Die Premier League hat einen Wettlauf nach unten perfekt inszeniert

Die Punktabzüge gegen Everton und Nottingham Forest haben nichts mit finanzieller Fairness zu tun. Sie sind eine Deckelung des Ehrgeizes, getarnt als Regulierung. Die Liga hat ein System geschaffen, in dem die sicherste Strategie darin besteht, jedes Jahr 14. zu werden.

Der Mythos der Nachhaltigkeit

Die Profit & Sustainability Rules (PSR) der Premier League wurden als Mittel verkauft, um Klubs davor zu bewahren, auf der Jagd nach Ruhm in den Bankrott zu treiben. Die Realität ist eine andere. Seit ihrer Einführung landeten dieselben sechs Klubs in 12 der letzten 13 Spielzeiten unter den ersten sechs. Die einzige Unterbrechung war Leicester Citys Wunder 2016 – ein Titel, der die Liga veranlasste, die Schrauben noch weiter anzuziehen.

Als Aston Villa 2023 netto 150 Millionen Pfund ausgab, um in die Champions League einzuziehen, drohte kein PSR-Verstoß, weil sie Eigengewächse für reinen Gewinn verkauften. Das ist die entscheidende Hintertür: Der Verkauf von selbst ausgebildeten Spielern wird wie Zaubergeld behandelt, während der Aufbau eines konkurrenzfähigen Kaders bestraft wird. Die Regeln belohnen nicht effiziente Ausgaben, sondern den Verkauf der eigenen Talente an die Konkurrenz.

Wie das Kartell seinen Willen durchsetzt

  • Everton wurden 10 Punkte abgezogen (reduziert auf 6), weil sie über drei Jahre 19,5 Millionen Pfund zu viel ausgaben – der gleiche Betrag, den Manchester City für einen einzigen Verteidiger, Josko Gvardiol, ausgab, der gerade einen neuen Vertrag bis 2031 unterschrieben hat.
  • Nottingham Forest erhielt einen Vier-Punkte-Abzug wegen Überschreitung der Verlustgrenze um 34,5 Millionen Pfund – eine Summe, die weniger als eine Jahreszinszahlung auf Chelseas Transferamortisation entspricht.
  • Chelsea, das in zwei Jahren über eine Milliarde Pfund ausgab, droht keine Strafe, weil es Amortisationsschlupflöcher nutzte, bevor die Regeln geändert wurden. Das System bestraft diejenigen, denen die juristische Feuerkraft fehlt, um seine Grauzonen auszunutzen.

Die Botschaft ist klar: Du darfst die etablierte Ordnung herausfordern, aber nur, wenn du dir die Anwälte leisten kannst. Kleinere Klubs ohne Manchester Citys Rechtsteam und Sponsoringkonstrukte müssen eine strengere, strafendere Version derselben Regeln befolgen.

Das Argument für Zurückhaltung – und warum es scheitert

Verteidiger der PSR argumentieren, dass unkontrollierte Ausgaben zu Klubs wie Portsmouth oder Bolton führen, die nach europäischem Fußball strebten und untergingen. Sie behaupten, die Regeln schützten die Klubs vor ihren eigenen Besitzern. Aber das ist eine falsche Gleichsetzung. Portsmouth brach wegen krimineller Eigentümer zusammen, nicht wegen ambitionierter Ausgaben. Bolton scheiterte, weil es auf den Klassenerhalt in der Premier League setzte und verlor. In keinem Fall ging es um einen Klub mit nachhaltigen Einnahmen und einem klaren Plan, in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen.

Die wirkliche Gefahr ist nicht, dass Klubs zu viel ausgeben. Es ist, dass das System die Klubs zwingt, ihre besten Spieler zu verkaufen, um die Regeln einzuhalten. Als Tottenham Harry Kane zum FC Bayern schickte, weil sie ihm keine wettbewerbsfähige Gehaltsstruktur bieten konnten, ohne einen PSR-Verstoß zu riskieren, wird die Liga zum Zulieferer für ausländische Klubs. Als Newcastle United gezwungen war, Lewis Hall an Chelsea oder Manchester United zu verkaufen, weil seine Ablöse von 34 Millionen Pfund die Verlustgrenze überschritten hätte, kippt das Kräfteverhältnis weiter zugunsten der etablierten Elite.

Die konkrete Prognose: Bis 2027 wird die Premier League ein Zweiklassensystem sein

Das aktuelle PSR-Regime wird eine Liga hervorbringen, in der nur Klubs mit bestehenden kommerziellen Einnahmen – die Manchester Uniteds, Liverpools und Arsenals – um Titel kämpfen können. Die neuen Klubs mit Geld, wie Newcastle und Aston Villa, werden durch ihre niedrigere historische Einnahmebasis gefesselt. Bis zur Saison 2027/28 wird der Abstand zwischen Platz 4 und Platz 5 größer sein als der zwischen Platz 5 und Platz 10. Der einzige Weg, in die Elite einzubrechen, wird der Verkauf von Stadionnamensrechten und Trainingsgelände an nahestehende Parteien sein – so wie es City und Chelsea gemacht haben.

Die Premier League verhindert kein finanzielles Doping. Sie lizenziert es für diejenigen, die bereits die Nadel haben.

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