielen über Angriffe von links, der höchste Wert im Mittelfeld der Liga. Zum Vergleich: In der Saison 2018/19 unter Pochettino lag der Wert mit Danny Roses defensiver Disziplin unter 25 %.

Das Problem ist taktischer Natur, nicht personell. De Zerbis System verlangt, dass die Außenverteidiger ins Mittelfeld einrücken und die Seite bei Ballverlust entblößen. Gegen schnelle Umschaltmomente – wie bei Liverpool an der Anfield Road oder Brentfords Kontern – wird Tottenhams linke Seite zur Autobahn. Die Zahlen bestätigen das: Spurs kassierten zwölf Tore aus schnellen Angriffen über links, doppelt so viel wie der Ligadurchschnitt.

Drei Beweise, die das Muster bestätigen

  • Bei der 2:3-Niederlage gegen Bournemouth fiel der Ausgleich von Marcos Senesi, weil Udogie zu weit aufgerückt war und eine 3:2-Überzahl auf links entstand, die Senesi aus der Tiefe nutzte.
  • Gegen Brentford zog Bryan Mbeumo immer wieder von links nach innen und provozierte ein panisches Foul von van de Ven – eine rote Karte, die drei Punkte kostete.
  • Selbst bei mühsamen Siegen wie dem 1:0 gegen Everton ließ die linke Seite acht Flanken zu, die nur wegen der schlechten Chancenverwertung der Toffees nicht ins Tor führten.

Das Gegenargument: „Personelle Änderungen werden es richten“

Manche argumentieren, dass die Verpflichtung von Andy Robertson – Tottenhams angeblichem 15-Millionen-Pfund-Ziel von Liverpool – das Problem sofort lösen würde. Doch Robertsons beste Jahre waren in einer ausbalancierten Defensive, in der Virgil van Dijk seine Läufe absicherte. Bei Tottenham mit seinem Hochrisikosystem und ohne einen elite Absicherungs-Innenverteidiger würde Robertson einfach der nächste überforderte Linksverteidiger werden. Der Fehler ist systemisch: Solange De Zerbi die Pressingstruktur nicht anpasst, um die Seite zu schützen, wird jeder Linksverteidiger zum Bauernopfer.

Fazit: Zerstört das System, nicht den Sündenbock

Wenn Tottenham Priorität auf einen gestandenen Linksverteidiger legt, statt die defensive Grundordnung zu überarbeiten, werden sie nächste Saison wieder auf Platz 14 landen. Der Klub muss entweder De Zerbi anweisen, einen konservativeren Defensivblock zu spielen, oder akzeptieren, dass die linke Seite ein Drehtür bleibt. Prognose: Innerhalb von zwölf Monaten wird Robertson (falls verpflichtet) für eine defensivere Option auf die Bank gesetzt, und Tottenham wird immer noch 20+ Gegentore über links kassieren. Der Fehler liegt nicht am Spieler – es ist die Philosophie.

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