Der Kult um den Stürmer hat uns den Blick für den wahren Künstler verstellt

Während die Medien Erling Haalands Abstauber und Cole Palmers Elfmeter bejubeln, agiert an der Südküste ein wahrer Virtuose im Verborgenen. João Pedro ist nicht nur Brightons bester Spieler, sondern der kompletteste offensive Mittelfeldspieler der Premier League – und dass er nicht im Gespräch für den Spieler des Jahres ist, ist ein journalistisches Verbrechen.

Eine Linie übersehener Genies

Von Gianfranco Zola beim FC Chelsea bis zu Dimitar Berbatov bei Tottenham: Die Premier League hatte schon immer eine Schwäche für den ausländischen Zehner, der an Gegnern vorbeigleitet. Pedro, der 23-jährige Brasilianer, gehört in diese Reihe. Seine Zahlen in dieser Saison sind absurd: 12 Tore und 8 Vorlagen in 28 Ligaspielen – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Er kreiert 2,4 Chancen pro Spiel, gehört zu den besten 1 % bei erfolgreichen Dribblings und hat mehr Fouls im gegnerischen Drittel herausgeholt als jeder andere Spieler seit Eden Hazard in Bestform. Das ist nicht nur Produktivität, das ist artistischer Terror.

Doch wenn die Experten über den Titelkampf sprechen, fallen Namen wie Rodri, Saka oder Foden. Pedro wird zur Fußnote degradiert, zum "netten Spieler bei einem Mittelfeldklub". Diese Abkanzelung ignoriert, dass Brighton auf Platz sechs steht – vor Chelsea und Newcastle – und Pedro der Motor ihres Europa-Anlaufs ist. Mit ihm liegt die Tordifferenz bei +0,6 pro 90 Minuten, ohne ihn bei -0,2. Er ist kein Luxus, sondern das Dreh- und Angelpunkt.

Der Mythos vom Spieler für die großen Klubs

Das Argument lautet, Pedro würde diese Statistiken bei einem Klub mit weniger Ballbesitz nicht wiederholen können, er sei ein großer Fisch im kleinen Teich. Das ist faules, veraltetes Denken. Das moderne Spiel ist fließend; die besten Spieler passen sich an. Man sehe sich Michael Olises nahtlosen Wechsel von Reading über Crystal Palace zum FC Bayern an. Pedros Fähigkeiten – enge Ballführung, Übersicht und ein tödlicher linker Fuß – sind ortsunabhängig.

  • Er hat mehr Tore von außerhalb des Strafraums erzielt (4) als jeder andere Mittelfeldspieler der Liga – eine Fähigkeit, die jede Abwehr vor Probleme stellt.
  • Seine 17 Steckpässe sind die meisten der Liga, sogar mehr als bei Kevin De Bruyne – das beweist einen exquisiten Spielmacher-Blick.
  • Er ist der am häufigsten gefoulte Spieler der Liga (3,4 pro 90 Minuten), zieht Fouls, die Druck von der eigenen Abwehr nehmen und Standards ermöglichen – ein taktischer Trumpf, den nur wenige besitzen.

Warum das Schweigen?

Manche werden einwenden, Pedro verschwinde in den großen Spielen. Doch das ist selektive Erinnerung. Im Rückspiel im Etihad hatte Pedro Manchester Citys Mittelfeld im Griff, absolvierte 4 Dribblings und kreierte 3 Chancen beim 1:1. Wenn er für Arsenal spielen würde, würde man ihn als Jahrhunderttalent feiern. Der Bias ist kulturell: Wir sind immer noch geprägt von der Vorstellung, dass die besten Spieler die Farben der traditionellen Elite tragen müssen. Das ist ein Relikt aus den 1990ern, als die Premier League weniger globalisiert und die finanzielle Kluft unüberbrückbar war. Heute, wo staatsnahe Klubs ihre Muskeln spielen lassen, sind die Mittelfeldklubs zu Brutstätten für Genies geworden. Pedro ist der Vorreiter.

Das Urteil: Ein Star in Wartestellung

Der Dünkel muss aufhören. João Pedro ist keine Kuriosität, sondern ein Meister seines Fachs, dessen Leinwand der Rasen ist. Bis zum Ende dieses Transferfensters wird unweigerlich ein sogenannter "Top-Klub" 80 Millionen Pfund für ihn bieten – und genau die Experten, die ihn ignoriert haben, werden ihn plötzlich zum Weltklasse-Spieler erklären. Lassen Sie mich klarstellen: Wechselt er zu einem Champions-League-Klub, wird er nicht nur gut sein, sondern innerhalb einer Saison der beste Spieler des Kaders. Und falls Brighton ihn hält, prophezeie ich: In der nächsten Saison kommt er auf zweistellige Tore und Vorlagen und wird in die PFA-Elf der Saison gewählt. Der Mainstream wird keine andere Wahl haben, als aufzuholen – so wie man 2016 Riyad Mahrez anerkennen musste. João Pedro ist der neue Mahrez – und die Premier League ist gewarnt.

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