Die Strafe ist nicht das Verbrechen – sie ist die Vertuschung

Everton wurden 10 Punkte abgezogen wegen Verstößen gegen die Profitabilitäts- und Nachhaltigkeitsregeln der Premier League. Die Moralapostel schütteln den Kopf, aber sie übersehen das Wesentliche. Das Verbrechen war nicht die zu hohen Ausgaben; das Verbrechen war, das Wettrüsten nicht gewonnen zu haben – ein Wettrüsten, das die Premier League selbst entworfen hat.

Der Mythos der Eigenständigkeit

Die Liga predigt Eigenständigkeit, während ihre größten Klubs Schulden anhäufen, die ganze Staaten in den Bankrott treiben würden. Manchester United schuldet 969 Millionen Pfund brutto. Chelsea hat seit Todd Boehlys Übernahme über eine Milliarde Pfund ausgegeben – und wurde trotzdem Zwölfter. Doch ausgerechnet Everton, das in vier Jahren bescheidene 400 Millionen ausgab, kassiert die erste große Strafe. Die Regeln setzen nicht auf finanzielle Disziplin; sie schützen die Etablierten.

Die Doppelmoral der Elite

Die Liste der Heuchelei ist atemberaubend. Man bedenke:

  • Manchester City wurden 115 Verstöße vorgeworfen, die bis 2009 zurückreichen – immer noch unbestraft, immer noch Titelgewinner.
  • Chelsea unter Roman Abramowitsch gab zwei Jahrzehnte unkontrolliert aus, nie gab es einen Punktabzug.
  • Arsenal und Liverpool meldeten 2020/21 beide Vorsteuerverluste von über 100 Millionen – keine Konsequenzen.
Der einzige gemeinsame Nenner? Die bestraften Klubs haben keinen Mäzen oder staatlichen Staatsfonds im Rücken. Evertons Besitzer Farhad Moshiri ist Geschäftsmann, kein Prinz. Seine 450-Millionen-Investition wirkt nur deshalb leichtsinnig, weil er Verluste nicht in Trophäen umwandeln kann.

Aber was ist mit den Regeln?

Verteidiger des Systems argumentieren, Regeln müssten eingehalten werden. Ja, Everton hat die Grenze überschritten – 105 Millionen Verlust in drei Jahren. Doch das Regelwerk wurde vom Kartell geschrieben. Die Höchststrafe ist ein Punktabzug; es gibt keine Obergrenze für kommerzielle Manipulation, aufgeblasene Sponsoring-Deals oder kreative Buchführung. Als Citys Etihad-Deal hinterfragt wurde, änderte die Premier League die Regeln – 2021 kamen neue Vorschriften für Transaktionen mit verbundenen Parteien. Zu spät für den Rest.

Das unvermeidliche Ende

Hier eine Prognose, die sich bewahrheiten wird: Innerhalb von drei Jahren schafft die Premier League PSR ab und führt eine Kaderkostenquote nach UEFA-Vorbild ein. Das aktuelle System ist nicht haltbar. Der nächste Klub mit Punktabzug wird entweder ein Aufsteiger oder ein weiterer Störenfried sein – kein Mitglied der Big Six. Wenn Leicester City, Aston Villa oder Brighton irgendwann über die Stränge schlagen, kommt die Strafe prompt. Aber für Klubs wie City, Chelsea oder Newcastle United werden die Regeln umgeschrieben. Der Abzug an der Goodison Park ist nicht gerecht – er ist eine Warnung. Und er wird von den Mächtigen ignoriert.

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