Die Premier League ist Gefangener ihrer eigenen Bilanzierungsregeln
Die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln (PSR) waren nie sinnvoll. Sie bestrafen Ambitionen und schützen den Status quo; sie ziehen Punkte ab bei denselben Klubs, die das System scheitern lässt. Das Urteil gegen Everton und Nottingham Forest war keine Gerechtigkeit – es war ein regulatorisches Desaster, das beweist, dass die Regeln untauglich sind.
Die Farce des aktuellen Modells
Man stelle sich die Absurdität vor: Einem Klub werden zehn Punkte abgezogen, weil er zu viel ausgegeben hat, während in derselben Liga Manchester City und Chelsea Milliarden ausgegeben haben. Das System tut so, als würde es finanziellen Fairplay überwachen, während die reichsten Klubs in einem eigenen wirtschaftlichen Universum operieren. Evertons neues Stadion am Bramley-Moore Dock wird ihre Einnahmen revolutionieren, doch nach den aktuellen Regeln werden die Schulden für den Bau gegen sie verwendet. Das ist keine finanzielle Vernunft, es ist institutionalisierte Ungleichheit.
Die eigenen Daten der Premier League zeigen das Problem: Die 'Big Six' sind für über 70% des gesamten Umsatzwachstums seit 2010 verantwortlich. Klubs außerhalb dieser Elite kämpfen ständig ums Überleben. Punktabzüge lösen das nicht – sie bestätigen nur die Hierarchie.
Die Nettoausgaben-Steuer: eine radikale, aber notwendige Lösung
Was wäre, wenn die Premier League statt Klubs für den Wettbewerbsversuch zu bestrafen, eine Nettoausgaben-Steuer einführte? Die Idee ist simpel: eine progressive Abgabe auf den Betrag, den ein Klubs Netto-Transferausgaben über einen bestimmten Schwellenwert in einem rollierenden Dreijahreszeitraum übersteigt. Das eingenommene Geld würde an Klubs mit negativer Nettoausgaben umverteilt – im Grunde eine Besteuerung der Reichen zur Finanzierung der Wettbewerbsfähigkeit.
- Chelsea hat unter Todd Boehly in drei Fenstern über 1 Mrd. £ für Transfers ausgegeben. Eine Nettoausgaben-Steuer hätte diese Eskalation deutlich teurer gemacht – und zu nachhaltigerer Planung gezwungen.
- Manchester Citys von Abu Dhabi finanziertes Modell stützt sich auf kommerzielle Einnahmen, die die meisten Klubs überragen. Eine Steuer auf ihre Nettoausgaben würde das Spielfeld ebnen, ohne Fans mit erfundenen Anschuldigungen zu belästigen.
- Kleinere Klubs wie Brentford und Brighton, die konsequent mit Gewinn verkaufen, würden von der Umverteilung profitieren – ihre Scouting-Modelle würden belohnt statt für fehlende Einnahmen bestraft.
Das Schöne an der Nettoausgaben-Steuer: Sie widerspricht nicht der angeblichen Liebe der Premier League zum freien Markt. Klubs können ausgeben, so viel sie wollen – sie zahlen nur einen Preis dafür. Die Öffentlichkeit kann den Wert eines 100-Millionen-Euro-Spielers daran messen, ob der Klub bereit ist, den Aufschlag zu zahlen. Das ist kein Sozialismus, sondern eine Luxussteuer, entlehnt aus dem amerikanischen Sport. Sie funktioniert in der NBA und MLB. Sie würde auch hier funktionieren.
Der Einwand: 'Das würde Klubs von Investitionen abhalten'
Das vorhersehbare Gegenargument: Eine Nettoausgaben-Steuer würde Investitionen abschrecken – dass Eigentümer wie Boehly oder die Glazers weniger bereit wären, Geld in ihre Klubs zu pumpen. Darauf die Antwort: Gut. Das aktuelle System schreckt Investitionen nicht ab; es lenkt sie nur auf eine Handvoll Superklubs, während alle anderen aufgefordert werden, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Eine Nettoausgaben-Steuer würde die Reichen nicht vom Ausgeben abhalten; sie würde sie zwingen, zweimal nachzudenken, bevor sie den Markt destabilisieren.
Man denke an Borussia Dortmunds Modell in der Bundesliga: Sie verkaufen jeden Sommer ihre besten Spieler, investieren einen Teil und bleiben konkurrenzfähig. Das ist kein Zeichen einer schwachen Liga, sondern eines gesunden Ökosystems. Die Besessenheit der Premier League von unbegrenzten Ausgaben hat einen Zweiklassenwettbewerb geschaffen, bei dem 14 der 20 Klubs keine realistische Chance auf den Titel haben. Eine Nettoausgaben-Steuer würde Aston Villa nicht über Nacht zum Champion machen, aber sie hätten eine bessere Chance als mit Punktabzügen.
Kritiker behaupten, die Steuer sei kompliziert durchzusetzen. Unsinn. Die Premier League überwacht bereits die Nettoausgaben im Rahmen der PSR. Einen Steuersatz an diese Kennzahl zu koppeln, ist administrativ ein Kinderspiel. Außerdem würde die Androhung einer Steuer Klubs dazu anregen, in Infrastruktur und Jugendförderung zu investieren – Ausgaben für Stadien, Akademien und Analysen zählen nicht zu den Nettoausgaben. Das ist genau das Verhalten, das die Liga angeblich fördern will.
Fazit: Die Premier League wird innerhalb von fünf Jahren eine Nettoausgaben-Steuer einführen – oder der Bedeutungslosigkeit entgegensehen
Der aktuelle Kurs der Liga ist nicht nachhaltig. Die Kluft zwischen den reichsten Klubs und dem Rest ist inzwischen eine Schlucht, und Punktabzüge sind nur ein Pflaster auf einer Blutung. Bis 2028 wird die Premier League entweder eine Form der Nettoausgaben-Steuer eingeführt haben (vielleicht als 'finanzielle Nachhaltigkeit' getarnt), oder Fanproteste werden das Thema erzwingen. Die Alternative ist eine Superliga in allem außer dem Namen. Die Nettoausgaben-Steuer ist keine radikale Idee; sie ist die einzig vernünftige Zukunft. Die Liga kann jetzt den Dummen spielen, indem sie sie einführt, oder später noch dümmer dastehen, wenn sie dazu gezwungen wird.
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