Argentinien trägt die Last des WM-Titels

Argentinien geht mit dem schwierigsten Etikett des Fußballs in die WM 2026: als Titelverteidiger. Seit Lionel Messi im Dezember 2022 in Doha den Pokal in die Höhe stemmte, wird dieser Zyklus durch die Brille der Geschichte betrachtet. Der Druck, zu wiederholen, ist enorm, aber dieser Kader hat das Talent und die Erfahrung, erneut anzugreifen.

Die Bürde der Krone

Keiner Nation gelang seit Brasilien 1962 die erfolgreiche Titelverteidigung. Italien (1934-38) und Brasilien (1958-62) sind die einzigen beiden Mannschaften, denen dieses Kunststück gelang. Argentinien selbst scheiterte 1990 nach dem Sieg 1986 und verlor das Finale gegen Westdeutschland. Der Status als Titelverteidiger erwies sich oft eher als Fluch denn als Segen: Frankreich schied 2002 in der Vorrunde aus, Spanien 2014 ebenfalls, Deutschland 2018 auch. Argentinien ist sich dieser Geschichte schmerzlich bewusst.

Der Kern des Kaders von 2022 – darunter Lionel Messi, Ángel Di María und Nicolás Otamendi – ist nun älter. Messi wird mit 38 Jahren höchstwahrscheinlich seine letzte WM bestreiten. Seine Form bei Inter Miami war herausragend, aber die Intensität internationaler Turniere ist eine andere Herausforderung. Trainer Lionel Scaloni muss die Abhängigkeit von den erfahrenen Stars mit der Integration jüngerer Spieler wie Enzo Fernández, Julián Álvarez und Alexis Mac Allister, die in Katar entscheidend waren, in Einklang bringen.

Scalonis taktischer Balanceakt

Scalonis Argentinien ist eine Mannschaft, die auf defensive Stabilität und schnelle Umschaltbewegungen setzt. Während der WM 2022 blieb sie in vier von sieben Spielen ohne Gegentor, darunter im Finale. Die Fünferkette, angeführt von Otamendi und Cristian Romero, ist weitgehend intakt. Allerdings wird Linksverteidiger Marcos Acuña in diesem Jahr 34, ein Nachfolger auf der linken Seite muss sich finden. Das Mittelfeldtrio um De Paul, Fernández und Mac Allister sorgt für Energie und Kreativität, während Álvaros Laufbereitschaft Messi Räume schafft.

Eine taktische Schlüsselfrage ist, ob Argentinien sein intensives Pressing mit zunehmendem Alter der Spieler aufrechterhalten kann. In Katar gehörte die durchschnittliche Pressingintensität im letzten Drittel zu den höchsten aller Teams. Rückt man tiefer, riskiert man, jüngeren, athletischeren Gegnern die Kontrolle zu überlassen. Scaloni hat in Freundschaftsspielen mit einer 4-3-3-Formation experimentiert, die mehr Breite bietet, aber die Abwehr möglicherweise anfälliger macht.

Schlüsselspieler und Statistiken

  • Argentinien gewann 12 seiner letzten 15 Spiele seit der WM 2022, inklusive des Copa-America-Triumphes 2024.
  • Lionel Messi erzielte in der Saison 2026 28 Tore in 34 Einsätzen für Inter Miami und bewies damit seine anhaltende Qualität.
  • Die Defensive kassierte in Pflichtspielen seit Katar 2022 durchschnittlich nur 0,6 Gegentore pro Spiel.
  • Enzo Fernández spielte in der Saison 2025/26 für Chelsea die meisten Pässe ins letzte Drittel aller argentinischen Mittelfeldspieler.

Wie geht es weiter für La Albiceleste?

Der Weg ins Finale steht fest: Argentinien trifft in der Gruppenphase auf eine afrikanische Mannschaft, einen europäischen Qualifikanten und einen Play-off-Sieger. Ein frühes Stolpern gilt es zu vermeiden. In der K.-o.-Phase droht im Viertelfinale ein Top-Gegner aus Europa. Scalonis Kaderauswahl wird genau unter die Lupe genommen, insbesondere die Fitness von Messi und Di María. Gelingt es Argentinien, ungeschlagen durch die Vorrunde zu kommen und Schwung aufzunehmen, gibt die Turniererfahrung eine echte Chance, als erster Wiederholungstäter seit 64 Jahren in die Geschichte einzugehen.

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