Die Premier League hat einen unsichtbaren Diktator
Mateo Kovačić ist der beste Mittelfeldspieler der Premier League – nicht Rodri, nicht Kevin De Bruyne, nicht Declan Rice. Der Kroate ist der stille Dreh- und Angelpunkt von Manchester Citys unermüdlicher Maschine – und doch wird sein Name im Expertenzirkus kaum erwähnt. Er ist der Geist in der Maschine, und die Liga ignoriert ihn auf eigene Gefahr.
Wie ein widerwilliger Held dem Klischee trotzt
Als City Kovačić 2023 für läppische 25 Millionen Pfund von Chelsea holte, war die Erzählung klar: ein Ergänzungsspieler, über seinen Zenit hinaus, eine Übergangslösung nach Ilkay Gündogans Abgang. Doch dies ist nicht die Geschichte eines verblassenden Stars. Es ist die eines Spielers, der sich zum komplettesten Mittelfeldspieler der Premier League gemausert hat. Seine Passquote von 92 Prozent ist die beste aller zentralen Mittelfeldspieler mit über 500 Pässen in dieser Saison. Hinzu kommen durchschnittlich 2,3 progressive Dribblings pro 90 Minuten – ein Wert, der an De Bruynes beste Jahre heranreicht. Und dennoch starren die Massenmedien auf Rodris Tore oder Phil Fodens Glanzleistungen.
Doch Kovačić war schon immer unterbewertet. Bei Chelsea war er der unerkannte Kitt in einem Team voller Superstars. Jetzt, bei City, hat er eine weiter entwickelte Rolle übernommen, diktiert das Tempo aus der Tiefe und taucht gleichzeitig im Strafraum auf – wie bei seinem Tor gegen Newcastle United, das den Bann brach. Das war kein Zufall, sondern der Höhepunkt einer taktischen Entwicklung, die City widerstandsfähiger gemacht hat. Ohne ihn verliert Citys Mittelfeld seine strukturelle Integrität, wie die beiden Niederlagen dieser Saison in seiner Abwesenheit zeigen.
Plädoyer für einen unterschätzten Maestro
Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache, doch der Augenschein bestätigt es. Kovacics Beitrag geht über Zahlen hinaus.
- Gegen Arsenal absolvierte er sieben Dribblings unter Druck – mehr als jeder andere City-Spieler – und schuf Räume für De Bruyne. Ohne seine Pressingresistenz hätte Arsenals Pressing City erstickt.
- Beim 4:0-Erfolg über Chelsea leitete sein Pass auf Erling Haaland das zweite Tor ein – ein 40-Meter-Pass, der die Linie durchbricht und den nur er sieht. Nicht spektakulär, aber verheerend.
- Defensiv führt er Citys Mittelfeld in Balleroberungen (1,9 pro 90 Minuten) und gewonnenen Zweikämpfen (62 Prozent) an. Er ist der Stabilisator, der es Rodri erlaubt, nach vorne zu gehen, ohne Angst haben zu müssen.
Das sind keine abstrakten Behauptungen, sondern messbare Beiträge, die jedes Spiel prägen. Kovačić hält nicht nur den Ball, er beschleunigt das Spiel. Er unterbindet nicht nur Angriffe, er initiiert sie. Er ist Metronom und Funke zugleich.
Das Gegenargument: Nur ein Ballschlepper?
Die Kritiker werden einwenden, Kovačić habe keine Torgefahr: nur drei Tore und fünf Vorlagen in dieser Saison. Sie verweisen auf seine dürftigen Expected Assists (3,2) und behaupten, er sei nur ein konservativer Passgeber in einem dominanten Team. Doch das verfehlt den Punkt. Kovačićs Aufgabe ist es nicht, Vorlagen zu sammeln, sondern sicherzustellen, dass das System nicht bricht. Wenn City gegen ein hohes Pressing steht – wie gegen Tottenham Hotspur mit seiner 94-prozentigen Passgenauigkeit –, wird sein Wert überdeutlich. Ohne ihn wird Citys Spielaufbau brüchig, der Rhythmus geht verloren. Die Vorstellung, jeder beliebige Fußballer könne das in dieser Position, ist ein Hirngespinst – wie Kalvin Phillips‘ Scheitern als Rodri-Ersatz zeigt. Kovačić ist das Schmiermittel, das den Motor am Laufen hält, und das ist mehr wert als ein Dutzend Vorlagen.
Fazit: In zwei Jahren wird Kovačić "Weltklasse" genannt werden
Bis zum nächsten Mai wird sich die Erzählung drehen. Wenn Pep Guardiola Kovačić zwangsläufig als "einen der intelligentesten Spieler, die ich je trainiert habe" lobt, wird der Echoraum folgen. Aber warten Sie nicht auf die Krönung. Sehen Sie sich sein nächstes Spiel gegen Liverpool an: Er wird 11,5 Kilometer abspulen, über 100 Pässe spielen und ein Tor mit einem verdeckten Steckpass einleiten, den die Übertragung nicht einmal in Zeitlupe zeigt. Die Massenmedien werden es nicht bemerken – Sie aber schon. Und wenn City die Meisterschaft mit zweistelligem Vorsprung gewinnt, denken Sie daran, wer alles zusammengehalten hat. Der Geist in der Maschine ist endlich bereit fürs Rampenlicht.
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